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Musik

Steinmeier würdigt Beethoven

Gaby Reucher
18. Dezember 2019

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier rundete die Feierlichkeiten zum Start des Beethovenjubiläums mit einem Wandelkonzert im Schloss Bellevue ab. Er erinnerte dabei auch an die politische Dimension des Komponisten.

Auftakt des Beethoven Jubiläumsjahres | Bundespräsident Steinmeier | Konzert
Bild: DW/G. Reucher

Zum "Hauskonzert" hatten Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender ihre Gäste ins Schloss Bellevue eingeladen. Für den musikalischen Rahmen zum Auftakt des Beethoven-Jubiläumsjahres in Berlin sorgte die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen. Damit wollte der Schirmherr des Beethovenjubiläums eine "Form des privaten Musizierens und Musikhörens wieder stärker aufleben lassen, die zu Beethovens Zeiten in voller Blüte stand".

Dirigent Paavo Järvi (l.) zu Gast bei Elke Büdenbender und Frank-Walter SteinmeierBild: DW/G. Reucher

Steinmeier lobte Beethoven nicht nur als großen Komponisten, der sein Schicksal bezwingen wollte, sondern erinnerte auch daran, welche Bedeutung große Künstler wie er oft in der Geschichte eines Landes haben - im Positiven wie im Negativen. Im zweiten Weltkrieg etwa seien drei kurze und ein langer Paukenschlag - wie zu Beginn von Beethovens 5. Sinfonie - das Erkennungszeichen für die Auslandssendungen der BBC gewesen.

Als Morsezeichen stehe das Signal für den Buchstaben V, für Victory, also Sieg. In Beethovens fünfter Sinfonie, die gerade unter Daniel Barenboim zum Mauerfalljubiläum dirigiert wurde, sei das rhythmisch entsprechende weltbekannte Klopfmotiv wie ein "Herzklopfen für die Freiheit" gewesen, meinte Steinmeier. "In welcher Musik sonst hat all das Ausdruck bekommen, was uns an diesem Tag bewegt hat: Kampf und Sehnsucht, Zielstrebigkeit und Geduld und schließlich Freude und Jubel."

Bundespräsident Steinmeier spricht über die Bedeutung Beethovens in der deutschen Geschichte.Bild: DW/G. Reucher

Am 17. Dezember wurde Ludwig van Beethoven in Bonn getauft. Seinen Geburtstag vermutet man am 16.12.1770. Das Geburtsdatum ist allerdings nicht sicher überliefert. Beethoven war fasziniert von den Idealen der Französischen Revolution: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Auch dann noch, als Napoleon sich selbst zum Kaiser krönte und damit die Ideale verriet.

"Große Kunst wird gebraucht - und sie kann auch missbraucht werden", führte der Bundespräsident bei seiner Eröffnungsrede aus. So hätten die Nationalsozialisten im sogenannten Dritten Reich Beethovens Musik zur Selbstdarstellung und zur Darstellung eines überlegenen "deutschen Wesens" missbraucht. "Es mahnt uns zur bleibenden guten Vorsicht vor übersteigertem unreflektiertem Pathos."

Beethoven ist kein "Fake-Star"

Paavo Järvi dirigiert die Deutsche Kammerphilharmonie im großen Saal des Schlosses BellevueBild: DW/G. Reucher

Eröffnet wurde das Wandelkonzert im Schloss Bellevue mit dem letzten Satz aus Beethovens erster Sinfonie unter dem künstlerischen Leiter des Orchesters, dem renommierten estnischen Dirigenten Paavo Järvi. Auch für ihn hat Beethoven nicht nur eine musikalische, sondern auch eine politische Bedeutung. Es gäbe etwas in Beethovens Musik, dass sehr aktuell, kompromisslos und ehrlich sei, sagte er der Deutschen Welle. "Wir leben in einer Zeit, in der man alles bezweifelt", meint Järvi. Es gebe viele Fake-Stars und viele fabrikgefertigte Ideen. "Authentizität ist selten, aber Beethoven sagt in einer überzeugenden, brillianten und bedeutungsvollen Weise wie es ist." Man könne nicht anders als ihm zuhören, das schaffe er mit seiner Musik, weil er authentisch sei.

Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen ist eines der weltweit führenden Orchester und wurde mehrfach mit Preisen ausgezeichnet, unter anderem für den Beethoven-Zyklus aller neuen Sinfonien. Seit 2004 arbeitet das Orchester erfolgreich mit Paavo Järvi zusammen. In diesem Jahr wurde der Dirigent zum wiederholten Male mit dem Opus Klassik Preis als Dirigent des Jahres ausgezeichnet.

Gemeinschaftserlebnis mit Beethoven

"Dieses Orchester ist insbesondere mit der Musik Beethovens sehr vertraut und  international berühmt durch seine weltweiten Aufführungen und seine CD-Einspielungen der neun Sinfonien Beethovens", lobte Frank-Walter Steinmeier die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen. Große Werke wie Beethovens Sinfonien hätten die Kraft, viele "Seelen und Herzen zu einem gemeinschaftlichen Erlebnis zu sammeln".

Beethovens 9. rekomponiert: Orchester und Schülerinnen haben mitgemacht Bild: DW/G. Reucher

Ein solches gemeinschaftliches Erlebnis erleben Schüler und Schülerinnen der Gesamtschule Bremen-Ost im Projekt "Zukunftslabor". Für das Konzert hatten sie sich gemeinsam mit dem Orchester mit Beethovens 9. Sinfonie auseinandergesetzt und mit dem Komponisten und Saxophonisten Jonas Urbat überlegt, wie Beethoven heute mit all den elektronischen Möglichkeiten komponieren würde.

Beim Wandelkonzert im großen Saal vom Schloss Bellevue kamen Wortfetzen wie "Tod" und "Flüchtlinge" aus den Lautsprechern, Nachrichten, die uns tagtäglich umgeben. Im Gegensatz dazu spielte das Orchester Bruchstücke von Beethovens 9. Sinfonie, ein Sinnbild für Frieden und Freude, verfremdet durch elektronische Live-Klänge. "Halten wir zusammen, schaffen wir, was einer allein nicht schaffen kann", sangen die Schülerinnen. Steinmeier würdigte das besondere Engagement des Orchesters in der musikalischen Erziehung "auch von jungen Leuten, denen durch ihre Herkunft oder Bildungssituation die Welt der klassischen Musik eher fremd ist."

Beethoven kann auch lustig sein

Liebeslieder von Beethoven, dargeboten von Renate Rohlfing und Äneas HummBild: DW/G. Reucher

Für die Kammermusikalischen Darbietungen im Schloss Bellevue hatte sich das Orchester einiges einfallen lassen. In einem Raum ein Bläseroktett, im nächsten Raum Liebeslieder von Beethoven zum Schmunzeln. Die größte Überraschung dann das große Finale "Best of Beethoven".

Es war ein Ritt mit dem finnischen Dirigent Jaakko Kuusisto und dem Klassik und Jazz-Pianisten Iioro Rantala durch Beethovens Sinfonien und bekannte Stücke von der "Mondscheinsonate" über "Für Elise" bis hin zur "Ode an die Freude", gewürzt mit Jazzimprovisationen und sogar Tangoklängen von Astor Piazzola. Ein fulminanter Abschluss für den Auftakt zum Beethoven-Jubiläumsjahr. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bedankte sich bei allen Musikern mit den Worten: "Auch wenn vieles über Beethoven ungewiss ist, hätte Beethoven in der heutigen Welt gelebt, dieser Abend hätte ihm gewiss gefallen."

Ein Ritt über den Sinfonie-Vulkan mit Iioro RantalaBild: DW/G. Reucher
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