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KonflikteIran

China und der Iran: Warum Peking Distanz zu Teheran hält

2. Februar 2026

Im Konflikt zwischen den USA und dem Iran spielt China eine Schlüsselrolle. Doch Peking setzt auf Pragmatismus statt bedingungsloser Hilfe. Warum Experten glauben, dass Chinas Unterstützung für Teheran klare Grenzen hat.

China Peking 2024 | Chinesischer Präsident Xi Jinping empfängt iranischen Präsidenten Pezeshkian
Peking 2024: Der chinesische Präsident Xi Jinping empfängt den iranischen Präsidenten Masud PeseschkianBild: President.ir

Nach der tödlichen Gewalteskalation im Iran entwickelt sich China zu einem wichtigen Stakeholder im Konflikt zwischen dem Iran und den USA . Die Frage steht im Raum, wie die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft - mit seinen Beziehungen zu dem Regime in Teheran - auf die Entwicklungen am persischen Golf reagieren wird. 

Im Januar protestierten unzufriedene Menschen im Iran gegen eine wirtschaftliche Flaute, die Demonstrationen richteten sich aber bald gegen das Regime selbst. Die Sicherheitskräfte gingen brutal gegen die Demonstrierenden vor. Nach offiziellen Angaben sind mehr als 3000 Menschen ums Leben gekommen. Aktivisten gehen von noch deutlich höheren Opferzahlen aus. 

Daraufhin schickte US-Präsident Donald Trump einen Flugzeugträger ins Rote Meer. US-Soldaten, die in der Region stationiert sind, wurden in Alarmbereitschaft versetzt. Die USA wollen nach eigener Aussage verhindern, dass Zivilisten getötet werden, und das iranische Atom- und Raketenprogramm beenden. Schon im Juni 2025 hatten US-Kampfflugzeuge im Rahmen des 12-tägigen Krieges zwischen dem Iran und Israel Atomanlagen auf iranischem Boden zerstört.

Anti-amerikanisches Plakat in Teheran zeigt zerstörten US-Flugzeugträger. Bild vom 28.1.2026Bild: Morteza Nikoubazl/NurPhoto/picture alliance

Droht nun Krieg?

Am 15. Januar verurteilte der chinesische Außenminister Wang Yi die Drohungen der USA mit Waffengewalt als Rückkehr zum "Gesetz des Dschungels", also dem Faustrecht des Stärkeren. Der 72-Jährige bot im Gespräch mit seinem iranischen Amtskollegen Abbas Araghtschi an, eine "konstruktive Vermittlerrolle" einzunehmen. Mit der iranischen Regierung und dem iranischen Volk wolle sich China für eine friedliche Beilegung des Streits einsetzen.

Am Wochenende (31.1.26) berichteten iranische Staatsmedien, dass der Iran Mitte Februar gemeinsame Marineübungen mit China und Russland im nördlichen Indischen Ozean durchführen wolle. Auf diese Ankündigung folgte eine Flut unbestätigter Behauptungen im Internet, China würde dem Iran militärische Hilfe leisten.

China ist einer der wichtigsten wirtschaftlichen und politischen Partner des Iran und bietet Teheran einen wichtigen Absatzmarkt, während das Land mit umfassenden US-Sanktionen konfrontiert ist. Der Iran steht außerdem auf der schwarzen Liste der Financial Action Task Force (FATF). Die FATF ist das wichtigste internationale Gremium zur Bekämpfung und Verhinderung von Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und sogenannter Proliferationsfinanzierung, der Finanzierung von Massenvernichtungswaffen. Diese Beschränkungen haben den Zugang des Iran zum globalen Finanzsystem stark eingeschränkt und das Land noch stärker von China abhängig gemacht.

Seit dem Krieg zwischen dem Iran und Israel 2025 hat die Beziehung zwischen Peking und Teheran eine stärkere sicherheitspolitische Dimension angenommen. Im Jahr 2021 hatten China und der Iran ein "Programm der Zusammenarbeit für 25 Jahre" unterschrieben. Vereinbart sollen 400 Milliarden US-Dollar chinesische Investitionen gewesen sein, zum Beispiel im iranischen Energiesektor. Es lag aber länger auf Eis, weil eine größere Abhängigkeit von Peking befürchtet wurde.

Im August 2025 rief der iranische Revolutionsführer Ali Chamenei auf X dazu auf, das Abkommen doch mit Leben zu füllen. "Der Iran und China sind zwei Länder mit alten Zivilisationen auf beiden Seiten Asiens, die die Macht haben, einen Wandel in der Region und in der Welt herbeizuführen. Die Umsetzung aller verschiedenen Dimensionen des strategischen Partnerschaftsabkommens wird dazu beitragen, den Weg dafür zu ebnen", hieß es.

