Als Louis Réard 1946 den Bikini erfand, galt er vielen als skandalös. Doch der Zweiteiler veränderte die Bademode nachhaltig - und wurde für Generationen von Frauen zum Symbol neuer Freiheit und Selbstbestimmung.
Marilyn Monroe war von Anfang an Bikini-FanBild: kpa Keystone/United Archives/picture alliance
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Ein professionelles Model konnte der Maschinenbauingenieur Louis Réard nicht finden. So engagierte er die Striptease-Tänzerin Micheline Bernardini für die Präsentation seines ersten Bikinis am 5. Juli 1946. Der Zeitpunkt war kein Zufall. Gerade hatte das US-Militär auf dem Bikini-Atoll im Südpazifik einen Atombombentest durchgeführt und sorgte damit weltweit für Aufsehen.
Ähnlich explosiv sollte die Enthüllung der neuesten Bademode aus Paris sein. Réards Plan ging auf. Die Aufregung war groß, denn so viel nackte Haut war für damalige Verhältnisse zu viel. Moralwächter waren entrüstet, eine Frau sollte in diesen Nachkriegsjahren mit Rock und langer Schürze herumlaufen, anstatt sich so schamlos auszuziehen. Und schamlos - winzig - waren diese Stofffetzen in der Tat. Louis Réard selbst hat in einem Werbeslogan Maßstäbe für seine Erfindung gesetzt: "Ein Bikini ist nur dann ein Bikini, wenn er sich durch einen Ehering ziehen lässt."
Sicher war das augenzwinkernd gemeint, denn später entwickelte er auch Modelle, die aus mehr Stoff bestanden.
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Der Bauchnabel musste verdeckt sein
Der legendären Modejournalistin Diana Vreeland wird bis heute ein Zitat zugeschrieben, in dem die Sprengkraft dieses neuartigen Badeanzugs auf den Punkt gebracht wurde: Der Bikini sei "das Wichtigste seit der Atombombe", soll die damalige Modechefin des Magazins "Harper's Bazaar" gesagt haben.
Während "Harper's Bazaar" das modekulturelle und gesellschaftliche Potenzial des Zweiteilers erkannte und vermittelte, war der Bikini für andere Modezeitschriften noch zu gewagt. Die "Vogue" etwa berichtete zunächst sehr vorsichtig über den neuen Trend. Erst als Stars wie Brigitte Bardot und Marilyn Monroe den Bikini Anfang der 1950er populär machten, änderte sich das. Modezeitschriften griffen den Zweiteiler zunehmend auf. In den 1960er-Jahren gehörte der Bikini schließlich ganz selbstverständlich zur Sommermode und war regelmäßig in der Vogue zu sehen.
Funfact: Die amerikanische Vogue zeigte den Bauchnabel zunächst nicht. In den frühen Jahren wurde der Bikini oft so fotografiert oder gestylt, dass der Nabel verdeckt blieb – denn genau dessen Sichtbarkeit galt damals als besonders skandalös. Erst in den 1960er-Jahren verschwand dieses Tabu allmählich.
Früher war er ein Skandal und revolutionierte die Bademode. Heute ist der Bikini ein zeitloses Statement. Dabei wurde er nicht von einem Modedesigner, sondern von einem Ingenieur erfunden.
Bild: AFP/dpa/picture alliance
Dreiecks-Geschichte
Vier kleine Dreiecke, zusammengehalten von dünnen Schnüren - weniger geht kaum. Am 5. Juli 1946 stellt sich die Striptease-Tänzerin Micheline Bernardini in einem Pariser Schwimmbad vor die Kameras und präsentiert den ersten Bikini, entwickelt ausgerechnet von einem Maschinenbauingenieur. Der Franzose Louis Réard ahnt noch nicht, dass er damit ein Kleidungsstück für die Ewigkeit geschaffen hat.
