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Cebit: Drohnen als Helfer für die Industrie?

Marina Strauß16. März 2016

Auf der Cebit rasen Drohnen um die Wette, denn sie haben ein großes Potenzial für Unternehmen. Dafür fehlt es in Europa aber nicht nur an Investitionen. Marina Strauß berichtet aus Hannover.

Deutschland Cebit 2016 Drohne der Firma Aibotix
Bild: DW/M. Strauß

Drohnen flitzen über die CeBIT

02:04

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Die US-Airways-Maschine hatte sich an diesem Januartag 2009 gerade erst von New York auf die Reise nach Seattle gemacht. Nur wenige Minuten nach dem Start musste das Flugzeug auf dem Hudson River notwassern. Der Grund: ein Vogel, der sich in den Triebwerken verfangen hatte. Eine Drohne hätte das vielleicht verhindern können, sagt Christian Trempler von der der TU Berlin. Der Luft- und Raumfahrttechniker ist zur Cebit gekommen, um sich mit anderen Drohnenexperten aus verschiedenen Branchen und Industrien über unbemannte Flugkörper, deren Entwicklung und neue Geschäftsmodelle auszutauschen.

"In den USA gibt es pro 2000 Flüge einen Vogelschlag", erklärt Trempler. Bisher vertreiben Menschen mit Störgeräuschen, Licht, Pyrotechnik oder Schreckschusspistolen Vögel aus den Zonen rund um die Abflug- und Landebahnen. Diese Aufgaben könne - genauso gut oder sogar noch besser - auch eine Drohne übernehmen und damit vergleichsweise günstig für mehr Sicherheit sorgen, so Trempler. Ähnlich sähe es mit der Suche nach losen Teilen aus, die schon mal beim Start von einem Flugzeug abfallen würden und damit zum Beispiel auch den Absturz der Concorde im Juli 2000 mitverursacht haben sollen.

Auf Nummer sicher gehen

Was im ersten Moment logisch klingt, zeigt aber auch Schwierigkeiten auf, mit denen Drohnenverfechter sich auseinandersetzen müssen. Wie kann zum Beispiel sichergestellt werden, dass die Drohne nicht in ein Flugzeug rauscht? Alle Systeme müssten - so wie das auch bei Flugzeugen üblich ist - doppelt oder sogar dreifach eingebaut werden. Eine solche Sicherheitsvorkehrung würde das unbemannte Fluggerät allerdings momentan noch sehr schwer machen. Auch Hacking oder das Ausfallen von eingebauten GPS-Systemen wären mögliche Probleme.

Drohnenbauer auf der CebitBild: DW/M. Strauß

Bis es Drohnen auf Flughäfen Kontrollflüge machen dürfen, wird also noch ein wenig Zeit vergehen. Im Agrarbereich werden die unbemannten Flugkörper hingegen schon eingesetzt. Landwirte überprüfen etwa so den Chlorophyllgehalt ihrer Pflanzen und können herausfinden, ob es denen gut geht. In der Folge müssen sie nur noch gezielt Düngemittel einsetzen. Somit sparen sie Kosten und steigern im besten Fall auch noch ihre Erträge. In der Forstwirtschaft spüren zum Beispiel mit Laserscannern ausgerüstete Drohnen auf, wie viel kommerziell verwertbares Holzes unter ihnen im Wald steht. Die unbemannten Fluggeräte können auch Steinbrüche vermessen oder Umweltsünder ausfindig machen, indem sie etwa über Flüssen messen, wie viele Emissionen die Schornsteine von Schiffen in die Luft blasen.

Die Drohne als Vehikel

Das funktioniert zum Beispiel mit der grelllorangen Aibot X6 der Kassler Firma Aibotix (siehe Artikelbild), an der Industriekunden unterschiedliche Sensoren anbringen können - sei es eine simple Kamera, Laser oder eine Technologie, die radioaktive Strahlung erkennt. "Die Idee ist, das Vehikel Drohne zu nutzen, um einen Sensor in die Luft zu bringen und damit Untersuchungen durchzuführen, die sonst nicht möglich wären", erklärt Benjamin Federmann von Aibotix. Das Unternehmen gibt es seit 2010, es hat laut Federmann enge Kundenkontakte aufgebaut, ist eng vernetzt und kennt die zuständigen Behörden.

Wenn Hans-Peter Thamm über unbemannte Luftfahrtzeuge spricht, wird er ganz aufgeregt. Der Geograph und Hydrologe entwickelt mit seiner Firma Aerolution High-Tech-Drohnen. "Falls das alles in die Hose geht, bin ich ruiniert", sagt er in der Expertenrunde auf der Cebit. "Aber ich weiß, dass es funktionieren wird." Das Problem in Deutschland sei, dass es zwar viele gute Ideen gebe, aber nicht den Mut, darin zu investieren. Drohnen bestünden aus viel Technik, die könne kaputt gehen und daher sei natürlich ein Risiko da. "Wenn große Firmen nichts machen, passiert nicht viel. Wenn sie allerdings etwas Neues wagen und dann scheitern, rollen Köpfe", so Thamm. Und trotzdem ist er sich sicher: "Wenn die Geräte billiger sind als andere Anwendungen, werden sie sich durchsetzen und auch von der Politik wahrgenommen werden."

Frank Wernecke plädiert für europäische Drohnen-ClusterBild: DW/M. Strauß

Mehr Investitionen gefordert

Auch Frank Wernecke sieht in Drohnen ein riesiges Potenzial. Er ist Organisator des ersten Dronemasters Summit auf der Cebit, in dessen Rahmen auch die Expertenrunde stattfindet. Mit den Dronemasters bringt er Menschen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Sport und Unterhaltung zusammen, die von unbemannten Luftfahrtzeugen fasziniert sind. Er und seine Mitstreiter setzen sich für eine europäische Regulierung ein. Im Moment seien unglaublich viele unterschiedliche Akteure verantwortlich, so Wernecke. Zudem gibt es in jedem deutschen Bundesland eine eigene Luftfahrbehörde. Daher sei es für Unternehmen erstens schwer, die richtige Anlaufstelle zu finden und zweitens koste es dann noch sehr viel Energie zu erklären, was man eigentlich tun möchte.

"Es gibt keine französische Suchmaschine, kein großes deutsches soziales Netzwerk", sagt Wernecke. Und auch wenn jetzt schon die großen Drohnen-Cluster im Silicon Valley, in China und im arabischen Raum angesiedelt seien, solle Europa diesmal den Absprung nicht verpassen. Eigentlich seien technisch viele Firmen schon soweit, doch wenn nicht investiert werde, seien die neusten Entwicklungen von heute bald schon wieder technisch überholt. "Der Schub fehlt noch und es kann sein, dass die großen Player aus den USA oder aus China den Markt mitnehmen." Die Hoffnung der europäischen Drohnenfans sei es aber, jetzt nochmal richtig Gas zu geben, so Wernecke. "Denn selbst wenn nichts passiert, dann haben wir es wenigstens versucht."