Berichten zufolge wollen beide Länder den Austausch von Geheimdienstinformationen und die Koordinierung gegen vermeintliche externe Bedrohungen verbessern.

Hamidreza Azizi, Nahost-Sicherheitsexperte der Berliner Stiftung für Wissenschaft und Politik (SWP), warnt jedoch davor, Pekings Engagement für die Verteidigung der iranischen Regierung zu überschätzen. Chinas Ansatz in der gesamten Region sei nach wie vor weitgehend ein pragmatischer. "China hat sich nach dem 12-tägigen Krieg zwischen dem Iran und Israel nicht als entschiedener Verteidiger des Iran artikuliert. Es ist unwahrscheinlich, dass sich diese Position im Falle einer möglichen militärischen Intervention der USA verändern wird."

China hat dagegen anderen regionalen Partnern stärkere Unterstützung gewährt. Während der Auseinandersetzungen zwischen Indien und Pakistan um Kaschmir im Jahr 2025 zum Beispiel bot Peking Pakistan - laut indischen Quellen - konkrete militärische Hilfe an. Eine vergleichbare Unterstützung sei dem Iran nicht gewährt worden, sagt Azizi im DW-Interview.

Chinas begrenzte Präsenz im Iran

Die US-Sanktionen hätten den Iran zwar näher an China herangeführt. Die Möglichkeiten, wirtschaftliche Präsenz im Iran auszubauen, seien aber begrenzt, sagt Experte Azizi.

"Derzeit scheint Peking mehr darauf bedacht zu sein, sich gegen einseitige Maßnahmen der USA zu wehren, als das Überleben des iranischen Regimes selbst zu sichern." Die jahrelangen Unruhen und die weit verbreitete Korruption im Iran hätten in China ebenfalls der Auffassung Schub verliehen, dass das Land unter der derzeitigen Führung ein hohes Investitionsrisiko darstelle.

Im Jahr 2024 belief sich Chinas Gesamthandel mit den sechs Ländern des Golfkooperationsrats, darunter Saudi-Arabien und den Vereinigten Emiraten, laut einem Bericht des in London ansässigen Thinktanks Asia House auf rund 217 Milliarden Euro. Der Handel Chinas mit dem Iran, der kein Mitglied des Rates ist, belief sich nach Angaben der chinesischen Regierung auf weniger als 14 Milliarden US-Dollar.

"China möchte zwar, dass die Region stabil bleibt, um seine weitreichenden wirtschaftlichen und energiepolitischen Interessen zu schützen. Es ist unwahrscheinlich, dass es sich besonders dafür einsetzt, die Regierung im Iran selbst zu verteidigen", sagt Azizi.

Warum Russland das Regime im Iran stützt

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CRINK-Staaten als Bündnis gegen den Westen

In den USA wird die Partnerschaft zwischen dem Iran und China oft als Teil einer sogenannten "Achse des Umbruchs" bezeichnet. Der Begriff bezieht sich auf die zunehmende strategische, militärische und wirtschaftliche Annäherung zwischen China, Russland, Iran und Nordkorea, auch als CRINK bekannt, die darauf abzielt, die von den USA geführte Weltordnung in Frage zu stellen.

Diese Annäherung lässt auch in Europa die Alarmglocken schellen. "Es ist unbestreitbar", sagte NATO-Generalsekretär Mark Rutte am 26. Januar im Europäischen Parlament, "dass sich Russland, China, Nordkorea und der Iran derzeit immer stärker annähern." Allerdings sei die Partnerschaft "noch nicht gut strukturiert". Aber die Länder seien zunehmend bereit, den Einfluss des Westens herauszufordern.

In der US-amerikanischen Politik hat diese Sichtweise zu der Vorstellung geführt, dass eine Schwächung des Iran dazu beitragen könnte, Chinas Macht einzudämmen. Laut Azizi hat diese Denkweise zu einer konfrontativeren Haltung gegenüber Teheran beigetragen. "Aber in Wahrheit braucht der Iran China mehr als umgekehrt", sagt Azizi. "Es ist falsch zu glauben, dass Druck auf Teheran China schaden würde. Eine Überschätzung der Bedeutung dieser Allianz wäre sowohl für die iranische Regierung als auch für die USA eine Fehleinschätzung."

Aus dem Englischen adaptiert von Dang Yuan

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