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Terrorismus

Angehörige von Terroropfern kritisieren Merkel

2. Dezember 2017

In einem offenen Brief werfen Angehörige aller zwölf Todesopfer des Terroranschlags vom Berliner Breitscheidplatz Bundeskanzlerin Merkel Versagen vor. Abgedruckt wurde der Brief im "Spiegel".

Trauergottesdienst nach Anschlag vom Breitscheidtplatz
Angela Merkel beim Trauergottesdienst einen Tag nach dem AnschlagBild: picture alliance/dpa/M. Kappeler

Auf zwei Seiten bringen die Hinterbliebenen ihre Unzufriedenheit sowohl mit der Unterstützung für sie als auch mit den Antiterror-Maßnahmen in Deutschland zum Ausdruck. So sei der Anschlag am Breitscheidplatz im vergangenen Jahr auch eine tragische Folge der "politischen Untätigkeit" von Angela Merkels Bundesregierung. Deutschland mangele es an einer "grundlegenden Professionalität im Umgang mit dem Terrorismus".

Im Fall des Attentäters Anis Amri seien unter anderem Möglichkeiten zur Abschiebung verpasst worden, weil "Kompetenzchaos zwischen den Landeskriminalämtern verschiedener Bundesländer" geherrscht habe. In einer Zeit, in der die Bedrohung durch Islamisten zugenommen habe, habe Merkel es versäumt, "die Reformierung der wirren behördlichen Strukturen" rechtzeitig voranzutreiben.

Weiter beklagen die Angehörigen, dass die Kanzlerin sie auch ein Jahr nach dem Anschlag weder persönlich noch schriftlich kontaktiert habe: "Der Anschlag galt nicht den unmittelbar betroffenen Opfern, sondern der Bundesrepublik Deutschland. Es ist eine Frage des Respekts, des Anstands und eigentlich eine Selbstverständlichkeit, dass Sie als Regierungschefin im Namen der Bundesregierung unseren Familien gegenüber den Verlust eines Familienangehörigen durch einen terroristischen Akt anerkennen." 

Unterstützung hinter den Erwartungen zurückgeblieben

Die Kommunikation kurz nach dem Anschlag sei mangelhaft gewesen, in den ersten Tagen und Wochen habe sich "tatsächlich niemand von offizieller Seite um uns gekümmert". Während des Trauergottesdienstes einen Tag nach dem Anschlag hätten die Hinterbliebenen noch verzweifelt nach ihren Angehörigen gesucht.

Weiter heißt es in dem Brief, der Umfang der finanziellen Unterstützung sei weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Der Verlust eines engsten Angehörigen verursache finanzielle Schäden, man fordere deshalb von der Bundesregierung unbürokratische und umfassende Hilfe.

Der Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in diesem JahrBild: DW/M. Müller

Ein Regierungssprecher verwies darauf, dass Merkel bereits am Tag nach dem Anschlag den Tatort besucht und sich "umfassend über den Tathergang" informiert habe. Es sei der gesamten Bundesregierung wichtig, dass die Opfer und deren Familien "in ihrer oftmals verzweifelten menschlichen Lage möglichst gut begleitet und beraten werden", sagte der Sprecher.

Nach seinen Angaben will sich Merkel am 18. Dezember mit Angehörigen der Todesopfer sowie Verletzten im Kanzleramt treffen. Das ist ein Tag vor dem Gedenken, das der Berliner Senat plant. Sie will außerdem an der Einweihung eines Berliner Mahnmals für die Opfer am ersten Jahrestag des Anschlags teilnehmen und den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz besuchen.

Am 19. Dezember letzten Jahres war der Tunesier Anis Amri mit einem gestohlenen Lastwagen auf den Weihnachtsmarkt an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in der westlichen Berliner Innenstadt gerast. Zwölf Menschen starben, mehr als 60 wurden zum Teil schwer verletzt. Amri wurde später bei einer Polizeikontrolle nahe Mailand erschossen. Nach dem Anschlag kam Kritik an den Behörden auf, die Amri schon vor der Tat  hätten festetzen können.

ie/haz (epd, dpa, spiegel)

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