Blockade im kasachischen Internet
12. Mai 2004Bonn, 10.5.2004, DW-RADIO / Russisch
Gleich auf mehreren kasachischen Internetseiten wurde mitgeteilt, dass Internetanbieter die Seiten künstlich blockieren und verlangsamen. Folgende Seiten werden für den kasachischen Internetnutzer blockiert: "freeas.org", "eurasia.org.ru" und "kub.kz". Übrigens berichtet unsere Korrespondentin Sarina Kosybajewa, dass in jüngster Zeit auch eine Verlangsamung des Ladens nicht nur kasachischer Internetseiten zu beobachten sei, sondern unter anderem auch der Seite der Deutschen Welle:
Politikbeobachter vor Ort gehen davon aus, dass die Störungen der Internetseiten mit der stark zugenommenen Aktivität der politischen Kräfte im Lande zusammenhängt. Hinzu kommt, dass die Informationen auf der Internetseite von "dw-world.de" ständig von zentralasiatischen Seiten übernommen werden, beispielsweise von der Internetzeitung "Navigator" (navi.kz), der Seite von Galymschan Schakijanow (zhakiyanov.info) sowie den Informationsseiten "gazeta.kz", "freeas.org", "fergana.ru", "kub.kz", "respublica.elcat.kg" und anderen. Der Zugang zu gerade diesen Seiten wird von den kasachischen Internetanbietern entweder blockiert oder verlangsamt.
Übrigens hat die unabhängige Forschungsgesellschaft "Komikon-2 Eurasia" eine Umfrage durchgeführt, der zufolge fast 70 Prozent der Befragten über die Lage der Medien erklärt hatten, dass ein Kampf um die Freiheit und Unabhängigkeit der Medien geführt werde. Fast alle befragten Besucher von Informationsseiten im Internet bezeichneten die Unterdrückung von Medien als Anschlag auf ihr von der Verfassung garantiertes Recht auf Information.
Den Zugang zu "unbequemen" Internetseiten blockierte die Staatsmacht erstmals im April 2002 vor der Eröffnung des Eurasischen Medienforums. Damals konnten unerwartet gleich mehrere Seiten nicht mehr geöffnet werden, auf denen Informationen über Probleme veröffentlicht wurden, mit denen damals die kasachischen Medien konfrontiert waren.
Die Internetzeitung "Navigator" meldete wiederholt, dass der Zugang zu ihrer Seite blockiert sei. Die Internetnutzer waren gezwungen, Auswege über Proxy-Server zu suchen. Im Januar 2004 wandten sich Politiker, Journalisten und Kulturschaffende in einem offenen Brief an die kasachischen Internetanbieter. In dem Brief wurde betont, dass das Laden der Hauptseite der Internetzeitung und der Artikel sehr lange dauere - und das nur in Kasachstan. Im Ausland hingegen ginge das viel schneller.
Auch die Zeitung "Westi Pawlodara" meldete, das Laden ihrer Internetseite dauere zu lange. Nach Ansicht von Journalisten ist die Blockade der Seiten auf die Veröffentlichung kritischer Beiträge über hochrangige Beamte im Gebiet Pawlodar zurückzuführen.
Ferner wurden die Internetnutzer mit einer gefälschten Seite "Eurasia" konfrontiert, auf der keine aktuellen Themen zu finden waren. Die echte Seite "eurasia.org.ru" hingegen konnte man nicht öffnen.
Wie es scheint, haben die kasachischen Behörden eine Möglichkeit gefunden, "unbequeme" Internetseiten zu kontrollieren. Jetzt müssen Nutzer des Internets in Kasachstan nach Umwegen suchen, um an verlässliche Informationen heranzukommen. (MO)