Bundespolizei: Mehr Gewalt trotz sinkender Kriminalität
9. Juli 2026
Die Bundespolizei hat in ihrem Jahresbericht für das Jahr 2025 eine gemischte Bilanz gezogen: Insgesamt gingen die Straftaten in ihrem Zuständigkeitsbereich deutlich zurück, zugleich nahm die Gewalt zu - gegen Reisende, Passanten und auch gegen Einsatzkräfte.
Zuständig ist die Bundespolizei vor allem für die Sicherheit auf Bahnanlagen und in Zügen, an deutschen Grenzen sowie an 13 Flughäfen. Auch bei Fahndungen, Rückführungen, Grenzschutzaufgaben und neuen Einsatzfeldern wie der Drohnenabwehr spielt sie eine zentrale Rolle.
Angriffe auf Einsatzkräfte nehmen zu
Die Behörde stellte im vergangenen Jahr rund 604.700 Straftaten fest. Das waren 5,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Hauptgrund für den Rückgang war die Entwicklung bei Verstößen gegen das Aufenthaltsgesetz: Sie sanken um 21,4 Prozent auf knapp 194.700 Fälle.
Der Rückgang der Gesamtkriminalität bedeutet jedoch keine Entwarnung. Die Zahl der Gewaltdelikte stieg um 4,2 Prozent auf rund 35.400 Fälle. Erfasst werden dabei unter anderem Körperverletzungen, Raubdelikte, Straftaten gegen das Leben, Widerstand gegen die Staatsgewalt, Straftaten gegen die persönliche Freiheit sowie Delikte gegen die öffentliche Ordnung. Sexualdelikte werden gesondert gezählt; sie blieben mit etwa 2800 Feststellungen etwa auf dem Niveau des Vorjahres.
Bei Gewaltdelikten mit bekannten Tatverdächtigen lag der Anteil deutscher Staatsangehöriger nach Angaben der Bundespolizei bei 53 Prozent. In 3,9 Prozent aller Gewaltdelikte wurde ein Messer mitgeführt. Besonders belastend für die Behörde ist die Gewalt gegen die eigenen Kräfte: 3185 Bundespolizistinnen und Bundespolizisten wurden angegriffen, ein Plus von 7,4 Prozent. Mehr als die Hälfte der Angreifer, 53 Prozent, stand laut Bundespolizei unter dem Einfluss berauschender Mittel.
Bundespolizei sieht Erfolg der Grenzkontrollen
Ein Schwerpunkt des Jahres 2025 waren die Grenzkontrollen. Seit dem 16. September 2024 wird an allen deutschen Landesgrenzen kontrolliert. Am 7. Mai 2025 wurden die Kontrollen intensiviert und um die Möglichkeit erweitert, Menschen auch dann zurückzuweisen, wenn sie ein Asylgesuch vorbringen - mit Ausnahmen etwa für Kranke und Schwangere. Die Bundespolizei registrierte 2025 an Land-, Luft- und Seegrenzen fast 63.000 unerlaubte Einreisen, knapp ein Viertel weniger als im Vorjahr.
Die Bundespolizei führt den Rückgang irregulärer Migration auf mehrere Faktoren zurück. Zum einen habe die neue Zurückweisungspraxis eine "Signalwirkung" entfaltet. Zum anderen kämen weniger Menschen aus wichtigen Herkunftsländern wie Afghanistan, Syrien, der Türkei und der Ukraine nach Deutschland.
Bundespolizeipräsident Dieter Romann sieht darin einen Erfolg der Maßnahmen. Er sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Die flexiblen und smarten Grenzkontrollen haben auch 2025 ihre Wirkung gezeigt."
Kritik kommt von den Grünen. Der innenpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion, Marcel Emmerich, fordert ein Ende fester Kontrollen. "Die Bundespolizei ächzt unter einer Dauerbelastung, die politisch verursacht ist." Wenn Außenminister Alexander Dobrindt die Bundespolizei zur "Migrationspolizei" mache, fehlten die Beamtinnen und Beamten andernorts, etwa für Sicherheit an Bahnhöfen, Flughäfen und im Kampf gegen organisierte Kriminalität.
Warum Rückführungen oft nicht stattfinden
Bei Rückführungen zeigt sich dagegen ein widersprüchliches Bild. Die Bundespolizei unterstützte die Länder 2025 bei der Rückführung von knapp 24.000 Personen, 7,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Geplant waren jedoch rund 58.800 Rückführungen. Davon scheiterten fast 34.900 - in mehr als 33.000 Fällen bereits, bevor die Ausreisepflichtigen von den Ländern an die Bundespolizei übergeben wurden.
Nach Übernahme durch die Bundespolizei wurden 1353 Rückführungen abgesagt, unter anderem weil Transportunternehmen die Beförderung verweigerten, Zielstaaten nicht mitwirkten, Betroffene passiven Widerstand leisteten oder Verwaltungsgerichte kurzfristig entschieden.
Dobrindt dankte den Bundespolizistinnen und Bundespolizisten in seinem Grußwort zum Jahresbericht besonders für ihren Einsatz an den Grenzen. Dieser trage dazu bei, "dass wir das Migrationsgeschehen neu ordnen konnten". Seit Mai 2025 seien "über 32.000 illegale Einreisen unmittelbar verhindert, Schleuserkriminalität eingedämmt und das Asylsystem entlastet worden".
pgr/jj (dpa, Bundespolizei)
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