Bricht Spanien mit Donald Trump?
5. März 2026
Es war eine von Donald Trumps gefürchteten Wutreden, zu der er am Dienstagabend vor laufender Kamera im Weißen Haus ansetzte. Er wolle "nichts mehr mit Spanien zu tun haben", so der US-Präsident. Es sei ein "schreckliches" Land und er werde von nun an "den gesamten Handel mit Spanien stoppen".
Spaniens Regierungschef bleibt hart
Bereits zu Beginn des Irankriegs hatten sich die Spanier deutlicher als alle anderen europäischen Staaten von den USA distanziert. Während Deutschlands Bundeskanzler lediglich von einem völkerrechtlichen "Dilemma" sprach, verurteilte Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez den Angriff als massiven Bruch internationalen Rechts. Und er ließ schnell Taten folgen: Spanien verbot den USA, die beiden von ihnen mitgenutzten Militärbasen in den andalusischen Städten Morón de la Frontera und Rota für den Krieg zu nutzen.
Auch am Morgen nach den Drohungen aus dem Weißen Haus blieb der spanische Regierungschef in einer kurzfristig angekündigten Videobotschaft hart: "Wir sagen Nein zum Bruch des Völkerrechts, das uns alle schützt, insbesondere die Zivilbevölkerung”, so der Sozialist. Wer so handele wie die USA, der spiele "russisches Roulette mit dem Schicksal von Millionen von Menschen".
Scharfe Kritik an Deutschland
Mit seinen deutlichen Worten scheint Sánchez im Land einen Nerv zu treffen. "Ich denke, unsere Regierung handelt in ihrer Außenpolitik nur konsequent - wir dürfen uns nicht einfach den Vereinigten Staaten unterwerfen”, so Gladys Gbegnedji, eine Projektmanagerin aus Madrid, gegenüber der DW. Auch Francisco Huesa steht hinter der Politik des linken Regierungschefs. Angst vor wirtschaftlichen Konsequenzen für sein Land hat er nicht. "Es kann doch nicht sein, dass europäische Länder, die sich demokratisch nennen, einfach Angriffe unterstützen, die gegen das Völkerrecht verstoßen.” Besonders enttäuscht ist der Lehrer aus Sevilla dabei von Deutschlands Rolle im aktuellen Konflikt.
So wie Huesa ist auch vielen anderen Spaniern nicht entgangen, dass Bundeskanzler Friedrich Merz direkt neben Donald Trump saß, als dieser zum Wutausbruch gegen Spanien ansetzte. Der deutsche Regierungschef war zu dem Zeitpunkt zum Besuch im Weißen Haus eingeladen. Zwar machte Merz in späteren Interviews deutlich, dass die Europäische Union auf etwaige Strafmaßnahmen gegen den südeuropäischen Partner reagieren werde. Doch vor laufenden Kameras nahm er das EU-Mitglied Spanien nicht in Schutz – im Gegenteil: Merz versicherte Trump, man werde Spanien davon überzeugen, in Zukunft mehr Mittel für die NATO bereitzustellen.
Dies wiederum veranlasste den spanischen Außenminister José Manuel Albares zu einer ungewöhnlich scharfen Kritik am deutschen Regierungschef. "Während wir an der Regierung sind, haben wir in Deutschland schon drei Kanzler gesehen: Merkel, Scholz und jetzt Merz - und unter Merkel und Scholz herrschte eine anderer, pro-europäischer Geist”, so der spanische Chefdiplomat in einem Statement.
Beginn einer weiteren Eskalation?
Der spanische Politikwissenschaftler Rafael Calduch Cervera sieht die zunehmenden innereuropäischen Verwerfungen, die der Irankrieg mit sich bringt, mit Sorge. Anders als viele seiner Landsleute beurteilt er den Kurs von Regierungschef Sánchez jedoch kritischer. Der Ministerpräsident sei aktuell innenpolitisch stark geschwächt und werde von seinen linken Koalitionspartnern vor sich hergetrieben. Daher sei sein markiges außenpolitisches Auftreten vor allem eine Botschaft nach innen, so der Experte für internationale Beziehungen im Gespräch mit der DW. Für ihn hat sich Sánchez mit seiner kompromisslosen Rhetorik der letzten Tage ohne Not "ins Abseits manövriert".
In einem anderen Punkt ist sich Cervera aber mit vielen seiner Landsleute einig. Die Drohungen von Trump seien noch lange kein Beleg dafür, dass es wirklich zu einem Abbruch der Wirtschaftsbeziehungen mit den USA kommen werde. "Die Handelspolitik fällt natürlich in die Zuständigkeit der EU und ist keine Sache zwischen nationalen Regierungen", so der Politikprofessor aus Madrid. Folglich wären Gegenmaßnahmen Europas unvermeidlich - was auch die US-Regierung wisse. Daher sieht Cervera die aktuellen Drohungen von Trump in Richtung Spanien zwar als "ernsthaftes Warnsignal", aber nicht zwangsläufig als Beginn einer Eskalationsspirale.