Algerien begnadigt Autor Boualem Sansal
12. November 2025
Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte sich für Boualem Sansal eingesetzt und um eine "humanitäre Geste" gebeten. Diese Bitte war an Algeriens Staatspräsident Abdelmadjid Tebboune gerichtet. In einer Presseerklärung des Bundespräsidialamtes hieß es am Montag: "Angesichts des hohen Alters von Sansal und seines fragilen Gesundheitszustandes hat der Bundespräsident die Ausreise von Sansal nach Deutschland und seine anschließende medizinische Versorgung in unserem Land angeboten." Zwei Tage später ist Algerien der Bitte nachgekommen und hat Boualem Sansal begnadigt - das teilte das Präsidialamt in Algier mit.
Der Schriftsteller war im November 2024 am Flughafen in Algier festgenommen und im März 2025 zu fünf Jahren Haft wegen angeblicher Handlungen gegen die nationale Einheit und Sicherheit verurteilt worden. Hintergrund war, dass er in einem Interview die Ansicht vertreten hatte, die marokkanischen Staatsgrenzen seien während der französischen Kolonialzeit zugunsten Algeriens verschoben worden.
Bemühungen Frankreichs scheiterten
Zuvor hatte auch Frankreich die Freilassung Sansals gefordert. Präsident Emmanuel Macron warf Algerien vor, den Schriftsteller "aus reiner Willkür" festzuhalten. Das Verhältnis zwischen Frankreich und Algerien ist angespannt. Frankreichs Premierminister Sébastien Lecornu bekundete "Erleichterung" über die Begnadigung. Er hoffe, dass Sansal seine Angehörigen baldmöglichst treffen könne und genesen werde, sagte er vor Abgeordneten in Paris.
Sansals Tochter Sabeha sagte der Nachrichtenagentur AFP, einerseits sei sie pessimistisch gewesen, was das Schicksal ihres Vaters anging. Andererseits habe sie letztlich "immer daran geglaubt", dass er begnadigt werde.
Boualem Sansal: Er sagt, was er denkt
Sansals literarische Karriere begann 1999 mit dem Roman "Le serment des barbares (auf Deutsch: "Der Schwur der Barbaren"). Heute gilt er als einer der bedeutendsten Autoren der algerischen Gegenwartsliteratur. In seinen Büchern setzt er sich mit den Missständen in Algerien auseinander, wodurch er bei den Regierenden in Ungnade fiel. Doch Sansal nimmt kein Blatt vor den Mund.
2011 wurde Sansal mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Sansal sei ein "unbändiger Erzähler" und zugleich "gnadenlos hart im Urteil über die Habgier der Mächtigen", sagte der Schweizer Germanist Peter von Matt damals in seiner Laudatio. Die Jury des Friedenspreises hatte Sansal ausgewählt, weil er zu den wenigen in Algerien verbliebenen Intellektuellen gehöre, "die offen Kritik an den politischen und sozialen Verhältnissen üben".
Sansals Werke sind in Algerien nicht erhältlich. Sein neuestes Buch erschien 2024 in Frankreich unter dem Titel: "Le français, parlons-en!".
pl/cw (dpa/afp)