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Berliner Mauerstücke als Souvenirs: Fake oder echt?

Katharina Abel
4. Februar 2026

In Berliner Souvenirläden gehören Fragmente der Berliner Mauer seit mehr als 30 Jahren zum Sortiment. Aber sind das wirklich noch Originale? Spoiler-Alarm: meistens!

Eine Hand hält eine Postkarte, auf der der Bruderkuss zwischen Honecker und Breschnew zu sehen ist. In die Karte eingebaut ist eine Plastikkapsel mit einem Bröckchen Beton.
Beliebtes Souvenir: Postkarte mit einem Stückchen Berliner MauerBild: Urban Products Sacha GmbH

Als die Berliner Mauer 1989 geöffnet wurde und damit das Ende der DDR besiegelt war, begannen die Menschen sehr schnell damit, dem Ungetüm aus Beton mit Hammer und Meißel zu Leibe zu rücken. Mauerspechte nannte man sie damals. Der Großteil der Mauer wurde ab Juni 1990 mit schwerem Baugerät abgerissen. Heute sind Abschnitte der Mauer nur noch an vereinzelten Stellen zu sehen, etwa an der Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße oder in der East Side Gallery.   

DDR-Bürger strömen auch Tage nach dem Mauerfall noch in Scharen in den WestenBild: Wolfgang Kumm/dpa/picture alliance

Fragmenten der Mauer allerdings begegnet man in der Berliner Innenstadt noch immer an erstaunlich vielen Orten. Am ehemaligen Grenzübergang Checkpoint Charlie etwa oder in Souvenirläden und sogar Hotels sind sie tausendfach zu kaufen. Fast vierzig Jahre nach dem Mauerfall geht der Vorrat an Betonbröckchen, meist bunt bemalt und oft zu Magneten verarbeitet oder als Teil einer Postkarte in Plastikkapseln verpackt, ganz offensichtlich noch nicht zur Neige. Kann das sein? Oder sind diese Stücke anderer, historisch nicht ganz so bedeutsamer Herkunft?

Mauerstücke: Aus Beton - oder Gips

"Es gibt durchaus unechte Mauerstücke, die aus Gips hergestellt sind", erklärt Julian Sacha im DW-Gespräch. Doch der Großteil der angebotenen Stücke sei immer noch echt. Sacha muss es wissen: Seine Firma Urban Products Sacha GmbH im Berliner Stadtteil Reinickendorf, die er gemeinsam mit seinem Bruder Sebastian betreibt, ist Hauptlieferant dieser echten Stücke. Das Geschäft mit den Mauerteilen ist seit 1992 in Familienhand: Damals konnte sich Sebastian Sachas Schwiegervater einen großen Bestand an Mauerteilen sichern und begann mit der Zerkleinerung und dem Verkauf des Betons.

35 Jahre nach Mauerfall: eine Spurensuche

05:30

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"Wir beliefern eine große Souvenirshop-Kette in Berlin, das ist unser Hauptabnehmer", sagt Sacha. "Aber über unseren Online-Versand verschicken wir die Stücke auch in die ganze Welt." Meistens in die USA, nach Großbritannien und nach China. Außerdem läuft in Europa seit 2024 eine Wanderausstellung, die derzeit in Barcelona Station macht: "Die Berliner Mauer: Eine geteilte Welt". Auch dort werden im Museumsshop Mauerstückchen verkauft, geliefert aus Reinickendorf.

Neue Farbe, alte Mauer

Dass die bunte Farbe aus Attraktivitätsgründen nachträglich aufgesprüht wurde, verschweigt Urban Products auf seiner Website nicht. Ein Echtheitszertifikat bestätigt aber, dass der Beton, zu haben ab 9,90 Euro, tatsächlich original ist. Zu den Kunden der Firma zählt auch der Deutsche Bundestag.

Noch ist kein Ende des Geschäfts in Sicht. "Wir haben derzeit noch 40 bis 45 Mauersegmente auf Lager", erzählt Sacha. "30 davon sind vollständig, zehn bis 15 sind bereits zerkleinert und bereit zum Verkauf." Aber auch darüber hinaus sind Mauerstücke durchaus noch zu haben, schließlich war der Betonwall, der ganz West-Berlin umschloss, 155 Kilometer lang. Zwar wurden etliche Segmente, je 1,20 Meter breit und 3,60 Meter hoch, im Laufe der Jahre in fast die ganze Welt verschifft, und bei etlichen weiteren ist der Verbleib schlicht nicht bekannt. "Aber wir können weitere Segmente bekommen", versichert Julian Sacha.

Mauerfragmente: Wo "original" draufsteht, ist auch ein Original drinBild: Urban Products Sacha GmbH

Sollte es denn nötig werden. Seit einigen Jahren ist die Nachfrage rückläufig. Deshalb setzt Urban Products längst nicht mehr nur auf Beton: Nostalgisch anmutende Blechschilder, Schlüsselanhänger mit Berlin-Motiven und andere Geschenkartikel bilden inzwischen das Kerngeschäft des Berliner Unternehmens.

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