Volle Fahrt voraus
22. Dezember 2013
Es lohnt nicht mehr, im Wettbüro auf die 24. Meisterschaft des FC Bayern München zu setzen. Die Quote ist miserabel, der mögliche Gewinn liegt nur noch minimal über dem Einsatz. Kein Wunder, nach dem souveränen Durchmarsch des Titelverteidigers in der ersten Saisonhälfte. Auf nun schon 41 Bundesliga-Partien ohne Niederlage ist die Rekordserie der Bayern angewachsen. Schon am vorletzten Hinrunden-Spieltag sicherte sich die Mannschaft von Startrainer Pep Guardiola die Herbstmeisterschaft. Der Triple-Sieger der vergangenen Saison ist derzeit einfach die unumstrittene Nummer eins. Die meisten erzielten Treffer (42) und die wenigsten Gegentore (8) sprechen eine deutliche Sprache.
Leverkusen überzeugt
Dahinter klafft schon eine große Lücke. Die aktuelle Nummer zwei ist überraschenderweise nicht Borussia Dortmund, sondern Bayer Leverkusen. Mit der Niederlage am Samstag (21.12.2013) in Bremen hat das Team von Trainer Sami Hyypiä zwar die zuvor noch mögliche beste Hinrunde der Vereinsgeschichte verfehlt, doch die Bilanz von 37 Punkten kann sich sehen lassen. Leverkusen liegt damit sieben Punkte hinter den Bayern - wobei das Halbzeit-Polster des Herbstmeisters noch auf satte zehn Punkte anwachsen kann. Wegen der Klub-WM wurde das letzte Hinrundenspiel der Münchner beim VfB Stuttgart auf den 29. Januar verlegt.
Dortmund geschwächt
Für Borussia Dortmund, Champions-League-Finalist und Vizemeister der vergangenen Saison, lief die Hinserie alles andere als rund: Die Verletzungsmisere führte dazu, dass Trainer Jürgen Klopp selten zweimal hintereinander die gleiche Startelf aufstellen konnte. Das drückte sich auch in verlorenen Punkten und Tabellenplatz vier hinter Mönchengladbach aus. Zwölf Zähler beträgt bereits der Rückstand des BVB auf die Bayern, und das, obwohl die Münchner ein Spiel weniger auf dem Konto haben.
Schalke enttäuscht
Zu den Gewinnern der Hinrunde gehören Borussia Mönchengladbach und der VfL Wolfsburg. Mit beeindruckender Konstanz spielten sich beide Teams in die internationalen Startplätze. Für beide liegt eine Champions-League-Teilnahme im Bereich des Möglichen, wobei die Borussia sogar auf Platz drei überwintern darf, der zur direkten Teilnahme an der Königsklasse berechtigt. Wieder einmal deutlich hinter den eigenen Ansprüchen blieb der FC Schalke 04, dessen Trainer Jens Keller eigentlich permanent um seinen Posten bangen musste. Drei seiner Kollegen hat es bereits in der Hinserie erwischt: Der VfB Stuttgart entließ Bruno Labbadia, der Hamburger SV Thorsten Fink und der 1. FC Nürnberg Michael Wiesinger.
Nürnberg ohne Sieg
Dass ein Trainerwechsel kein Allheilmittel ist, zeigt das Beispiel der Nürnberger. Die Franken blieben als erstes Team der Bundesliga-Geschichte in der gesamten Hinrunde sieglos und stehen folgerichtig auf einem Abstiegsplatz. Aufsteiger Eintracht Braunschweig verbuchte zwar drei Siege, ist aber dennoch, punktgleich mit den Franken, Tabellenletzter. Der direkte Wiederabstieg droht. Um den Klassenerhalt kämpfen auch einige Mannschaften, die vor der Saison eher nicht im Tabellenkeller verortet wurden: Werder Bremen verschaffte sich erst mit dem Sieg gegen Leverkusen etwas Luft. Auch Hannover 96 und der Hamburger SV enttäuschten in der Hinserie. Eintracht Frankfurt und der SC Freiburg bezahlten ihr Intermezzo in der Europa League mit Erfolglosigkeit in der Bundesliga.
Hertha und Augsburg überraschen
In die Rolle der Überraschungsteams sind in dieser Saison Hertha BSC und der FC Augsburg geschlüpft. Aufsteiger Hertha hatte keine Schwierigkeiten, sich in der Bundesliga zu akklimatisieren, überwintert als Tabellensechster und darf sogar davon träumen, in der nächsten Saison international zu spielen. Das gilt auch für die Augsburger, die trotz kleinen Budgets erstaunlich guten Fußball zeigten und mit dem achten Rang nach der Hinserie belohnt wurden.
Shooting Stars
Aufsteiger der Saison unter den Spielern sind André Hahn und Max Meyer. Der 23 Jahre alte Hahn stürmte noch bis Januar für den Drittligisten Kickers Offenbach. Jetzt steht er mit sechs Treffern und vielen starken Auftritten für den Erfolg des FC Augsburg. Auf Meyer ruhen die Hoffnungen der Schalke-Fans. Mit 18 Jahren war er im Oktober der jüngste Spieler der Bundesliga-Geschichte, der in drei Spielen hintereinander Tore erzielte.
Phantomtor
Für den Aufreger der Hinrunde sorgte ein Tor, das keines war. Leverkusens Torjäger Stefan Kießling köpfte in der Partie bei 1899 Hoffenheim knapp am linken Pfosten vorbei, doch der Ball fand durch ein Loch im Netz den Weg ins Tor. Schiedsrichter Felix Brych erkannte den Treffer an, eine klare Fehlentscheidung. Hoffenheim verlor das Spiel 1:2. Das DFB-Sportgericht verwies auf die Tatsachen-Entscheidung des Unparteiischen und lehnte ein Wiederholungsspiel ab. Die Debatte über den Einsatz von Torlinien-Technik entbrannte neu.