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Bilanz zu Olympia 2026: Winterspiele mit Licht und Schatten

Stefan Nestler
22. Februar 2026

Ein Norweger ist der Superstar der Spiele von Mailand und Cortina. Für mindestens ebenso viele Schlagzeilen sorgt ein Skeleton-Fahrer aus der Ukraine. Ein Blick auf Gewinner, Verlierer - und Aufreger.

Der norwegische Skilangläufer Johannes Hoesflot Klaebo bejubelt Gold im Teamsprint
Skilangläufer Johannes Hoesflot Klaebo war der überragende Athlet der Spiele von Mailand und Cortina d'Ampezzo Bild: Jon Olav Nesvold/IMAGO

Wer waren die großen Gewinner und Verlierer der Spiele?

Johannes Hoesflot Klaebo aus Norwegen ist der unumstrittene König der Olympischen Spiele von Mailand und Cortina. Mit sechsmal Gold brach er den Rekord des US-Eisschnellläufer Eric Heiden, der 1980 in Lake-Placid fünf Olympiasiege gefeiert hatte. Mit insgesamt elf Goldmedaillen in seiner Karriere ist Klaebo der erfolgreichste Winter-Olympionike der Geschichte.

Sein norwegischer Landsmann Jens Luraas Oftebro feierte in der Nordischen Kombination drei Olympiasiege. Mit ebenfalls dreimal Gold war Franjo van Allmen aus der Schweiz der überragende alpine Skifahrer. Bei den Frauen sorgte Federica Brignone mit ihren Olympiasiegen im Super G und im Riesenslalom für Euphorie im Gastgeberland Italien - ebenso wie die zweimalige Gold-Gewinnerin Federica Lollobrigida im Eisschnelllauf. 

Skirennläuferin Federica Brignone macht Gastgeber Italien mit zweimal Gold glücklichBild: Spada/LaPresse/IMAGO

Einige Goldträume platzten dagegen spektakulär. So erlebte Eiskunstlauf-Superstar Ilia Malinin aus den USA ein Fiasko. In Führung liegend stürzte er bei der Kür zweimal und wurde auf Platz acht durchgereicht.

Ähnlich erging es Skifahrer Atle Lie McGrath im Slalom. Als Spitzenreiter startete der Norweger in den entscheidenden zweiten Durchgang, schied dort aber nach einem Fahrfehler aus. Tief enttäuscht und emotional höchst aufgewühlt lief er anschließend erst einmal von der Piste in den angrenzenden Wald. Dort legte er sich rücklings in den Schnee und versuchte, das Erlebte zu verarbeiten.

Sein Fehler auf der Piste war nur ein Teil der Geschichte. Am Tag der Eröffnungsfeier war Lie McGraths Großvater gestorben, zu dem er eine enge Verbindung gehabt hatte.

Wie war die Stimmung?

Viele Athletinnen und Athleten beklagten, die Spiele in Norditalien seien zwar gut organisiert gewesen, aber das olympische Flair habe gefehlt. Zum einen lag es an den großen Distanzen zwischen den verschiedenen Wettkampforten. Für viele Aktive war es daher unmöglich, Wettkämpfe in anderen Sportarten zu verfolgen. 

Durch die Aufteilung auf die Standorte Mailand, Cortina, Livigno, Predazzo und Bormio gab es auch keine gemeinsame Unterbringung mit Athletinnen und Athleten aller Sportarten in einem gemeinsamen olympischen Dorf. Kontakt untereinander kam daher nur begrenzt zustande.  

Zudem waren die Zuschauer in einigen Sportarten, zu weit weg vom Geschehen - zum Beispiel bei den alpinen Skirennen der Männer in Bormio. "Wenn das der Genuss von Olympia sein soll, bin ich froh, dass das mein letztes Mal war", sagte der deutsche Slalom-Routinier Linus Strasser.

Was waren die größten Aufreger?

Gleich am ersten Olympia-Wochenende beherrschte der schwere Sturz der US-Skifahrerin Lindsey Vonn die Schlagzeilen. Eigentlich wollte die 41-Jährige ihre großartige Karriere mit dem zweiten Olympia-Gold in der Abfahrt nach 2010 krönen und ging trotz eines Kreuzbandrisses, den sie sich im letzten Rennen vor den Spielen zugezogen hatte, an den Start.

