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Politik

Biden: Massaker an Armeniern war Völkermord

24. April 2021

US-Präsident Joe Biden positioniert sich klar zum Massaker an den Armeniern vor über 100 Jahren. Dabei nimmt er bewusst Spannungen mit dem türkischen Präsidenten Erdogan in Kauf.

USA | Washington | Rede Präsident Joe Biden
Bild: Andrew Harnik/AFP/Getty Images

Trotz Warnungen der Türkei hat US-Präsident Joe Biden die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich während des Ersten Weltkrieges als Völkermord anerkannt. "Das amerikanische Volk ehrt all jene Armenier, die in dem Völkermord, der heute vor 106 Jahren begann, umgekommen sind", heißt es in einer vom Weißen Haus verbreiteten Mitteilung Bidens zum Gedenktag an die Massaker. Im Wahlkampf hatte Biden eine Anerkennung der Massaker an den Armeniern als Völkermord versprochen.

Ankara hatte zuvor gewarnt

Die Türkei reagierte umgehend: Die Türkei müsse sich "von niemandem über unsere Geschichte belehren lassen", erklärte Außenminister Mevlüt Cavusoglu. In einer Erklärung seines Ministeriums hieß es es, Bidens Schritt öffne eine "tiefe Wunde", die die türkisch-amerikanische Freundschaft untergrabe. Es handele sich um eine "vulgäre Verzerrung von Geschichte".Staatschef Reccep Tayyip Erdogan erklärte, das Thema dürfe nicht "durch Dritte politisiert" und "als Instrument zur Einmischung in unserem Land" missbraucht werden. Stattdessen solle die Debatte Historikern überlassen werden. 

Nach der Erklärung Bidens bestellte die Türkei den US-Botschafter in Ankara ein. Damit bringe das türkische Außenministerium seinen Protest gegen Bidens Äußerungen vom Samstag zum Ausdruck, meldet die türkische Nachrichtenagentur Anadolu.

Der armenische Regierungschef Nikol Paschinjan dankte Biden derweil für dessen "wichtigen Schritt in Richtung Gerechtigkeit" und seine "Unterstützung für die Nachkommen der Opfer des Völkermords an den Armeniern".

Bereits 2019 hatte der US-Kongress die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich als Völkermord anerkannt. Die Regierung des damaligen US-Präsidenten Donald Trump betonte anschließend, die rechtlich nicht bindende Resolution ändere nichts an der Haltung der US-Regierung. Biden-Vorgänger Trump hatte "von einer der schlimmsten Massen-Gräueltaten des 20. Jahrhunderts" gesprochen, das Wort Völkermord hatte er aber - wie andere US-Präsidenten vor ihm - vermieden.

Armenische Mitglieder der Initiative "Anerkennung Jetzt" 2016 im Bundestag, nachdem dieser die Massaker an den Armeniern als Völkermord einstuft Bild: picture-alliance/dpa/M. Kappeler

Bis zu 1,5 Millionen Tote

Der 24. April 1915 markiert den Beginn der Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich. Schätzungen zufolge wurden damals von den Soldaten des Osmanischen Reiches zwischen 1,2 und 1,5 Millionen Armenier getötet. Die Türkei lehnt die Verwendung des Begriffs Völkermord ab und spricht von einem Bürgerkrieg, in dessen Verlauf auf beiden Seiten Hunderttausende ihr Leben verloren.

Der Deutsche Bundestag hatte die Massaker an den Armeniern im Juni 2016 als Völkermord eingestuft. Dies löste eine schwere diplomatische Krise mit der Türkei aus. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron rief 2019 offiziell den 24. April zum Gedenktag aus.

as/uh (dpa, rtr, afp)

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