1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen

Brasilien: Prozess nach Dammbruch mit mehr als 270 Toten

24. Februar 2026

Am Obersten Bundesgericht in Brasilien müssen sich Verantwortliche eines Bergbaukonzerns und einer TÜV-Süd-Tochter wegen Mordes und Umweltverbrechen verantworten. Auch die deutsche Justiz befasst sich mit dem Fall.

Feuerwehrleute bergen mit Hilfe eines Hubschraubers eine Leiche
Feuerwehrleute bergen mit Hilfe eines Hubschraubers eine Leiche nach dem Dammbruch im Jahr 2019Bild: Rodney Costa/dpa/picture alliance

Sieben Jahre nach dem verheerenden Dammbruch von Brumadinho in Brasilien hat der Strafprozess gegen frühere Mitarbeiter des Bergbaukonzerns Vale und einer brasilianischen Tochtergesellschaft von TÜV Süd begonnen. Die Angeklagten müssen sich wegen Umweltverbrechen und 272-fachen Mordes verantworten.

Am 25. Januar 2019 war nahe der brasilianischen Kleinstadt Brumadinho ein Abraumbecken einer Eisenerzmine gebrochen. Rund 13 Millionen Kubikmeter giftiger Schlamm mit Schwermetallrückständen überfluteten die Umgebung und begruben 272 Menschen unter sich. Das Unglück gilt als größte Umweltkatastrophe in der Geschichte Brasiliens.

76 Sitzungstage mit 166 Zeugen angesetzt

Vor dem Obersten Bundesgericht in Belo Horizonte versammelten sich zum Prozessauftakt Angehörige der Opfer zu einem gemeinsamen Gebet. Sie forderten Gerechtigkeit für die Toten und ihre Familien. Am ersten Verhandlungstag wurden drei Hinterbliebene angehört. Sie schilderten ihre Verluste und den Schmerz, ihre Angehörigen nicht würdig bestatten zu können.

Menschen betrachten die Schäden nach dem Bruch des Damms des Bergbaukonzerns Vale im Jahr 2019Bild: DOUGLAS MAGNO AFP via Getty Images

Insgesamt sind 16 frühere Mitarbeiter angeklagt, darunter Führungskräfte, Manager und Ingenieure des Konzerns Vale sowie Beschäftigte der brasilianischen TÜV-Süd-Tochter. Der frühere Vale-Präsident Fábio Schvartsman wurde zunächst vom Verfahren ausgeschlossen. Gegen diese Entscheidung läuft jedoch eine Berufung der Staatsanwaltschaft.

Die Anklage wirft den Beschuldigten vor, trotz bekannter Sicherheitsrisiken eine Stabilitätserklärung für den Damm ausgestellt zu haben. Die TÜV-Süd-Tochter hatte das Bauwerk vier Monate vor der Katastrophe als stabil zertifiziert. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft soll Vale Druck auf die Zertifizierer ausgeübt haben, die mögliche Folgeaufträge nicht gefährden wollten. TÜV Süd erklärt hingegen, die Sicherheitsbescheinigung sei auf Grundlage sorgfältiger Prüfungen und geltender Richtlinien erfolgt.

Für das Verfahren sind 76 Sitzungstage bis Mai 2027 angesetzt. Insgesamt sollen 166 Zeuginnen und Zeugen gehört werden. Im März stehen Ingenieure auf der Liste, die eine Zertifizierung des Damms zuvor abgelehnt hatten.

Gedenkstätte für die 272 Opfer des Dammbruchs im Jahr 2019Bild: Acervo Avabrum

Vale und die Regierung der Region Minas Gerais, in der Brumadinho liegt, einigten sich im Jahr 2021 bereits auf eine Entschädigungssumme von umgerechnet rund 5,8 Milliarden Euro. Vorausgegangen waren viermonatige Verhandlungen. Es ist der Regierung von Minas Gerais zufolge die größte Schadensersatzsumme, die jemals in Lateinamerika gezahlt wurde. Angehörige zeigten sich damals aber nicht zufrieden. Sie schätzten die Summe der verursachten Schäden weit höher ein. 

Dammbruch beschäftigt auch deutsche Justiz

Auch in Deutschland beschäftigt der Fall die Justiz. Das katholische Hilfswerk Misereor reichte gemeinsam mit dem European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) und Angehörigen der Opfer 2019 Strafanzeige in München gegen TÜV Süd und einen Mitarbeiter ein. Die Ermittlungen dauern an.

Giftiger Schlamm bedeckt das Gebiet um die Eisenerzmine nach dem Dammbruch im Jahr 2019Bild: DOUGLAS MAGNO AFP via Getty Images

Die Verzögerung im deutschen Strafverfahren zeige eine organisierte Verantwortungslosigkeit in der Zertifizierungsbranche des Bergbausektors, erklärte Cannelle Lavite vom ECCHR in einer Pressemitteilung. Weiter heißt es dort: "Fehlende Rechenschaftspflicht führt dazu, dass systemische Versäumnisse fortbestehen, und erschwert Betroffenen den Zugang zu Gerechtigkeit sowie die Verhinderung künftiger Schäden."

Misereor betonte: "Es kann nicht angehen, dass Konzerne Umwelt- und Menschenrechtsstandards missachten und die Konsequenzen ungestraft auf die Menschen und die Gesellschaft abwälzen, um Wachstum und Profite zu sichern", so Armin Paasch, Misereor-Experte für Wirtschaft und Menschenrechte.

pgr/se (kna, epd, dpa, afp)

Redaktionsschluss: 18:00 Uhr (MEZ) - dieser Artikel wird nicht weiter aktualisiert.

Den nächsten Abschnitt Mehr zum Thema überspringen

Mehr zum Thema

Weitere Beiträge anzeigen
Den nächsten Abschnitt Top-Thema überspringen

Top-Thema

Den nächsten Abschnitt Weitere Themen überspringen