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CAS: Olympia-Disqualifikation Heraskewytschs bleibt bestehen

Stefan Nestler mit dpa, sid, ap
13. Februar 2026

Der Internationale Sportgerichtshof CAS weist den Einspruch des ukrainischen Skeleton-Fahrers Wladislaw Heraskewytsch gegen seinen Ausschluss vom olympischen Rennen ab. Die Regeln des IOC seien angemessen.

Der ukrainischer Skeleton-Fahrer Wladyslaw Heraskewytsch zeigt bei einer Pressekonferenz in Mailand seinen Helm
Der Stein des Anstoßes - der ukrainische Skeleton-Fahrer Wladyslaw Heraskewytsch zeigt seinen HelmBild: Kyodo News/IMAGO

In einem Eilverfahren hat der Internationale Sportgerichtshof (CAS) den Ausschluss des Ukrainers Wladislaw Heraskewytsch vom olympischen Skeleton-Rennen bestätigt worden. Die Ad-hoc-Kommission des CAS wies den Einspruch des 27-Jährigen gegen die Entscheidung des Bob- und Skeleton-Weltverbands IBSF zurück, der Heraskewytsch wegen seines vom IOC verbotenen Helms mit Bildern von im Ukraine-Krieg getöteten Sportlerinnen und Sportlern disqualifiziert hatte.

Die Einzelrichterin des CAS sei der Ansicht, dass die Richtlinien des Internationalen Olympischen Komitees "ein angemessenes Gleichgewicht herstellen zwischen dem Interesse der Athleten, ihre Meinung zu äußern, und ihrem Interesse, ungeteilte Aufmerksamkeit für ihre sportlichen Leistungen an der Wettkampfstätte zu erhalten". An diese Regeln sei auch der CAS gebunden, auch wenn man "volles Verständnis für Heraskewytschs Gedenkaktion" habe, hieß es in der Begründung des Urteils. 

Der Skeleton-Pilot aus der Ukraine hatte sich bereits nach seiner zweieinhalbstünden Anhörung vor der CAS-Kommission skeptisch über seine Chance geäußert, doch noch beim Skeleton-Rennen starten zu dürfen: "Es sieht aus, als wäre der Zug abgefahren." Nach dem Urteilsspruch sagte Heraskewytsch: "Der CAS hat uns im Stich gelassen." 

Skeleton-Fahrer wollte doch noch starten

Der ukrainische Athlet hatte per Eilantrag den CAS angerufen. Sein Ziel: "die Wiederaufnahme mit sofortiger Wirkung in die Olympischen Winterspiele 2026 oder alternativ die Durchführung eines vom CAS überwachten offiziellen Laufs bis zur endgültigen Entscheidung des Wettkampfs", wie der CAS mitteilte.

Am Freitagabend stand die Medaillenentscheidung im Skeleton-Rennen mit den Läufen drei und vier auf dem Programm. Er könne sich vorstellen, dass die Ergebnisse der ersten beiden Läufe annulliert würden oder aber er selbst die verpassten Läufe vom Donnerstag nachhole, hatte der Ukrainer noch vor der Anhörung gesagt. Dazu kommt es nach dem CAS-Urteil nicht.

IOC sieht Verstoß gegen die Olympische Charta

Heraskewytsch war am Donnerstag vor dem ersten Lauf disqualifiziert worden. Der Grund: Das IOC sieht in seinem Helm einen Verstoß gegen die Olympische Charta, die politische Äußerungen bei olympischen Wettkämpfen untersagt. Auf Heraskewytschs Helm sind 20 ukrainische Sportlerinnen und Sportler abgebildet, die während des seit fast vier Jahren andauernden russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine getötet wurden.

Heraskewytsch sieht in seinem "Helm des Gedenkens", wie er ihn nennt, keinen Verstoß gegen die Olympische Charta. "Ich bin überzeugt, dass wir keine Regeln verletzt haben. Ich glaube auch, dass wir diese Aufmerksamkeit in all diesen Tagen hatten und haben, weil die Menschen verstehen, dass wir auf der richtigen Seite stehen und keine Regeln gebrochen haben", sagte der Ukrainer. 

Solidaritätsaktion der ukrainischen Rodel-Staffel

Die ukrainische Team-Staffel im Rodeln solidarisierte sich bei ihrem Wettbewerb am Donnerstag mit Heraskewytsch. Im Zielbereich knieten sich die sechs Athletinnen und Athleten demonstrativ gemeinsam hin, hielten ihre Helme hoch und riefen: "Wlad, wir sind bei dir. Ukraine, wir sind bei dir."

Die ukrainische Rodel-Team-Staffel bekundet seine Solidarität mit Heraskewytsch - das Rennen endete übrigens mit Gold für DeutschlandBild: Robert Michael/dpa/picture alliance

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte kündigte an, Heraskewytsch einen Verdienstorden zu verliehen. Auf der Plattform X kritisierte er das Internationale Olympische Komitee (IOC) scharf: "Sport sollte nicht zu Amnesie führen, und die Olympische Bewegung sollte dazu beitragen, Kriege zu beenden, anstatt Aggressoren in die Hände zu spielen."

EU-Abgeordnete fordern Umdenken des IOC

Eine Gruppe von rund 40 Abgeordneten des Europaparlaments forderte das IOC auf, seine Entscheidung im Fall des ukrainischen Skeleton-Fahrers zu überdenken. "Wir halten den Ausschluss von Wladyslaw Heraskewytsch und das Verbot des Helmes für falsch", heißt es in einem Brief der Abgeordneten an das IOC, der von dem deutschen Grünen-Abgeordneten Erik Marquart initiert wurde.

"Die Sanktionierung des Gedenkens birgt die Gefahr, selbst als politische Entscheidung wahrgenommen zu werden und damit den olympischen Gedanken zu untergraben."

IOC-Präsidentin Kirsty Coventry verteidigte am Tag nach dem Olympia-Eklat die Entscheidung im Fall Heraskewytsch. "Die Regeln sind die Regeln, und ich glaube an diese Regeln", sagte Coventry. Die Richtlinien seien mit den Aktiven abgestimmt. "Die Athletinnen und Athleten wollen sich ausdrücken dürfen, aber sie wollen auch geschützt sein und nicht benutzt werden."

Der Artikel wurde nach dem CAS-Urteil aktualisiert.

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