1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen

75 Jahre BKA: Schwergewicht im Kampf gegen Kriminalität

14. März 2026

Das 1951 gegründete Bundeskriminalamt wurde über Jahrzehnte von Männern mit Nazi-Vergangenheit dominiert. Heute ist das BKA ein zentraler Baustein in Deutschlands Sicherheitsarchitektur – auch international.

Deutschland Wiesbaden 2026 | Festakt 75 Jahre BKA | Friedrich Merz hält Rede
Das Bundeskriminalamt feiert seinen 75. GeburtstagBild: Soeren Stache/dpa/picture alliance

Transparenz und Selbstkritik waren beim Bundeskriminalamt (BKA) lange Zeit ein Tabu. Erst 2007 wurde damit begonnen, die eigene Geschichte wissenschaftlich durchleuchten zu lassen. Wer dieser Tage die Homepage der Behörde besucht, kann anlässlich des 75-jährigen Jubiläums Sätze wie diesen lesen: "Bis in die späten 1960er-Jahre prägten vor allem Führungskräfte das Amt, die im Nationalsozialismus sozialisiert worden waren. Erst mit dem Generationswechsel ab 1969 setzte ein grundlegender Wandel ein."

Nazis prägten den Aufbau der deutschen Sicherheitsbehörden

Das am 15. März 1951 gegründete BKA mit seinem Hauptsitz in Wiesbaden im Bundesland Hessen war kein Einzelfall. Ob Justiz, Militär, Verfassungsschutz oder Bundesnachrichtendienst (BND) – alle für die nationale Sicherheit zuständigen Behörden, Ministerien und Streitkräfte waren von ehemaligen Nazis durchsetzt.

Das Hauptgebäude des Bundeskriminalamtes (BKA) in Wiesbaden stammt aus den 1950er Jahren, später kamen Anbauten hinzuBild: dpa/picture alliance

Für den Aufbau des Bundeskriminalamtes waren fast ausnahmslos frühere Mitglieder der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) und der sogenannten Schutzstaffel (SS) verantwortlich. Die SS war für Adolf Hitler neben der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) das wichtigste Herrschafts- und Unterdrückungsinstrument.

Ein Dreivierteljahrhundert nach der Gründung geht das Bundeskriminalamt offen mit seiner Vergangenheit um und gibt sich selbstbewusst: "Der Schutz der Demokratie ist eine zentrale Aufgabe der Polizei. In Zeiten von hybriden Bedrohungen passt das BKA seine Bekämpfungsstrategien an, reagiert flexibel und bündelt Kompetenzen."

Terrorismus, Extremismus, Cybercrime

Im föderal strukturierten Deutschland koordiniert das Bundeskriminalamt in Zusammenarbeit mit 16 Landeskriminalämtern sämtliche Phänomene, die die Sicherheit Deutschlands bedrohen: politischer und religiöser Extremismus, Drogenhandel, internationaler Terrorismus, Cybercrime. Auch für den Schutz gefährdeter Personen ist das BKA zuständig – vom Bundeskanzler über den Bundespräsidenten bis hin zu Staatsgästen.

Fahndungsfotos mit den führenden Köpfen der Roten Armee Fraktion (RAF), darunter Andreas Baader und Ulrike Meinhof (obere Reihe v.l.n.r.) Bild: Polizei/dpa/picture-alliance

Eine Zäsur war der 1968 beginnende Linksterrorismus. Die Rote Armee Fraktion (RAF) entführte und ermordete bis in die 1990er Jahre zahlreiche Repräsentanten des öffentlichen Lebens. Opfer waren oft hochrangige Manager aus der Wirtschaft wie der Präsident des Arbeitgeberverbandes, Hanns Martin Schleyer.

Das BKA bekommt immer mehr Geld und Personal

Die Politik reagierte auf die zunehmende Bedrohung mit einem massiven Ausbau des Bundeskriminalamtes, das aktuell über einen Etat von 1,24 Milliarden Euro verfügt. Das Personal vervierfachte sich im Zeitraum von 1970 bis zur Jahrtausendwende fast – von rund 1200 auf mehr als 4500. In den folgenden 25 Jahren ging es weiter steil nach oben auf knapp 9400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ausschlaggebend dafür waren die islamistischen Terror-Anschläge vom 11. September 2001 in den USA.

Deutschland stärkt seitdem kontinuierlich alle Sicherheitsbehörden. Eine zentrale Rolle spielt dabei das 2004 in Berlin installierte Gemeinsame Terrorismusabwehrzentrum (GTAZ). Das BKA sitzt dort an einem Tisch mit Fachleuten aus Landeskriminalämtern, der für Grenzsicherung zuständigen Bundespolizei, des Zollkriminalamtes, der Geheimdienste sowie des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF).

