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Bombenalltag im Iran: Wie Dauerangst die Psyche schädigt

11. März 2026

Bomben, Staatsgewalt und Angst zermürben die Menschen im Iran. Wie sich Trauma gefährlich aufstaut – und welche Hilfe Betroffenen trotz Dauerstress Hoffnung gibt.

Iran Teheran 2026 | Schwarzer Rauch über dem Shehran-Öldepot nach US-israelischen Angriffen
Krieg sowie Gewalt seitens des eigenen Staates - was macht das mit den Menschen im Iran?Bild: Fatemeh Bahrami/Anadolu/picture alliance

Die Menschen im Iran leben in einem Kriegsgebiet. Die Angriffe von Israel und den USA scheinen sich auf Teheran zu konzentrieren, aber auch an vielen anderen Orten im ganzen Land gehen Bomben nieder. Kurz bevor der aktuelle Krieg begann, gingen unzählige Menschen auf die Straße, um gegen ihr theokratisches Regime zu demonstrieren. Der islamisch geführte Staat ging brutal gegen seine eigene Bevölkerung vor: Die Proteste für Freiheit und Demokratie kosteten tausende Iranerinnen und Iraner das Leben.

Auch schon vor der Niederschlagung dieser Proteste lebte das Volk unter einer strengen Regierung. Damals wie heute duldet sie kaum Abweichung von ihrer Auslegung des Islams . Sie legt beispielsweise genau fest, in welcher Kleidung Frauen das Haus verlassen dürfen. Kleinste Abweichungen werden hart bestraft. Zu diesen Repressionen kommen Sanktionen gegen den Iran, aufgrund derer auch die wirtschaftliche Situation vieler Menschen im Land nicht gerade einfach ist.

Bombenangriffe, Verhaftungen und Unsicherheit darüber, wie man seine Familie versorgen oder gar seinem Kind eine Ausbildung ermöglichen soll: Was machen solche dauerhaften Belastungen mit der Psyche eines Menschen?

Chronische Alarmsituation erhöht die Wahrscheinlichkeit psychischer Erkrankungen

"Die Anzahl an psychischen Erkrankungen, besonders von posttraumatischer Belastungsstörung, Angststörung und Depression, ist erhöht unter Menschen, die chronisch Gewalt ausgesetzt sind", sagt Psychologin Dana Churbaji, die an der Universität Münster unter anderem zu Auswirkungen von Krieg und Flucht auf mentale Gesundheit forscht. Außerdem kann man bei individuellen Betroffenen "eine Veränderung der Wahrnehmung feststellen, wenn es darum geht, wie sicher die Welt ist, und wie die Menschen über ihr eigenes Leben denken."

Für Menschen, die mit existenziellen Unsicherheiten leben – etwa durch Stromausfälle, Lebensmittelknappheit oder den Verlust digitaler Kommunikation rücken elementare Bedürfnisse in den Vordergrund, so Churbaji. Jemand, der unter Kälte, Angst oder Hunger leidet, hat eine viel niedrigere Stresstoleranz. Kleine Konflikte und Unstimmigkeiten im privaten Umfeld können so schnell eskalieren. 

"Wenn diese Grundbedürfnisse nicht gestillt sind, kommt es öfter zu Gewaltausbrüchen in der Familie", sagt die Psychologin im DW-Interview. "Darunter leiden die sozialen Kontakte. Und soziale Kontakte sind eigentlich der Resilienzfaktor Nummer eins."

Soll heißen: Jemand mit stabilen sozialen Kontakten, mit Menschen, denen er oder sie sich anvertrauen kann, hat ein geringeres Risiko, eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) zu entwickeln. Fällt dieser Schutz weg, steigt das Erkrankungsrisiko.

Wann tritt eine posttraumatische Belastungsstörung auf?

In einer akuten Belastungssituation äußert sich eine Belastungsstörung bei vielen Betroffenen noch nicht, weil das Gehirn im Überlebensmodus ist. Wenn sie aus ihrer Heimat fliehen müssen, um sich und ihre Angehörigen in Sicherheit zu bringen, tritt PTBS meist erst danach auf, erklärt Churbaji.

