Bitkom: KI-Nutzung in Deutschland nimmt rasant zu
28. April 2026
Nach aktuellen repräsentativen Umfragen des Branchenverbands Bitkom nutzt inzwischen eine Mehrheit der Menschen ab 16 Jahren in Deutschland KI-Anwendungen. 34 Prozent greifen mindestens einmal pro Woche darauf zurück, 15 Prozent sogar täglich. Insgesamt verwenden 58 Prozent der Bürgerinnen und Bürger KI zumindest gelegentlich.
Weitere 18 Prozent nutzen solche Anwendungen bislang nicht, können sich das aber grundsätzlich vorstellen. 22 Prozent lehnen KI dagegen auch für die Zukunft ab.
"Künstliche Intelligenz ist schneller im Alltag angekommen als jede andere Innovation zuvor", sagte Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst. "Deutschland muss KI nicht nur nutzen, sondern mitgestalten und die Skeptiker dabei mitnehmen."
Nur jeder Fünfte hatte KI-Schulung im Job
Die Mehrheit der Befragten verbindet mit KI weiterhin eher Chancen als Gefahren. 69 Prozent sehen die Technologie überwiegend positiv, 27 Prozent eher als Risiko. Allerdings hat die Skepsis im Vergleich zum Vorjahr zugenommen: Damals sahen noch 74 Prozent KI eher als Chance. Besonders deutlich sind die Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Bei den 16- bis 29-Jährigen sehen 81 Prozent vor allem Chancen, bei den über 65-Jährigen sind es 58 Prozent.
Viele Menschen setzen KI ein, um Zeit oder Geld zu sparen, Fehler zu vermeiden, komplexe Themen besser zu verstehen oder Neues zu lernen. Typische Anwendungen sind das Schreiben und Übersetzen von Texten, Reisevorbereitungen, Einkaufsfragen, Kochen oder Reparaturen. In der Studie heißt es, KI werde auch als Sparringspartner genutzt, um neue Ideen zu bekommen oder bessere Entscheidungen zu treffen.
Auch im Berufsleben spielt KI bereits eine wichtige Rolle. 48 Prozent der Erwerbstätigen nutzen sie bei der Arbeit, acht Prozent täglich und 18 Prozent mindestens einmal pro Woche. Gleichzeitig lehnen 45 Prozent der Erwerbstätigen KI-Unterstützung im Beruf ab.
Für Unternehmen problematisch: Zwölf Prozent der beruflichen Nutzer setzen KI ohne Wissen ihres Arbeitgebers ein. Zudem haben bislang nur 21 Prozent der Erwerbstätigen eine betriebliche KI-Fortbildung genutzt. Wintergerst sagte, Unternehmen drohten den Anschluss zu verpassen, wenn sie nicht auf KI setzen. "Wir müssen uns also umstellen."
Befragte fürchten um eigenständiges Denken
Die größten Sorgen der Befragten betreffen Falschinformationen: 50 Prozent fürchten schwer erkennbare Desinformation. Ebenso viele beklagen zu wenig Regeln und Kontrollen. 49 Prozent sorgen sich, dass KI zu viel Macht bekommen könnte. Wintergerst betonte, es brauche "jetzt Debatte über die Grenzen und Risiken von KI, aber auch die Möglichkeiten".
Weitere Bedenken richten sich auf den Umgang mit persönlichen Daten, mögliche Manipulationen sowie die Frage, ob Menschen durch KI langfristig Fähigkeiten zum eigenständigen Denken verlieren könnten. Knapp ein Viertel sieht diese Gefahr, ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr.
Forderung nach europäischen KI-Tools
Ein zentraler Kritikpunkt ist zudem die Abhängigkeit von US-Anbietern. 72 Prozent halten Deutschland im Bereich KI für zu abhängig von Unternehmen wie OpenAI, Microsoft, Google oder Meta. Unter den genutzten Anwendungen liegt ChatGPT vorn, gefolgt von Gemini und Copilot. Europäische Angebote wie Le Chat vom Unternehmen Mistral spielen bislang eine deutlich kleinere Rolle.
Viele Befragte wünschen sich deshalb Alternativen aus Deutschland oder Europa: 67 Prozent würden gerne eine KI aus Deutschland nutzen, 65 Prozent eine aus der Europäischen Union.
Wintergerst warnte davor, diese Abhängigkeit hinzunehmen. "Wir müssen auf jeden Fall in Technologie investieren, um nicht noch mehr digitale Kolonie zu werden." Europa müsse innovationsfreundliche Rahmenbedingungen schaffen. Die Politik dürfe mit Regulierung nicht übertreiben, zugleich brauche es Impulse aus der Wirtschaft, um eigene Lösungen voranzubringen.
pgr/se (kna, dpa, rtr)
Redaktionsschluss 17.30 Uhr (MESZ). Dieser Artikel wird nicht weiter aktualisiert!