Spionage, Sabotage, Rechtsextremismus

Auch die Generalbundesanwaltschaft (GBA) hat einen Platz im GTAZ. Sie kann das BKA jederzeit mit Ermittlungen beauftragen. Dabei geht es überwiegend um den Verdacht auf Terrorismus, Spionage und Sabotage. Häufig münden BKA-Erkenntnisse in Anklagen und Verurteilungen. Ein international aufsehenerregender Fall war der Mord an einem Georgier, der 2019 mitten in Berlin erschossen wurde. Nach Überzeugung des Gerichts hatte der zu lebenslanger Haft verurteilte Täter im staatlichen Auftrag Russlands gehandelt. 

Mehmet Daimagüler: "Der Staat hat führende Neonazis geschützt"

12:04

This browser does not support the video element.

Ein weiterer Schwerpunkt des Bundeskriminalamtes liegt auf der Bekämpfung des Rechtsextremismus. Als sich im Jahr 2011 die Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) selbst enttarnte, übernahm das BKA die Ermittlungen zu der lange im Dunkeln liegenden Mordserie. Ihr waren neun Männer mit migrantischen Wurzeln und eine Polizistin zum Opfer gefallen.

Der NSU und "staatliches Totalversagen"

Dass der NSU 13 Jahre unentdeckt mordend durchs Land ziehen konnte, war nach Einschätzung eines Untersuchungsausschusses des Deutschen Bundestags "staatliches Totalversagen". Der Vorwurf traf vor allem Sicherheitsbehörden, auch das BKA. Eine Folge waren strukturelle Veränderungen, die 2012 zur Gründung des Gemeinsamen Extremismus- und Terrorismusabwehrzentrums (GTEZ) führten. Die Namensähnlichkeit mit dem GTAZ ist kein Zufall, denn in beiden Zentren arbeiten Polizei und Geheimdienste eng zusammen.

Das BKA kooperiert eng mit Europol, der Polizei-Behörde der Europäischen Union (EU) mit Sitz in Den Haag (Niederlande) Bild: Jerry Lampen/anp/dpa/picture alliance

Auch international vernetzt sich das BKA immer stärker. Besonders eng ist die Kooperation mit der Polizeibehörde der Europäischen Union (EU), kurz Europol. Arbeitsschwerpunkte sind der Kampf gegen Terrorismus, organisierte Kriminalität (OK), Kindesmissbrauch sowie Internet- und Schleuserkriminalität. Die weltweite Zusammenarbeit spiegelt sich auch darin wider, dass in mehr als 50 Ländern sogenannte Verbindungsbeamte zum Einsatz kommen. In der Regel sind sie organisatorisch in die deutschen Auslandsbotschaften integriert.

Künstliche Intelligenz (KI) auch beim BKA auf dem Vormarsch 

Zum 75-jährigen Jubiläum blickt das BKA auf eine wechselvolle Geschichte zurück und sieht sich in der digitalen Gegenwart stärker herausgefordert denn je. Bei einem Festakt in Wiesbaden versprach Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), das BKA und die anderen Sicherheitsbehörden weiter zu stärken. "Innere Sicherheit und äußere Sicherheit sind nicht mehr voneinander zu trennen", begründete der Christdemokrat die Aufrüstung auch im technologischen Bereich.

Bundeskanzler Friedrich Merz (M.) und Innenminister Alexander Dobrindt (l.) im Gespräch mit BKA-Präsident Holger Münch (r.)Bild: Soeren Stache/dpa/picture alliance

Kriminelle im In- und Ausland werden auch mit Hilfe Künstlicher Intelligenz (KI) immer professioneller. Deshalb fordert BKA-Präsident Holger Münch schon länger mehr Befugnisse. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) will ihm diesen Wunsch erfüllen und den Einsatz der umstrittenen US-amerikanischen Überwachungssoftware "Palantir" ermöglichen.

Die Linke warnt vor Massenüberwachung

Geplant ist auch der Einsatz eines KI-gestützten Programms zur biometrischen Gesichtserkennung. Die oppositionelle Fraktion der Linken im Bundestag warnt vor Massenüberwachung: "Diese Art der digitalen Aufrüstung ist mit dem europäischen Recht kaum vereinbar und gefährdet die Freiheit aller", kritisiert die innenpolitische Sprecherin Clara Bünger.

Klagen gegen das BKA hat es schon mehrmals gegeben. Das Bundesverfassungsgericht urteilte zuletzt im Jahr 2024, dass die Überwachung von Kontaktpersonen Verdächtiger teilweise verfassungswidrig ist. Das BKA-Gesetz wurde inzwischen reformiert, um die Grundrechte potenziell Betroffener besser schützen zu können. 

Marcel Fürstenau Autor und Reporter für Politik & Zeitgeschichte - Schwerpunkt: Deutschland
Den nächsten Abschnitt Mehr zum Thema überspringen
Den nächsten Abschnitt Top-Thema überspringen

Top-Thema

Den nächsten Abschnitt Weitere Themen überspringen