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'California-Style'

Michael Kleff10. August 2008

In den 1960er Jahren hat ein besonders liberaler Geist gleich mehrere Protestbewegungen in San Francisco befördert. Wie ist die Stadt zum wichtigen Schauplatz der so genannten "Generation 68" geworden?

Eine ausgelassene Gruppe langhaariger, splitterfasernackter Hippies fährt am 12. April 1970 in San Francisco mit einem Cablecar
Eine Gruppe splitterfasernackter Hippies fährt am 12. April 1970 in San Francisco mit einem CablecarBild: picture alliance/dpa

Als an der kalifornischen Universität Berkeley im Dezember 1964 die erste Besetzung einer Hochschule in der Geschichte der Studentenbewegung stattfand, stimmte Joan Baez zur Unterstützung "We Shall Overcome" an. Die Studentenschaft wehrte sich gegen die Universitätsleitung, die ihr das Recht auf freie Meinungsäußerung streitig gemacht hatte. Das war die Geburtsstunde der "Free Speech Movement", die zu einer Art Blaupause für die weltweit ausbrechenden Studentenrevolten wurde. Sie war jedoch nicht die einzige Bewegung, die an der Westküste der USA ihren Ausgangspunkt hatte.

Verbindung aus politischem Protest und lässigem Lebensgefühl

Demonstration auf dem Campus der Berkeley University, 1967/68Bild: picture-alliance / aka-images

Für den Filmemacher Eric Christensen, der in den 60er Jahren selber in der Studentenbewegung engagiert war, ist es kein Zufall, dass im Umkreis von 20 Meilen die Black Panther Party gegründet wurde, dass Teile der Frauenbewegung und die Studentenbewegung hier begannen, dass mit LSD experimentiert wurde und die Hippiebewegung ihren Anfang genommen hat. Denn die San Francisco Bay Area sei traditionell von einem liberalen Klima geprägt. "Und auch die Beatniks spielten hier eine große Rolle. Die progressive Avantgarde war in der Bay Area einfach angesagt", sagt Eric Christensen.

Sex and Drugs and Rock ’n’ Roll

Für den Soundtrack des politischen Protests, der sich zunehmend gegen den Vietnamkrieg richtete, sorgten Bands wie Country Joe & The Fish. Während in Berkeley die Studenten für politische Veränderungen auf die Straße gingen, entwickelte sich in San Francisco, im Stadtteil Haight Ashbury, eine Szene, der es um einen alternativen Kultur- und Lebensstil ging: die Flower-Power-Bewegung der Hippies.

In ihrem Zentrum standen u.a. die Idee von "freier Liebe" und der neue Bewusstseinserfahrungen verheißende Gebrauch von Drogen. Musikalisch fand diese Szene ihren Ausdruck in später weltberühmten Bands wie Jefferson Airplane und Grateful Dead. Deren 1995 verstorbener Kopf Jerry Garcia beschrieb ihr Anliegen damals so: "Uns geht es um einen friedlichen Planeten. Um nichts anderes. Es hat nichts mit Macht oder ähnlichen Kämpfen zu tun. Auch nichts mit Revolution oder Krieg. Wir wollen einfach nur ein freies, ein einfaches, ein gutes Leben haben. Und wir wollen die menschliche Rasse ein Stück voranbringen."

"Tragt Blumen im Haar …"

"Flower-Power-Feeling" während eines Pop-Festivals in San FranciscoBild: picture alliance/dpa

"Turn on, tune in, drop out!" - der Slogan von Timothy Leary, dem von der Harvard University gefeuerten Psychologieprofessor, sollte zum Motto der Gegenkultur werden, die 1967 den "Sommer der Liebe" feierte. Zu einer echten Verbindung zwischen den Hippies von Haight-Ashbury und den Studenten in Berkeley kam es jedoch nicht, die Bewegung strandete vielmehr. Während 1968 die Studentenproteste weltweit ihren Höhepunkt erreichten, hatten sie in den USA bereits ihre soziale und kulturelle Dynamik verloren.

Nachdem im Sommer 1967 Scott McKenzies Song "San Francisco" die Hitparaden erobert hatte und die Hippies zu einer Modeerscheinung geworden waren, trug man die Flower-Power-Bewegung am 6. Oktober symbolisch mit einem festlichen Umzug zu Grabe. Enttäuscht davon, dass ihr Lebensstil und ihre Ideale vermarktet wurden, verließen einige der wichtigsten Hippie-Protagonisten nicht nur das Viertel, sondern auch gleich die Stadt.

Die Nachwirkungen sind noch spürbar

Blutige Tumulte begleiteten am 3. Dezember 1968 die Wiedereröffnung des San Francisco State College nach dreiwöchiger SchließungBild: picture alliance/dpa

Die Ausschreitungen am Rande des Parteitags der Demokraten 1968 in Chicago, wo Polizisten und Nationalgardisten friedlich protestierende Studenten niederknüppelten, sowie die tödlichen Attentate auf den schwarzen Bürgerrechtler Martin Luther King und Senator Robert Kennedy waren weitere Schläge, von denen sich die engagierten Studenten nicht erholten.

Der Filmemacher Tom Luddy glaubt trotzdem, dass das was in den 60er Jahren in Berkeley und San Francisco seinen Anfang nahm, bis heute nachwirkt. "Hier gab es die erste und größte studentische Protestbewegung, die mächtigste und am besten organisierte Black-Power-Bewegung sowie die stärkste musikalische und kulturelle Szene. Es gab keinen vergleichbaren Ort."

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