Merz sieht "großes Potenzial" in Beziehungen zu China
25. Februar 2026
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) will die wirtschaftlichen und diplomatischen Beziehungen zu China ausbauen. "Ich lege großen Wert darauf, diese zu erhalten und auch zu vertiefen - überall, wo das möglich ist", sagte er bei einem Treffen mit Ministerpräsident Li Qiang in Peking. Merz betonte auch die Notwendigkeit, auf europäischer Ebene eng mit China zusammenzuarbeiten. Der Kanzler war am Vormittag (Ortszeit) zum ersten China-Besuch seiner Amtszeit in der Hauptstadt Peking eingetroffen.
"Offene Gesprächskanäle"
"Wir tragen gemeinsam Verantwortung in der Welt" und dieser Verantwortung sollten wir auch gemeinsam gerecht werden. Es gebe "großes Potenzial für weiteres Wachstum" beider Volkswirtschaften, sagte Merz. Damit das gelinge, seien "offene Gesprächskanäle" nötig. Der Kanzler kündigte Besuche von Fachministern in den nächsten Monaten an. Es werde einen intensiven Dialog im Verlauf des Jahres geben.
Chinas Regierungschef Li sprach von einer "stabilen" Weiterentwicklung der bilateralen Beziehungen. Er verwies auf "Veränderungen in der internationalen Lage". Er sprach - ohne die USA und die Zollpolitik von Präsident Donald Trump namentlich zu erwähnen - von Unilateralismus und Protektionismus "in einigen Ländern und Regionen". Mit Blick auf diese Tendenzen sei es notwendig, das Vertrauen in die Zusammenarbeit zu festigen und "gemeinsam Multilateralismus sowie freien Handel zu wahren". China sei bereit, gemeinsam mit Deutschland den Dialog zu stärken.
Schieflage in der Bilanz
China ist Deutschlands wichtigster Handelspartner. Importe und Exporte summierten sich 2025 auf mehr als 250 Milliarden Euro. Die Bilanz ist jedoch unausgewogen. Chinas Exporte nach Deutschland übersteigen die Importe bei weitem. Im vergangenen Jahr führte Deutschland erstmals mehr als doppelt so viel aus China ein wie es im selben Zeitraum dorthin ausführte.
Beim Treffen von Li und Merz wurden fünf Regierungsabkommen unterzeichnet. Unter anderem vereinbarten beide Seiten eine Fortsetzung der Kooperation im Kampf gegen den Klimawandel. Hinzu kommt ein Abkommen, das den Weg zur Wiederaufnahme des 2020 wegen der Afrikanischen Schweinepest gestoppten Exports von deutschem Schweinefleisch ebnen soll.
Treffen mit Präsident Xi
Im Anschluss an das Gespräch mit Regierungschef Li traf der Bundeskanzler mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping zusammen. "Wir sind zwei der drei größten Industrienationen der Welt. Das ist eine große Verantwortung, aber es ist auch eine große Chance", sagte Merz zu Xi. Berlin und Peking hätten seit Jahrzehnten eine gute bilaterale Beziehung, "ich möchte daran gerne anknüpfen", betonte Merz.
Xi sagte, er schätze die Beziehung zu Deutschland sehr. Er sei bereit, gemeinsam mit dem Bundeskanzler daran zu arbeiten, die "umfassende strategische Partnerschaft zwischen China und Deutschland" auf ein "neues Niveau" zu heben.
Großauftrag für europäischen Airbus-Konzern
Direkt nach dem Treffen mit Präsident Xi Jinping sagte Merz: "Wir haben gerade die Nachricht bekommen, dass die chinesische Führung bei dem Unternehmen Airbus eine größere Zahl weiterer Flugzeuge bestellen wird". Es werde - so Merz - "insgesamt bis zu 120 zusätzliche Flugzeuge geben, die bei Airbus bestellt werden." Der europäische Airbus-Konzern ist das drittgrößte Luft- und Raumfahrtunternehmen der Welt. Auch Deutschland ist an dem Konzern beteiligt.
Bei dem Treffen zwischen Xi und Merz sollte es neben Fragen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit auch um sicherheitspolitische Themen wie den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine gehen. China gilt als wichtigster Verbündeter des russischen Präsidenten Wladimir Putin.
Die Reise des deutschen Bundeskanzlers ist die jüngste in einer Reihe von Besuchen westlicher Politiker, die in den vergangenen Monaten um die Gunst Pekings geworben haben. Darunter waren unter anderen der britische Premierminister Keir Starmer, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Kanadas Regierungschef Mark Carney.
haz/se (dpa, rtr, afp, ap)
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