Bundeswehr vor Einsatz im Anti-Terror-Kampf
16. Oktober 2001
Darauf hat Bundeskanzler Gerhard Schröder die Partei- und Fraktionsvorsitzenden mit Ausnahme der PDS am Montag Abend in getrennten Gesprächen vorbereitet.
Details wurden am Dienstag zunächst nicht bekannt. Schröder selbst sagte bei einem Besuch des Pharmakonzerns Merck in Darmstadt, er gehe davon aus, "dass wir schon in Kürze umfangreichere Hilfe bei der Bekämpfung des Terrorismus leisten müssen, auch mit unseren militärischen Möglichkeiten". "Das, was wir bisher leisten, ist nicht alles, was auf uns zukommt", sagte der SPD-Vorsitzende. Die Entscheidungen über die Art der Hilfe würden gefällt, wenn entsprechende Bitten vorlägen.
"Wir verteidigen unsere Art zu leben"
Gleichzeitig sprach sich Schröder erneut gegen Forderungen der Grünen aus, die Luftangriffe auf Ziele in Afghanistan auszusetzen. "Wir dürfen den Terroristen keine Möglichkeit geben, ihre Organisation neu zu ordnen und neue Anschläge vorzubereiten", sagte Schröder. "So schmerzlich es sein mag, es geht nicht. Gegen diese gesichtslosen Menschen hilft nur die durch die UNO legitimierte Gegengewalt. Wir verteidigen unsere Art zu leben, und das ist unser gutes Recht", sagte der Kanzler. Der Parteirat der Grünen hatte am Montag ein Aussetzen der Luftangriffe auf Afghanistan verlangt, war damit aber auf Widerspruch gestoßen.
Künftige Regierung Afghanistans mit Taliban-Mitglieder
US-Außenminister Colin Powell hat einer Beteiligung gemäßigter Mitglieder der Taliban-Bewegung an einer künftigen Regierung Afghanistans zugestimmt. Powell sagte am Dienstag nach einem Treffen mit dem pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf in Islamabad, wenn die jetzige Regierung abgelöst sei, würden die Taliban weiter an der Entwicklung eines neuen Afghanistans beteiligt sein.
Pakistan fordert rasches Ende der Militäroffensive
Musharraf sagte, neben den Taliban kämen auch der frühere afghanische König Sahir Schah, andere Exil-Afghanen und Politiker der Nordallianz sowie Vertreter der Volksgruppen für eine neue Regierung in Betracht. Powell betonte die guten Beziehungen zu Pakistan, dessen Regierung trotz des Widerstands moslemischer Gruppen die US-Offensive unterstützt. Das pakistanische Volk wolle eine möglichst schnelle Beendigung der Angriffe auf das Nachbarland, sagte Musharraf. Powell entgegnete, die Offensive werde erst beendet, wenn alle Ziele erfüllt seien. Er hoffe, dass dies nicht mehr allzu lange dauere.
Luftangriffe konzentrierten sich auf Kabul
Augenzeugen berichteten von Angriffen auf das Gebiet um Kabul. Kampfflugzeuge seien über die Stadt geflogen und hätten mehrere Bomben auf Ziele außerhalb Kabuls abgeworfen, hieß es. Die Taliban-Einheiten reagierten lediglich mit schwachem Abwehrfeuer. "Ich habe sehr heftige und Furcht einflößende Explosionen gehört", sagte ein Bewohner Kabuls. Die Flugabwehr habe lediglich zwei- oder dreimal reagiert.
Der US-Sender CNN meldete unter Berufung auf Augenzeugen, in der Nacht zu Dienstag sei zudem eine ungewöhnlich intensive Flugaktivität über der Taliban-Hochburg Kandahar im Süden des Landes festgestellt worden. Über der Stadt seien Geräusche zu hören gewesen, die von Hubschraubern stammen könnten. Zudem sei offenbar am Boden Gewehrfeuer zu vernehmen gewesen. Dies konnte von unabhängiger Seite nicht bestätigt werden.
Neuer Milzbrand-Fall
Die Gesundheitsbehörden im US-Bundesstaat Florida berichteten von einem neuen Milzbrand-Fall. Der 73-jährige Erkrankte habe in der Poststelle des Medienunternehmens American Media gearbeitet. Dort war ein als verdächtig eingestufter Brief mit weißem Pulver eingegangen. Ferner erkrankte in New York ein Kleinkind eines Angestellten des Senders ABC an Hautmilzbrand.