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Politik

"Charta von Berlin" gegen Hunger in Entwicklungsländern

Daniel Pelz
27. April 2017

Das deutsche G20-Programm wird konkreter. Eine Konferenz in Berlin fordert massive Investitionen in die Landwirtschaft und mehr Jobs für junge Menschen in Entwicklungsländern. Die Bundesregierung unterstützt die Pläne.

Berlin G20 Konferenz EINEWELT ohne Hunger ist möglich Müller
Bild: picture-alliance/dpa/M. Skolimowska

Entwicklungsminister Gerd Müller ist in seiner Lieblingsrolle: Er mahnt. "Heute Nacht sind 7000 Kinder verhungert. Das nehmen wir nicht hin. Das ist Mord", ruft er den rund 800 Experten im vollgepackten Saal zu. Dabei sei eine Welt ohne Hunger möglich.

Für Müller liegt der Schlüssel in mehr Investitionen in die ländlichen Regionen. "Wir können Erträge vervielfachen - nicht mit mehr Flächen und mehr Dünger, sondern mit modernem Wissen und  besserer Organisation." Vor allem müssten Kleinbauern gestärkt werden - auch durch ein besseres Finanzierungssystem. Frauen sollten Zugang zu Land bekommen. Auch müsse der Welthandel fairer werden, damit Kleinbauern aus Entwicklungsländern ihre Produkte besser exportieren können.

Massive Investitionen gefordert

Die Teilnehmer der zweitägigen Konferenz "Eine Welt ohne Hunger ist möglich - Die Zukunft des ländlichen Raums" hören das gerne. Die Konferenz im Rahmen der deutschen G-20-Präsidentschaft dient als Vorbereitungstreffen für den Gipfel der Staats- und Regierungschefs im Juli in Hamburg. In ihrer "Charta von Berlin" fordern die Teilnehmer von den G-20-Staaten, massiv in ländlichen Regionen zu investieren. Bis 2030 sollen so mindestens 600 Millionen Menschen vom Hunger befreit werden. Alle jungen Menschen auf dem Land sollen Zugang zu Bildung und Ausbildung haben. Die Jugendarbeitslosigkeit soll halbiert werden.


Mehr Investitionen sind dringend nötig. Die Bevölkerung wächst vielerorts rasant. Bis 2050 soll sich die Zahl der Menschen in Afrika verdoppeln. Dann würden 2,5 Milliarden Menschen auf dem Kontinent leben. Die Bundesregierung werde sich für mehr Beschäftigungsmöglichkeiten für junge Menschen in den ländlichen Gebieten einsetzen, versprach Kanzleramtsminister Peter Altmaier. Denn die Bundesregierung weiß, welche Folgen steigende Armut in Afrika hätte. "Wir wollen dafür sorgen, dass junge Menschen eine Perspektiven haben - und dass die Perspektive nicht daraus besteht, dass man versucht, über Schlepper und Schleuser in andere Länder zu gelangen".

Haben die Vorschläge eine Chance?

Doch werden die G-20-Staaten die Vorschläge auch umsetzen? Beim letzten G-20-Finanzminister-Treffen in Baden-Baden stand nicht die neue Zusammenarbeit mit Afrika oben auf der Tagesordnung, sondern der Handelsstreit mit den USA. "Eine Charta allein reicht nicht", sagt die Präsidentin der Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann. Stattdessen müsse gehandelt werden. Dabei sei die Bundesregierung gefordert. "Wir haben noch keine Kohärenz bei der Landwirtschafts-, Handels- und Finanzpolitik", so Dieckmann. Auch die von Entwicklungsminister Müller angekündigte stärkere Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft sieht Dieckmann kritisch. "Private Investitionen dürfen nicht Ausbeutung sein, dürfen nicht Landgrabbing sein, wie wir das in der Vergangenheit erlebt haben". Wichtig sei, dass Arbeits- und Sozialstandards eingehalten würden.

Der Präsident der Afrikanischen Entwicklungsbank, Akinwumi Adesina, gibt sich dagegen optimistisch. Er ist selbst auf dem Land aufgewachsen. "Ich bin kilometerweit gelaufen, um Wasser zu finden, und habe meine Schulaufgaben bei Kerzenlicht machen müssen", erzählt er den Teilnehmern. Hilfen für die ländlichen Regionen sind für ihn auch eine Investition in Sicherheit. "Die jungen Menschen sind verzweifelt und fühlen sich machtlos. Das macht sie zur einfachen Beute für Terroristen", so Adesina. Doch Deutschland und die anderen G-20-Länder hätten den politischen Willen, mit Afrika stärker zusammenzuarbeiten. Gut sei, dass sich die G 20 zunächst auf wenige Länder in Afrika konzentrieren wollten. "Mit Ländern anzufangen, die den klaren Willen zu Reformen zeigen, und dann mit diesem Erfolg weiterzumachen, ist der richtige Weg." Und wenn am Ende kein Geld fließt? "Dann werde ich ziemlich häufig anrufen."

Schlechte Wege, improvisierte Brücken: Ländliche Regionen, hier in Nigeria, sind oft schlecht angebundenBild: DW/J. P. Scholz
Faire Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft - das fordern die Konferenzteilnehmer in BerlinBild: picture alliance/Photoshot
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