"Wenn das Gehirn versucht, mit der Vergangenheit Schluss zu machen – dann kommt die PTBS-Symptomatik. Und die steht dem Menschen im Weg, wenn er sein Wohlbefinden nach einer Fluchterfahrung wieder aufbauen möchte", sagt Churbaji.

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Was sind die Symptome von PTBS?

Betroffene mit einer posttraumatischen Belastungsstörung zeigen häufig folgende Verhaltensweisen und Symptome:

  • Vermeiden, über das Erlebte nachzudenken
  • Extreme Reaktionen auf bestimmte Trigger (Beispiel: sich bei dem Knallen eines Feuerwerks unter dem Tisch verstecken)
  • Flashbacks: Erinnerungen fühlen sich für Betroffene an, als ob die traumatischen Erlebnisse erneut passieren würden. Man spricht auch von intrusiven Erinnerungen, gegen die sich nicht gewehrt werden kann
  • Misstrauische und zynische Wesensveränderung
  • Starke Schuldgefühle – "survivor's guilt"
  • Schlafstörung und Konzentrationsschwierigkeiten

In einem Umfeld, wo Betroffene nicht offen über mentale Gesundheitsprobleme sprechen können, äußern sich psychische Belastungen auch körperlich, sagt Churbaji, in Form von Kopf-, Rücken- oder Periodenschmerzen, oder Fatigue.

Dauerhafte Stresssituation im Iran vs. einmaliges Trauma

Dabei macht es einen Unterschied, ob man ein einmaliges traumatisches Erlebnis wie einem Überfall hinter sich hat, oder schon lange mit Krieg und Gewalt lebt. "Die politische Verfolgung [Andersdenkender] im Iran geht schon seit sehr langer Zeit so. Proteste gegen das Regime werden immer wieder blutig niedergeschlagen", sagt die psychologische Psychotherapeutin Rita Rosner im DW-Gespräch. "Die Menschen dort sind von dieser langanhaltenden traumatischen Situation unmittelbar betroffen."

Dieser Dauerzustand kann eine stärkere Belastung sein als ein einmaliges traumatisches Erlebnis wie ein schwerer Autounfall. "Einmalige Ereignisse führen zu einer nicht ganz so hohen Wahrscheinlichkeit, dass sich Belastungsreaktionen herausbilden", sagt die Professorin an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. "Mit jedem [traumatischen] Ereignis, das dazukommt, werden Angst, Depression und eine posttraumatische Belastungsstörung wahrscheinlicher."

Auch Churbaji sagt, dass eine Häufung traumatischer Erlebnisse, wie sie beispielsweise beim Leben in einem Kriegsgebiet auftritt, gefährlich ist, "besonders, wenn mehrere Lebensbereiche betroffen sind." Jemand, der neben Bombenanschlägen und politischer Repression noch Gewalt in der Familie erfährt und auf der Arbeit sexuell belästigt wird, ist also besonders anfällig für PTBS.

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Was hilft Menschen, die Traumatisches erlebt haben?

Erkrankungen wie PTBS sind mit psychosozialer Unterstützung behandelbar. Dazu gehören Gruppen- oder Einzeltherapie bei psychologischem Fachpersonal. Aber auch das soziale Umfeld kann helfen. Churbaji erzählt, dass Ärztinnen, Lehrer oder religiöse Vertrauenspersonen vor Ort ausgebildet werden, um ihren Patientinnen und Schützlingen bei der Traumabewältigung zur Seite stehen zu können. 

Wenn persönliche Hilfe nicht in Anspruch genommen werden kann – aus Sicherheitsgründen, oder wenn nicht genügend Fachpersonal vor Ort ist – gibt es auch Onlineressourcen. Rosner verweist beispielsweise auf die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Unter dem Titel "Problem Management Plus" stellt die WHO ein Dokument in 23 Sprachen zur Verfügung, dass Menschen beim Umgang mit mentalen Stresssituationen unterstützen soll.

Die traumatischen Erlebnisse im Krieg aus der Erinnerung löschen können all diese Methoden nicht.

"Man kann nicht davon ausgehen, dass das Geschehene ungeschehen gemacht wird", sagt Churbaji. "Aber die Mehrheit der Menschen können wieder ein erfülltes Leben führen."

Carla Bleiker Redakteurin, Channel Managerin und Reporterin mit Blick auf Wissenschaft und US-Politik.@cbleiker
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