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PolitikAfrika

Brasiliens Präsident Lula auf Werbetour in Afrika

Astrid Prange de Oliveira | Nilson Brandao
15. Februar 2024

Auf seiner Reise nach Ägypten und Äthiopien versucht Brasiliens Präsident Lula, verlorenes Terrain zurückzuerobern. Als Vorsitzender der G20-Gruppe will er sich als Fürsprecher afrikanischer Interessen profilieren.

 Porträt von Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva
Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva reist vom 15. bis 18. Februar nach Afrika Bild: EVARISTO SA/AFP

"Gute Beziehungen zu Afrika sind fundamental für Brasiliens internationale Wahrnehmung. Sie sind ein Triumph", erklärt Gelson Fonseca, Direktor des dem brasilianischen Außenministerium unterstellten Instituts für Geschichte und Diplomatische Dokumentation (CHDD), im DW-Gespräch.

Viele Länder auf dem afrikanischen Kontinent verzeichnen hohe wirtschaftliche Wachstumsraten, so der Diplomat. "Ihre geopolitische Bedeutung nimmt zu. Deswegen ist es wichtig, dass Brasilien seine Beziehungen zu Afrika vertieft."

Brasiliens Präsident Lula war bereits im August 2023 in Angola. Die aktuelle Reise führt ihn nach Ägypten und Äthiopien, wo er am am 17. Februar am Gipfel der Afrikanischen Union (AU) in Adis Abeba als Ehrengast teilnimmt.

Jubiläum: Im Mai 2023 feierte die Afrikanische Union ihr 60jähriges Bestehen. Sitz der AU ist Adis AbebaBild: Solomon Muchie/DW

Die beiden Länder sind für Brasilien strategisch bedeutsam, weil sie seit Anfang des Jahres Mitglied der BRICS Staaten sind.

Der Gruppe gehörten ursprünglich Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika an. Mittlerweile sind mehrere Staaten hinzugekommen.

"Lulas Besuch in Ägypten und Äthiopien ist sinnvoll. Er kann dazu beitragen, die Bedeutung der diplomatischen Beziehungen zwischen Brasilien und Afrika wieder aufzuwerten", meint Maurício Santoro, Experte für internationale Beziehungen an der Universität vom Bundesstaat Rio de Janeiro.

Er warnt allerdings vor zu großen Hoffnungen: "In Ägypten gab es einen Militärputsch, in Äthiopien herrscht Bürgerkrieg. Angesichts dieser Konfliktsituationen sollten die Erwartungen an das, was Brasilien tatsächlich erreichen kann, nicht zu hoch sein."

Ehrengast Lula

Brasilien weckt bei vielen Menschen auf dem afrikanischen Kontinent bis heute positive Assoziationen. Im Gegensatz zu England, Frankreich und Deutschland wird das Land nicht als Kolonialmacht wahrgenommen.

Die ehemalige Kolonie Portugals ist außerhalb Afrikas das Land mit der größten schwarzen Bevölkerung und teilt mit vielen afrikanischen Ländern das traumatische Erbe der von Portugal erzwungenen Sklaverei. Die mittlerweile neuntgrößte Wirtschaftsmacht der Welt gilt in vielen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aspekten als Vorbild.

Beim bevorstehenden Gipfel der Afrikanischen Union (AU) vom 17. bis 18. Februar in Adis Abeba kann sich Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva deshalb eines wohlwollenden Empfangs sicher sein.

Doch der Sympathiebonus und die historische Verbundenheit zwischen vielen Ländern auf dem afrikanischen Kontinent und Brasilien passen nicht zu dem sinkenden wirtschaftlichen und politischen Einfluss, den Brasilien zurzeit in der Region zu spüren bekommt.

Weniger Handel

Im Gegensatz zu China und Russland, die ihre Beziehungen in der Region in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich ausgebaut haben, ging die wirtschaftliche Bedeutung Brasiliens zurück. So schrumpfte der Außenhandel mit dem Kontinent zwischen 2013 und 2023 von 28 Milliarden US-Dollar auf 21 Milliarden US-Dollar.

Zum Vergleich: Der Außenhandel mit China betrug 2023 nach Angaben des brasilianischen Handelsministeriums 157 Milliarden. Importe und Exporte zwischen Deutschland und Brasilien summierten sich auf rund 19 Milliarden US-Dollar.

In Angola präsent: Das brasilianische Agro-Businessunternehmen BrasAfricaBild: José Adalberto/DW

Die Gründe für Brasiliens Abkehr von Afrika waren vielfältig. Dazu gehören unter anderem die anhaltende Wirtschaftskrise im Land selbst und die vielfältigen Auswirkungen des Korruptionsskandals "Lava Jato" (Waschstraße).

Diese hatten zu Korruptionsvorwürfen gegenüber brasilianischen Bauunternehmen geführt, die sich bei Großprojekten in afrikanischen Ländern bereichert haben sollen. Auch Brasiliens Ex-Präsident Bolsonaro zeigte wenig Interesse für den Kontinent.

Afrika auf G20-Agenda

Auf dem  AU-Gipfel in Adis Abeba will Lula die Trendwende einleiten. Sowohl die AU als auch die Europäische Union gehören der Gruppe der G20 an, in der sich die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer zusammengeschlossen haben. Brasilien hat in diesem Jahr den Vorsitz inne.

"Im September 2023 ist die AU mit Unterstützung Brasiliens in die G20 aufgenommen worden", erklärte Flávio Luís Pazeto, Staatssekretär im brasilianischen Außenministerium Itamary gegenüber der Nachrichtenagentur Agencia Brasil.

Während des G20-Vorsitzes werde Brasilien dafür sorgen, das "Themen, die im Interesse Afrikas sind, auf die Agenda der G20 kommen". Eines dieser Themen ist der weltweite Kampf gegen Hunger und Armut.

Kampf gegen wachsenden Hunger: Ein als Spiderman verkleideter Ehrenamtlicher von einer brasilianischen Hilfsorganisation verteilt in einer Favela in Rio LebensmittelBild: Bruno Prado/AP Photo/picture alliance

Auf diesem Feld kann Brasilien große Erfolge vorweisen. Denn die bereits in den 90er Jahren aufgelegten und während der beiden ersten Amtszeiten Lulas (2003 bis 2010) verstärkten Sozialprogramme haben deutlich zur Verringerung der Armut im Land beigetragen.

Hunger und Armut nehmen wieder zu

Nach Angaben des brasilianischen Statistikamtes IBGE litten 2003 rund 44 Millionen der insgesamt 182 Millionen Menschen in Brasilien an Hunger, also knapp ein Viertel der Bevölkerung. 2009 sank dieser Anteil auf knapp sechs Prozent der Gesamtbevölkerung von 194 Millionen, rund elf Millionen Menschen.

Seit 2016 hat sich die Lage allerdings erneut kontinuierlich verschlechtert. 2022 litten erneut 33 Millionen Brasilianerinnen und Brasilianer an Hunger, rund 16 Prozent der Bevölkerung.

Auch weltweit wächst die Zahl der Menschen, die von Hunger und Armut betroffen sind. 2016 waren es 585 Millionen, 2022 bereits 735 Millionen Menschen. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der an Hunger leidenden Menschen auf über 800 Millionen.

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