Komplizierter Unterschenkelbruch - Lindsey Vonns verhängnisvoller Sturz Bild: Jacquelyn Martin/AP Photo/dpa/picture alliance

Doch nach wenigen Sekunden blieb sie mit dem Arm in einem Tor hängen, verlor die Kontrolle über die Ski und musste nach ihrem Sturz mit dem Hubschrauber abtransportiert werden. Vonn zog sich einen komplizierten Schienbeinbruch zu und musste mehrfach operiert werden. 

Für Diskussionen weit über den Sport hinaus sorgte die Disqualifikation des Ukrainers Wladyslaw Heraskewytsch. Der Skeletonfahrer wurde vom olympischen Rennen ausgeschlossen, weil er dort einen Helm mit Bildern ukrainischer Sportlerinnen und Sportler tragen wollte, die im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine getötet wurde. 

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) sah darin einen Verstoß gegen die Olympische Charta, die politische Statements an den Wettkampforten untersagt. Erst wollte das IOC Heraskewytsch sogar die Olympia-Akkreditierung entziehen, nahm dies jedoch auf Anweisung von IOC-Präsidentin Kirsty Coventry kurz darauf zurück. Der Sportgerichtshof CAS bestätigte schließlich den Renn-Ausschluss des Ukrainers.

Außerdem kam es im eigentlich als "Gentleman"-Sport bekannten Curling zu einem Eklat. Curling findet ohne Schiedsrichter statt, weil Fairplay oberstes Gebot ist und die Teams sich untereinander verständigen.

Beim Vorrundenspiel der Männer zwischen Kanada und Schweden kam es zum Streit, weil Schwedens Oskar Eriksson den Kanadier Marc Kennedy beschuldigte, den Stein bei seinem Versuch auf unerlaubte Art und Weise berührt zu haben. Kennedy reagierte ungewöhnlich heftig: "Wer macht das? Wer? Ich hab' das kein einziges Mal gemacht. Verpiss dich!" 

Wie fällt die Bilanz des deutschen Olympia-Teams aus?

Mit einem Rekord-Aufgebot von 185 Athletinnen und Athleten war das Team D zu den Spielen nach Norditalien gereist. Das vom deutschen olympischen Dachverband DOSB ausgegebene Ziel - ein Platz unter den erfolgreichsten drei Nationen - wurde verfehlt.

Eine sichere Medaillenbank - auf die Rodlerinnen und Rodler aus Deutschland ist VerlassBild: Matic Klansek/GEPA pictures/IMAGO

Während Deutschland im Rodel- und Bobsport erneut dominierte, gab es einige bittere Enttäuschungen, zum Beispiel im Biathlon, der Nordischen Kombination oder auch bei den Männern im Alpinski.

Auch im Skispringen war die Ausbeute insgesamt dürftig: Außer dem Sensationsgold von Philipp Raimund ging das Team bei der Medaillenvergabe leer aus. Das deutsche Eishockey-Team mit Superstar Leon Draisaitl konnte die hohen Erwartungen ebenfalls nicht erfüllen und schied im Viertelfinale aus. Erfolgreichste Winter-Nation war einmal mehr Norwegen.

Welche Lehren sollte das IOC für die nächsten Winterspiele ziehen?

Auch 2030 bei den Spielen in den französischen Alpen wird sich das Problem der weiten Wege stellen: Die Wettkämpfe verteilen sich auf die Stadt Nizza und mehrere Skigebiete in den Alpen, die teilweise eine mehr als sechstsündige Autofahrt entfernt liegen.

Um dennoch für mehr Stimmung an den Pisten zu sorgen, sollte das IOC zumindest für mehr Nähe zwischen Aktiven und Zuschauern sorgen. Zudem wären die olympischen Regelhüter gut beraten, sich bereits im Vorfeld auf eine klare Linie zu verständigen, damit sich ein Kommunikationsdesaster wie im Fall Heraskewytsch nicht wiederholt. 

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