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BildungChina

China und Russland wollen Wissenstransfer fördern

Mu Cui | Marina Jung
29. Mai 2026

Russland und China haben für 2026 und 2027 die Initiative "Gemeinsame Bildungsjahre" ins Leben gerufen: Sprachkurse, Jugendbegegnung, Auslandsstudium. Doch die Partnerschaft sei nicht stabil, glauben Experten.

China Shenzhen 2018 | Tag der offenen Tür an der Shenzhen MSU-BIT Universität
(Archiv) Die chinesisch-russische Universität MSU-BIT im südchinesischen ShenzhenBild: Blanches/HPIC/dpa/picture alliance

"Die Anzahl internationaler Promotionsstudierender an russischen Universitäten nimmt stetig zu. Die meisten davon kommen aus China", berichteten russische Medien, während ihr Präsident Wladimir Putin letzte Woche Peking besuchte. Auch bei Fachveröffentlichungen soll China zusammen mit Russland die Spitzenposition belegen.

Grund genug, dass China und Russland in den kommenden zwei Jahren ihre gemeinsamen Forschungsaktivitäten und Bildungszusammenarbeit ausbauen wollen. Letzte Woche hatten Putin und sein chinesischer Amtskollege Xi Jinping den offiziellen Startschuss für die gemeinsamen Bildungsjahre 2026 und 2027 gegeben. Die Initiative beinhaltet mehr Jugendaustausch, Auslandsaufenthalte für Studierende, Sprachkurse sowie gemeinsame universitäre Forschung.

Xi und Putin (l.) gaben im Mai 2026 den Startschuss für die "Gemeinsamen Bildungsjahre"Bild: Maxim Shemetov/REUTERS/AP Photo/picture alliance

Aber die russische Statistik täuscht. "Der Anteil russischer wissenschaftlicher Publikationen mit China ist seit 2023 höher als der mit den USA oder Deutschland", sagt Volker Stanzel, Gastwissenschaftler der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). "Aber die absolute Zahl sinkt. Russland publiziert in der Gesamtzahl insgesamt weniger."

Auch existiere berechtigte Skepsis über die wissenschaftliche Qualität chinesisch-russischer Forschung. "Oftmals wird das politische Prestige über die wissenschaftliche Qualität gestellt", so Stanzel weiter, der auch deutscher Botschafter in Japan und China war.

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Publikation = Spitzenforschung?

"Ich kann die Qualität der gemeinsamen Studien nicht beurteilen", sagt Aleksei Chigadaev. Der russische Sinologe promoviert derzeit an der Freien Universität Berlin und forscht für die Denkfabrik New Eurasian Strategies Center in London und Washington. "Möglicherweise wird einfach nur um des Publizierens willen veröffentlicht. Es gibt genug unseriöse Wissenschaftszeitschriften in China. Diese gelten in Russland als ausländische Publikationen. Daher ist eine Veröffentlichung in einer solchen chinesischen Zeitschrift immer noch besser als gar keine Veröffentlichung."

Russische und chinesische Wissenschaftler forschen zusammen am häufigsten in den Naturwissenschaften. Moskau gibt an, dass China und Russland zu den wenigen Ländern gehörten, die gemeinsame Grundlagen- und anwendungsorientierte Forschung in den vielen technischen Bereichen wie Kernfusion und Lasertechnologie betreiben.

(Archiv) Campus von MSU-BIT (oben) mit dem Campus der Chinese University of Hongkong (unten) im Shenzhener Bezirk LonggangBild: Mao Siqian/Xinhua/picture alliance

Schon 2014 wurde die erste gemeinsame Universität mit dem Beijing Institute of Technology (BIT) und der Moskauer Staatlichen Universität (MSU) gegründet.  An der BIT-MSU in der südchinesischen Metropole Shenzhen (Artikelbild) wird in Chinesisch, Russisch und Englisch unterrichtet. Ihr Schwerpunkt der Forschung und Lehre liegt in den naturwissenschaftlichen Fächern. Aber diese Uni belegt in keinem der relevanten Hochschulranking einen Spitzenplatz, so die Außenstelle des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) in Peking.

Nach den Uni-Angaben arbeite die BIT-MSU mit 50 internationalen Forschungspartnern zusammen. Die meisten von ihnen kommen aus Belarus und Usbekistan. Auch die deutsche Universität Bayreuth im Freistaat Bayern hatte zeitweise gemeinsame Projekte mit BIT-MSU. Diese Zusammenarbeit sei nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs eingestellt worden, sagt die Uni Bayreuth auf DW-Nachfrage.

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Zwischen China und Russland gebe es genug Forschungs- und Bildungsinitiativen, sagt Sinologe Chigadaev. "Das Problem ist, dass sie nicht funktionieren. Es gibt zum Beispiel keine einzige Zusammenarbeit mit einer großen chinesischen Eliteuniversität." Vielleicht folge sie dem Besuch von Putin im Mai noch, vermutet Chigadaev, der in der deutschen Stadt Leipzig Sinologie studierte.

Russland kehrt Europa den Rücken

Damit löst China Europa als Russlands Partner im Hochschulwesen ab. Seit der Einführung des sogenannten Bologna-Systems in Europa, das die unübersichtlichen Hochschulsysteme in Europa harmonisierte, hatte auch Russland 2003 freiwillig das Modell übernommen. Nach 2022 hatte sich Moskau aber schrittweise vom Bologna-Prozess verabschiedet. Anfang 2026 stellte der DAAD, der den internationalen Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern fördert, seine Aktivitäten in Russland ein, nachdem ihn die russischen Behörden als "unerwünschte Organisation" eingestuft hatten, genau wie die Deutsche Welle.

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Für viele Studierende in Russland, die sich nach ihrem Bachelor- oder Masterabschluss international orientieren wollen, wäre China eine gute Option. Laut Experten sind russische Studierende und Wissenschaftler insgesamt an China interessiert, da die meisten europäischen und amerikanischen Hochschulen nach dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs ihre Studien- und Stipendienprogramme eingefroren hatten. Sie fürchten nämlich, dass sie durch solche Kooperationen "indirekt die russische Kriegsführung unterstützen", erklärt SWP-Experte Stanzel.

Russland, der "Juniorpartner"

Nun stimme die politische Chemie zwischen Peking und Moskau. Beide Länder lehnten die westliche Dominanz in der internationalen Ordnung ab, sagt Stanzel. Doch diese Allianz habe auch ihre Schwächen. Dazu würden historisches Misstrauen, wirtschaftliche Asymmetrie und unterschiedliche strategische Ziele gehören. So wolle China global führen, Russland regional dominieren.

Zuflucht an ausländischen Universitäten

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"Die Kooperation destabilisiert tendenziell die globale Ordnung und könnte zu einer dauerhaften Spaltung in festere westliche und östliche Blöcke führen", sagt der erfahrene Ex-Diplomat Stanzel. "Kurzfristig besteht zwischen China und Russland eine arbeitsfähige Allianz. Sie ist langfristig fraglich, denn die russisch-chinesische Annäherung ist eine Reaktion auf den Druck des Westens, aber keine stabile gleichberechtigte Partnerschaft."

Auch in der gemeinsamen Forschung sei Russland der Juniorpartner. Davon ist Stanzel überzeugt. "China stellt mehr Ressourcen, setzt die Themen und profitiert stärker vom Wissenstransfer. Russland bringt vor allem Rohstoffe, Testmöglichkeiten, zum Beispiel für Militärtechnik, aber keine gleichwertige technologische oder finanzielle Gegenleistung."

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