BionNTech schließt Standorte - viele Jobs auf der Kippe
5. Mai 2026
Das Biopharma-Unternehmen BioNTech aus Mainz, der Hauptstadt des Bundeslandes Rheinland-Pfalz, plant einen radikalen Umbau. Bis zu 1860 Arbeitsplätze könnten gestrichen werden. Das Unternehmen schließt die Produktionsstandorte in Idar-Oberstein, Marburg und Singapur sowie die Werke des erst im vorigen Jahr übernommenen Tübinger Rivalen CureVac, wie eine Sprecherin mitteilte.
Der Betrieb in Singapur soll im ersten Quartal 2027 eingestellt werden. Die übrigen Werke sollen den Angaben nach "teilweise oder vollständig" verkauft werden. In Deutschland bleiben neben dem Hauptsitz in Mainz künftig nur noch die Bürostandorte Berlin und München erhalten.
Die COVID-Impfstoffherstellung wird komplett an den US-Partner Pfizer übertragen. "Im Laufe des Jahres werden wir die letzten Chargen hier in Deutschland herstellen", sagte die Sprecherin weiter.
Umbau bis Ende 2027
Die Neustrukturierung soll bis Ende 2027 abgeschlossen sein. Bereits im vergangenen Jahr hatte BioNTech den Abbau von rund 950 bis 1350 Vollzeitstellen über die nächsten zwei Jahre angekündigt. Wie viele Mitarbeitende das Unternehmen bereits verlassen haben, ist offen. Weltweit hatte der Konzern zuletzt rund 8400 Beschäftigte.
Das Unternehmen begründet die massiven Einschnitte mit einer zu geringen Auslastung, Überkapazitäten und Kosteneinsparungen.
Neuer Schwerpunkt: Entwicklung von Krebsmedikamenten
Nach Abschluss der Restrukturierung rechnet BioNTech ab 2029 mit jährlichen Einsparungen von rund 500 Millionen Euro. Das Geld soll vollständig in die Entwicklung von Krebsmedikamenten fließen. Bis 2030 will sich das Unternehmen zu einem führenden Anbieter in der Onkologie entwickeln.
Diesen Wandel wird der Konzern jedoch ohne seine beiden prominenten Gründer und Wissenschaftler vollziehen. BioNTech-Chef Ugur Sahin und seine Ehefrau Özlem Türeci hatten im März angekündigt, sich bis Ende 2026 aus dem Vorstand zurückzuziehen, um ein neues Forschungsunternehmen zu gründen.
BioNTech hatte den ersten zugelassenen Impfstoff gegen das Coronavirus entwickelt und war in der Folge zu einem der wertvollsten Unternehmen in Deutschland aufgestiegen. Doch nach dem Ende der Pandemie ging die Nachfrage nach Corona-Impfungen rasant zurück. Das Unternehmen rutschte in die roten Zahlen.
se/wa (rtr, dpa, afp)