Bild: AFP/dpa/picture alliance
Eine "anatomische Bombe"
Der Zweite Weltkrieg ist vorbei, es herrscht der Kalte Krieg. Im südpazifischen Bikini-Atoll werden die ersten US-Atombombentests durchgeführt. Das inspiriert Réard zu dem Namen "Bikini". Er bewirbt diesen neuen Badeanzug (oben: 1947) mit dem Wortspiel "Le bikini, la première bombe anatomique" (Der Bikini, die erste anatomische Bombe).
Bild: Sjoberg/imageBROKER/picture alliance
Schon die alten Römerinnen...
Eigentlich war der Bikini gar keine Erfindung des Pariser Ingenieurs. Denn die Idee, sich so leicht zu bekleiden, dass nur die nötigsten Köperstellen bedeckt sind, ist schon viel älter. In Sizilien sind in der römischen Villa Romana del Casale Mosaike aus dem 4. Jahrhundert gefunden worden. Die zeigen Römerinnen beim Sport - im antiken Bikini.
Bild: Peter Schickert/picture alliance
Rutschfest
In den 1950er-Jahren feiern in den USA bunte Hollywoodfilme mit Schwimmerinnen Riesenerfolge. Die "Aqua Maids" zeigen Wasserballett und Artistik auf Wasserskiern. Hier muss das Ensemble nicht nur ansprechend aussehen, sondern auch sicher sitzen, damit es auch bei 50 km/h auf Wasserski nicht wegrutscht. Die sportliche Bikini-Variante der 50er-Jahre.
Bild: AP Photo/picture alliance
Ein Klassiker: Prinzessin Leias Bikini
Als Star Wars-Produzent George Lucas Carrie Fisher, die Leia verkörperte, den Entwurf des Bikinis zeigte, dachte sie zuerst an einen schlechten Scherz. Degradierte dieses "Kostüm" die willensstarke Prinzessin nur noch zum "Objekt" - als angekettete Sklavin des Monsters Jabba The Hutt. Als Leia ihren Peiniger jedoch später mit ihren Ketten erdrosseln durfte, war Fisher mit dem Bikini versöhnt.
Bild: United Archives/picture alliance
Die Badenixen des James Bond
Als Ursula Andress 1962 im knappen Zweiteiler dem Meer entsteigt, klappt bei Kinobesuchern und Moralwächtern die Kinnlade runter. Auch James Bond (Sean Connery) muss auf der "Jagd nach Dr. No" kurz innehalten. Dasselbe passiert Pierce Brosnan als James Bond in "Stirb an einem anderen Tag" 40 Jahre später noch mal: Halle Berry taucht in einem ähnlichen Modell aus dem Meer auf.
Bild: UPI/Fox Deutschland/dpa/picture alliance
Bloß nicht zu knapp!
Nach dem Bond-Bikini brach auch der letzte Widerstand gegen den Badefummel. Im Hamburger Hafen werden 1963 die Neuheiten für die deutsche Badesaison gezeigt: Beim Modell Capri (links) gibt es Ähnlichkeiten mit dem Ursula-Andress-Bikini. Rechts eine "neuartige Wäschegarnitur mit sportlicher Note" - Modell Sissi. Es ist mit hochgeschnittener Hose etwas sittsamer.
Bild: Lothar Heidtmann/picture alliance
Das Mutterland der String-Tangas
Ausgerechnet in Rio de Janeiro hatte sich in den 1950er-Jahren ein Anti-Bikini-Verein gegründet. Bis in die 1970er-Jahre hinein hatte vor allem der brasilianische String-Tanga den Ruf des Verruchten. Inzwischen aber flanieren die Frauen selbstbewusst in den knappsten Bikinis an Brasiliens Stränden und zeigen viel Haut.
