China demonstriert Schulterschluss mit Nordkorea
7. Juni 2026
Hoher Besuch in Nordkorea - Chinas Präsident Xi Jinping reist am Montag und Dienstag in das international isolierte Land. Das sei eine gute Chance für Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un, seinem Volk demonstrieren zu können, dass eine der unbestrittenen Supermächte der Welt Nordkorea als Verbündeten und Partner anerkennt, sagen Beobachter. Das sei ein bedeutender Schritt für ein Regime, das nach Legitimität im Inland und international nach Ansehen strebt.
Zuletzt trafen sich Xi und Kim im September 2025, als Peking mit einer Militärparade den 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs in Asien feierte. Auch der russische Präsident Wladimir Putin war anwesend. Der letzte Besuch von Xi in Nordkorea liegt allerdings schon sieben Jahre zurück. Das war im Jahr 2019. China und Nordkorea waren seit dem Zweiten Weltkrieg die wichtigsten Verbündeten, wirtschaftlich und militärisch. Während des Koreakriegs 1950 bis 1953 beschrieb Mao Zedong das Verhältnis der beiden Länder als "so eng wie Lippen und Zähne".
Damals schickte China 1,3 Millionen Soldaten in den Koreakrieg, um gegen die "amerikanische Aggression" zu kämpfen. Unter den 115.000 Toten war auch Maos ältester Sohn. "Xis Hauptmotiv ist, Chinas Beziehung zu Nordkorea zu festigen und zu bekräftigen", sagt Choo Jae-woo, Professor für Außenpolitik am Institut für Chinastudien der südkoreanischen Kyung-Hee-Universität.
Russland stellt China in den Schatten
"Kim hat sich in den letzten Jahren sehr aktiv um die Verbesserung seiner Beziehungen zu Russland bemüht", sagt Choo im DW-Interview. Russland hat die Waffenlieferung und Entsendung von Soldaten im Angriffskrieg gegen die Ukraine dringend benötigt. Und beide Länder stehen auf der internationalen Sanktionsliste "China hat eindeutig das Gefühl, von Nordkorea ignoriert zu werden", so Choo.
Im Juli jährt sich nun die Unterzeichnung des Freundschaftsvertrags zwischen China und Nordkorea zum 65. Mal. Es ist der einzige chinesische Bündnisvertrag militärischer Natur. Artikel zwei sieht militärische Hilfe "mit allen Mitteln" vor, wenn eine Vertragspartei "einem bewaffneten Angriff" oder "Aggression" ausgesetzt sein sollte. Offiziell befinden sich Süd- und Nordkorea noch im Krieg - mit einer Feuerpause.
"Es wäre angemessener, wenn Xi zum Jubiläum am 11. Juli nach Nordkorea reisen würde", sagt Choo. "Die aktuelle Reise einen Monat davor zeigt, dass Xi besorgt ist, Nordkorea könnte sich zu sehr an Russland annähern." China habe in den letzten Monaten große Mengen Exporte nach Nordkorea zugelassen, so Choo weiter. Und Kim erwartet mehr chinesische Touristen an der so genannte "nordkoreanischen Riviera" in Wonsan-Kalma. Zahlreiche russische Touristen reisen jetzt schon zur Erholung an der Pazifikküste.
Kim hat bereits angekündigt, wie bisher das Ein-China-Prinzip zu unterstützen und Taiwan als Teil Chinas zu betrachten. Er wird zudem eine stärkere Anbindung an Chinas enorme Wirtschaftskraft anstreben, um die marode Ökonomie in Nordkorea anzukurbeln. Eine Statistik der südkoreanischen Zentralbank zeigt, dass in den letzten beiden Jahren das Bruttoinlandsprodukt nach jahrelangem Negativ- und Nullwachstum im bitterarmen Norden um drei Prozent gestiegen war.
Nordkorea will "ein normaler Staat" sein
Und Kim strebt nach mehr. "Er will, dass Nordkorea international als ein 'normaler Staat' wahrgenommen wird. Er will Xis Besuch nutzen, den Umfang und die Reichweite seiner diplomatischen Bemühungen auszuweiten, beispielsweise durch den Beitritt der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) oder der Allianz der Schwellenländer BRICS", sagt Experte Choo. In den beiden Staatenverbünden ist Nordkorea weder Mitglied noch Beobachter.
Die 2001 von China gegründete Shanghai Cooperation Organization (SCO) umfasst zehn Vollmitgliedsstaaten in Zentral- und Ostasien, um Sicherheit und wirtschaftliche Zusammenarbeit zu fördern. Die BRICS-Staaten bestehen aus elf großen Schwellen- und Entwicklungsländern weltweit und fungieren als Forum für die politische und wirtschaftliche Koordination des Globalen Südens.
Der 42-jährige Machthaber Kim wolle zeigen, "dass Nordkorea ein Land ist, das andere ernst nehmen müssen", sagt Kim Sang-woo, Ex-Politiker der linksgerichteten südkoreanischen Partei "Kongress für neue Politik" und heute Vorstandsmitglied der Kim-Dae-jung-Friedensstiftung in Südkorea. "Chinas 100-prozentige Unterstützung und eine erneute Anerkennung des Bündnisses" würde diesen Anspruch unterstreichen.
Auf der anderen Seite wolle Xi demonstrieren, "dass China die Hegemonialmacht im indopazifischen Raum ist und das Engagement und die Verlässlichkeit der USA in der Region immer unsicherer geworden sind", sagt Vorstand Kim gegenüber der DW. "Das ist eine Botschaft an die Länder der Region, die zunehmend zusammenrücken, darunter Südkorea, Japan, Indien, die Philippinen, Australien und andere, während China versucht, Einfluss auf ihre geplanten Bündnisse zu nehmen."
Aus dem Englischen adaptiert von Dang Yuan