Sprengvorrichtungen an Umspannwerk in Brandenburg entdeckt
1. September 2026
An einem Umspannwerk beim Kohlekraftwerk Jänschwalde im ostdeutschen Bundesland Brandenburg haben Einsatzkräfte mehrere sogenannte unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen gefunden, wie eine Sprecherin des Brandenburger Polizeipräsidiums mitteilte. Eine davon soll demnach detoniert sein. Das Landeskriminalamt Brandenburg hat die Ermittlungen übernommen.
Die Polizei war gegen 8:00 Uhr über eine mögliche Sachbeschädigung an einer Leitung in Turnow-Preilack informiert worden. Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz sprach von "mehreren Leitungen im Übertragungsnetz". Entschärfer waren vor Ort, Spuren wurden gesichert. Das Landeskriminalamt Brandenburg übernahm die Ermittlungen.
Für die Bevölkerung habe keine Gefahr bestanden. Die Polizei erklärte, sie nehme den Vorfall "sehr ernst".
Block B des Kraftwerks ausgefallen
Nach Angaben von 50Hertz kam es zu einer "kurzzeitigen Leitungsunterbrechung". "Mittlerweile sind alle Leitungen wieder in Betrieb", teilte das Unternehmen mit. Die allgemeine Stromversorgung sei derzeit nicht beeinträchtigt.
Der Kraftwerksbetreiber LEAG geht von einem Anschlag aus. Dieser sei am Morgen auf das Umspannwerk in Turnow-Preilack verübt worden, teilte ein Sprecher mit. In der Folge sei es zu einem technischen Ausfall von Block B des Kraftwerks Jänschwalde gekommen.
Die Polizei hat die Einschätzung als Anschlag bislang nicht bestätigt. Zu den Hintergründen und möglichen Verantwortlichen liegen nach ihren Angaben noch keine Erkenntnisse vor.
LEAG stehe mit 50Hertz in Abstimmung und arbeite parallel zur Schadensbehebung am Umspannwerk an der Wiederinbetriebnahme von Block B. Verletzte habe es nicht gegeben.
50Hertz rief die Bevölkerung zu erhöhter Wachsamkeit auf. "Wir bitten die Bevölkerung im gesamten Netzgebiet um besondere Aufmerksamkeit", erklärte das Unternehmen. "Melden Sie verdächtige Personen und Vorkommnisse der Polizei."
Polizei widerspricht Berichten über Raketen
Die "Märkische Allgemeine Zeitung" (MAZ) berichtete unter Berufung auf Sicherheits- und Unternehmenskreise, Einsatzkräfte hätten mehrere Vorrichtungen für mit Sprengstoff bestückte Raketen gefunden und entschärft. Dem widersprach die Polizei ausdrücklich. "Wir reden hier nicht von Raketen", sagte eine Sprecherin.
In der Zeitung hieß es zudem, mutmaßliches Ziel sei ein großflächiger Stromausfall am Block E des Kohlekraftwerks gewesen. Die Polizei bestätigte diese Angaben zunächst nicht. Auch das genaue Ausmaß möglicher Schäden ist Gegenstand der Ermittlungen.
Mehrere Anschläge auf Strominfrastruktur
In Berlin und Brandenburg hat es in den vergangenen Jahren mehrfach Sabotageakte gegen die Stromversorgung gegeben. Im Januar zündeten mutmaßlich linksextreme Täter Starkstromleitungen nahe einem Kraftwerk im Südwesten Berlins an und verursachten einen Kurzschluss. Rund 45.000 Haushalte sowie mehr als 2200 Geschäfte und Unternehmen, aber auch Krankenhäuser und Pflegeheime, waren teils tagelang ohne Strom.
Zu dem Anschlag bekannten sich die linksextremistischen sogenannten "Vulkangruppen". Sie gaben den Kampf gegen den Kapitalismus als Motiv an.
Bereits im März 2024 hatte eine Gruppe einen Strommast in Brandenburg in Brand gesetzt, über den auch die Tesla-Fabrik in Grünheide versorgt wurde. Wegen der Sabotage musste die Produktion dort mehrere Tage ruhen.
pgr/ie (afp, dpa, rtr)
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