China geht mit Japan in den Clinch
20. November 2025
Nach einer angeblichen politischen Aussage mit versteckter Botschaft über die Insel Taiwan von Japans Premierministerin Sanae Takaichi manövriert sich Peking auf Konfrontationskurs. Letzte Woche sagte Japans ultrakonservative Premierministerin der Dauerregierungspartei LDP über ein mögliches Angriffsszenario Festlandchinas auf Taiwan: "Wenn dieser Notfall den Einsatz von Kriegsschiffen und die Ausübung von Gewalt beinhaltet, könnte dies in jeder Hinsicht eine Situation darstellen, die Japans Überleben bedroht".
Die Volksrepublik China betrachtet Taiwan als eine abtrünnige Provinz. Japans Regierung bekennt sich offiziell zur sogenannten Ein-China-Politik. Von Peking wird allerdings jede Äußerung, in der Solidarität mit Taipeh durchscheint, als Provokation angesehen. Chinas Außenministerium gab nun einen so genannten Reisehinweis für Japan heraus und riet von nicht notwendigen Japanreisen ab. Die staatlichen Airlines erstatten bei Stornierung den vollen Flugpreis inklusive Steuern.
Drohgebärden plus Importverbot
Außerdem warnte Peking, Tokio würde eine "vernichtende" militärische Niederlage erleiden, wenn es in einen Taiwan-Konflikt eingreifen würde, und äußerte "ernsthafte Besorgnis" über Japans Sicherheitspolitik. Zeitgleich findet im Gelben Meer unweit vor Japans Küste ein Militärmanöver der chinesischen Marine statt. Dort übt die Volksbefreiungsarmee das Schießen mit Live-Feuer. Die chinesische Küstenwache patrouilliert weiterhin im Gebiet um die umstrittenen Senkaku-/Diaoyu-Inseln. Die vier unbewohnten Inseln im Ostchinesischen Meer werden von Japan verwaltet, aber von China beansprucht.
Schließlich verkündete China am Mittwoch (19.11.25) das Importverbot von japanischen Meeresfrüchten. Offenbar lag Peking das Treffen zwischen Takaichi und dem demokratisch gewählten Präsident William Lai Ching-te auf Taiwan im April 2025 noch im Magen. Takaichi war damals Parlamentsabgeordnete. Beide sprachen für eine verstärkte Verteidigungskooperation mit Verbündeten wie den USA, Australien und Europa aus, "die dieselben demokratischen Werte teilen".
Takaichi selbst wäre vermutlich sehr "überrascht", dass ihre Äußerung so heftige Reaktionen in China ausgelöst hat, sagt William Yang von der International Crisis Group. Allerdings seien die Instrumente wie Militärmanöver oder Abraten von Erholungsurlaub in Japan nichts Neues. "Ich halte diese Reaktion in keiner Weise für übertrieben. Es handelt sich eher um einen kalkulierten Schachzug", so Yang im DW-Interview.
Scharfmacherei und Nebelkerze
Experten vermuten, dass China mit seinen starken Reaktionen wahrscheinlich die patriotische Stimmung in der Bevölkerung anfachen und ein Bild nationaler Einheit im eigenen Land schaffen wolle. "Dieses Drama dient in gewisser Weise dazu, die innenpolitischen Spannungen zu entschärfen, die sich angesichts des wirtschaftlichen Abschwungs in China aufgebaut haben", sagt Lim Chuan-tiong, Forschungsstipendiat für Asienstudien an der Universität Tokio. Das sei das erste Mal gewesen, dass die Taiwan-Frage in den Vordergrund angespannter Beziehungen zwischen China und Japan gerückt sei.
Peking wolle Japans Premierin Takaichi eine Lektion erteilen und sie davon abhalten, "sich künftig aktiv in die Taiwan-Frage einzumischen", sagt Lim. Japan ist sicherheitspolitisch mit einem Schutzpakt von den USA abhängig. Die 64-jährige Takaichi, die als junge Nachwuchspolitikerin ein ganzes Jahr Fellowship im US-Kongress absolvierte, empfing unmittelbar nach ihrer Amtseinführung US-Präsident Donald Trump in Japan und umgarnte ihn geschickt.
Allerdings würde eine solche Scharfmacherei nicht lang andauern, sagt Politologe Lim. "Peking wird sich letztendlich zurückziehen und zum Dialog zurückkehren. Es kann sich einfach nicht leisten, sich für immer und ewig mit einem großen Nachbarland zu zoffen."
"Kurzfristig muss Japan sichtbare Schritte unternehmen, um die Lage zu beruhigen", meint Yang von der International Crisis Group, "da Peking eindeutige Bereitschaft zu weiteren Sanktionen gegen Japan signalisiert hat." Takaichi befinde sich in einem Dilemma, da zu leichtfertige Zugeständnisse ihr nationalistisches Image in Japan untergraben würden.
Japanische Medien berichten, dass Takaichi im Dezember einen Besuch im umstrittenen Yasukuni-Schrein in Tokio plane. In diesem Shinto-Schrein werden im Krieg Getötete verehrt, unter ihnen auch 14 verurteilter Kriegsverbrecher. Andere asiatische Länder wie China und Südkorea betrachten solche Besuche als Verherrlichung der Kriegsvergangenheit an. Eine richtige Versöhnung blieb bisher auch 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieg in Asien aus.
Aus dem Englischen adaptiert von Dang Yuan