Bild: Jose Lucena/TheNEWS2/ZUMA/picture alliance
Sport-Bikini
1996 wurde Beachvolleyball olympisch, und schnell mauserte sich diese Sportart - vor allem wenn es um die Damen-Wettkämpfe ging - zu einer der beliebtesten. Bis 2012 schrieb die Kleiderordnung den Bikini sogar vor, dann hat der Volleyball-Weltverband diese sexistische Regel gelockert. Vom Stringtanga bis zur Radlerhose ist jetzt alles möglich.
Bild: Jaroslav Ozana/CTK/picture alliance
Museumsreif?
Der 5. Juli gilt als Weltbikini-Tag. Im Jahr 2020 wurde dem Bikini zum Geburtstag ein Museum gewidmet: das BikiniArtMuseum eröffnete in Bad Rappenau in Baden-Württemberg. In rund 1200 Ausstellungsstücken wird hier die Geschichte des Bikinis erzählt. Zur Eröffnung trug das Model links im Bild ein Originalmodell von Louis Réard aus dem Jahr 1953.
Bild: Stefan Sauer/dpa/picture alliance
Unsterblicher Klassiker
"Bikini" bedeutet übrigens "Land der Kokosnüsse". Die Bewohner des atomverseuchten Atolls leben längst woanders, Bikini ist verlassen. Doch das Kleidungsstück hat Jahrzehnte überdauert und ist für Generationen von Badenixen "alternativlos". In einigen Fashion Shows laufen Bikinis den Hochzeitsroben als Showfinale den Rang ab.
Bild: Georg Wenzel/dpa/picture alliance
Schluss mit dem Body-Shaming!
Um den scheinbar so makellos aussehenden Models etwas entgegenzusetzen, gibt es sogenannte Guerilla-Modenschauen. Hier zeigen Frauen stolz und selbstbewusst, wie sie fernab der Modeglitzerwelt wirklich aussehen - und werden dafür gefeiert. Der Bikini ist seit 80 Jahren ein Statement - und wird es auch bleiben.
Bild: Tayfun Salci/ZUMA/picture alliance
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Knapp bedeckt in eine neue Zeit
Spätestens mit dem James-Bond-Film "James Bond jagt Dr. No", der 1962 in die Kinos kam, brach der Bann. Das Modell, das Ursula Andress in dem Film trägt, ging als "Dr. No-Bikini" in die Geschichte ein. In den 1960er-Jahren war der Siegeszug des Bikinis nicht mehr aufzuhalten. Er nahm viele verschiedene Formen an, kam als selbstklebender "Trikini" auf den Markt, sogar als brustfreier "Monokini" - doch der setzte sich nicht durch.
Die Revolution der Bademode ging einher mit der zunehmenden Selbstbestimmung der Frau. Die Antibabypille kam, ebenso der Minirock und die Auflehnung gegen das Establishment in den Studentenunruhen der 1960er. Der Bikini war ein Befreiungsschlag für viele Frauen.
Bikini schlägt Brautkleid
In den 1980ern und 1990ern gehörten zum Höhepunkt so mancher großen Fashion Show die neuesten Bikini-Kollektionen statt der sonst üblichen Hochzeitsroben. Laufsteg-Stars wie Claudia Schiffer, Linda Evangelista oder Naomi Campbell rissen sich um solche Jobs.
Bikini tragen ist für viele Frauen ein Zeichen von FreiheitBild: Rolf Bruderer/Blend/Tetra/IMAGO
Bis heute hat der Bikini nichts von seiner Faszination verloren. Frauen, die ihn tragen, sind selbstbewusst, zeigen ihre Formen - egal ob üppig oder schmal - oder die Zeichen vergangener Schwangerschaften so selbstverständlich wie so manche Männer ihre stattlichen Bäuche vor sich hertragen.
Bikini tragende Frauen jeden Alters trotzen den Zeitschriften, die jedes Frühjahr neue Diäten für die "Bikinifigur" verkaufen wollen. Der Bikini ist seit 80 Jahren ein Statement - und wird es auch zukünftig bleiben.
Dies ist die aktualisierte Fassung eines früheren Artikels.