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Terrorismus

Nichts ist sicher in Mali

Udo Bauer
20. Januar 2017

Die deutschen Soldaten in Gao sind schockiert: Beim Angriff auf das benachbarte malische Camp starben mindestens 70 Menschen. Der Anschlag könnte den fragilen Frieden im Land gefährden. Aus Mali Udo Bauer.

Mali | Luftaufnahme Anschlagsort Gao
Bild: Vereinte Nationen

Sie sind gute Nachbarn, die sich gerne helfen, wenn Not am Mann ist. Noch am Tag vor dem Anschlag haben deutsche Blauhelmsoldaten der gemischten malischen Truppe dabei geholfen in einer Waffenkammer Gewehrhalterungen zu zimmern. Die dabei entstandenen Fotos zeugen von der lockeren, freundlichen Stimmung. Jetzt sind mindestens 70 Kameraden tot, mehr als 100 liegen in verschiedenen Krankenhäusern. Ein Massaker, das in der Geschichte des armen westafrikanischen Landes seinesgleichen sucht.

Konsequenzen aus dem Anschlag

In einem Briefing im deutsch-niederländischen "Camp Castor" rekonstruieren hohe deutsche Offiziere den Hergang des Anschlags. Gegen 8:50 Uhr am Mittwoch fuhr demnach ein mit 300 Kilogramm Sprengstoff beladenes Fahrzeug durch das Tor des Lagers, drang bis in die Mitte des Innenhofes vor, wo gerade ein Morgenappell beendet wurde. Ganze Gruppen von Soldaten wurden in Stücke gerissen, als der Wagen explodierte.

Der Anschlag ereignete sich in Gao, im Osten von Mali

"Was lernen wir Deutsche daraus?", fragt der Sicherheitsoffizier die Soldaten und gibt die Antwort gleich selbst: Die Region Gao ist ein hochgefährliches Gebiet. Und auch die deutschen Patrouillen sind gegen solche Angriffe nicht gefeit.

Im "Camp Castor" wäre so etwas allerdings unwahrscheinlich. Tatsächlich gibt es am Eingang mehrere Sperren und strenge Kontrollen. Im malischen Lager gab es bloß ein altersschwaches Metalltor. Ein Auto, das von der Hauptstraße abbiegt, konnte dieses Tor nicht aufhalten. Kein Geld, keine Sicherheit.

MOC, ein vielversprechendes Experiment

Dabei sind die sogenannten MOC-Bataillone der Hoffnungsschimmer auf Frieden. Nach dem Bürgerkrieg wurden sie gegründet aus regulären malischen Soldaten, pro-malischen Milizionären und ehemaligen Rebellen. Sie arbeiten seit ein paar Monaten zusammen, das Experiment gilt als vielversprechend. Jetzt sei der MOC-Prozess wohl beendet, argwöhnt ein deutscher Stabsoffizier. Und genau darauf haben die Terroristen es wohl abgesehen.

Die islamistische Terrororganisation Al-Mouraboutine, eine Untergruppe von Al-Kaida, hat sich zu der Tat bekannt. Sie hat schon mehrfach mit Sprengstoffanschlägen auf sich aufmerksam gemacht, zuletzt im November 2016. Da waren zwei als UN-Fahrzeuge getarnte Pickups auf das Flughafengelände in Gao gerast. Nur eines der Fahrzeuge explodierte, löste dabei aber eine gewaltige Detonation aus. Der Fahrer des anderen Wagens konnte unverrichteter Dinge fliehen. Genau dieser Mann, Abdul Hadi al-Foulani, soll jetzt für den aktuellen Anschlag verantwortlich sein. Das behauptet zumindest Al-Mouraboutine.

Gefährlichster Einsatz der Bundeswehr

Bild: picture alliance/dpa/K. Nietfeld

Unter den deutschen Soldatinnen und Soldaten, die dem Briefing in "Camp Castor" beiwohnen, herrscht betretenes Schweigen. Viele sind erst vor wenigen Stunden in Gao angekommen. Ihr Auftrag ist, den Friedensprozess in Mali zu unterstützen. In der kommenden Woche schon könnte der Bundestag das Mandat dafür verlängern. Jetzt wissen es die Soldatinnen und Soldaten ganz sicher: Der UN-Einsatz in Mali ist der gefährlichste weltweit und er ist der gefährlichste Auslandseinsatz der Deutschen. Und die Feinde des Friedens, ihre Feinde, sind real. Die Gefährdungslage in "Camp Castor" ist nach dem Anschlag nicht erhöht worden.

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