Besaß Ceausescu eine Atombombe?
16. August 2002Bukarest, 14.8.2002, 716 GMT, RADIO RUMÄNIEN INTERNATIONAL, rumän., Razvan Emilescu
Die rumänischen Zeitungen, die am Dienstag (13.8.) auf den Markt kamen, berichten über einen Artikel der amerikanischen Zeitung "Sunday Herald". In dem Blatt ging es um den Geheimplan zur atomaren Aufrüstung des kommunistischen Rumäniens in den 80er Jahren. Hier Ausschnitte dazu aus der Tageszeitung "Evenimentul zilei".
Das Blatt unterstreicht, dass die derzeitige Absicht Washingtons, den Aufrüstungsplänen Saddam Husseins ein Ende zu setzen, Ähnlichkeiten aufweist mit dem, was die US-Administration gegen Ende der 80er Jahre zu unternehmen gedachte. Damals glaubte Washington, Ceausescu würde versuchen, eine Atombombe zu bauen. Der Artikel trägt den Untertitel: "Das letzte Geheimnis des kalten Krieges". Damit wird auf eine atemberaubende Enthüllung in Bezug auf den ehemaligen kommunistischen Diktator Nicolae Ceausescu angespielt. Er soll im Dezember 1989 Atomwaffen besessen haben.
Damals wollte der amerikanische Präsident George Bush – wie heute sein Sohn – einen Diktator von der Macht vertreiben. Während der gegenwärtige US-Präsident möchte, dass Saddam Hussein von der Macht verschwindet, wollte der Vater von George W. Bush 1989 Nicolae Ceausescu mit Hilfe der Roten Armee verjagen.
Als der Präsident Georgiens Eduard Schewardnadse dieses Thema anlässlich des jüngsten Georgien-Besuchs des rumänischen Präsidenten Ion Iliescu anschnitt, führte dies in der rumänischen Presse und bei politischen Beobachtern zu heftigen Diskussionen und Auseinandersetzungen. Der "Sunday Herald" erinnert daran, dass Bush im Dezember 1989 Außenminister James Baker in geheimer Mission nach Moskau schickte. Dort sollte er den Kreml zu einer Militärintervention in Rumänien bewegen. Dieser Wunsch der amerikanischen Seite, fügt das Blatt hinzu, sei umso seltsamer gewesen, als die USA ohne Unterlass die sowjetischen Militärinterventionen in Ost-Deutschland 1953, in Ungarn 1956 und in der Tschechoslowakei 1968 kritisierten. Aus der Sicht der USA sei die UdSSR das "Reich des Bösen" gewesen.
Kurz vor Weihnachten 1989 fuhr Baker also nach Moskau, um mit Eduard Schewardnadse, dem sowjetischen Außenminister, zu sprechen. Schewardnadse, der heute georgischer Präsident ist, erinnert sich, dass der Kreml über den Vorschlag, nach Rumänien einzumarschieren, schockiert war.
(...) Besagte Zeitung ("Sunday Herald") behauptet, sie habe eindeutige Beweise dafür, dass es kurz vor dem Tod Ceausescus rumänischen Wissenschaftlern gelungen sei, Kernwaffen zu bauen. Diese Tatsache habe Moskau, das zwar besorgt war, vor einem Eingreifen zurückschrecken lassen.
Dem "Sunday Herald" zufolge bestätigt der neueste Bericht des russischen Auslands-Nachrichtendienstes, der sich auf Geheimarchive des KGB stützt, dass Rumänien die Möglichkeit hatte, Kernwaffen zu bauen. Im Mai 1989 sei es rumänischen Wissenschaftlern im Geheimzentrum für Kernforschung in Pitesti (rund 100 Kilometer von Bukarest entfernt – MD), das als Chemiewerk getarnt war, gelungen, ein Kilogramm angereichertes Plutonium zu erzeugen. Diese Menge ist für die Herstellung einer Atombombe ausreichend. (me)