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PolitikChina

Der Fall Maduro: "Symbolische Verurteilung" aus Peking

7. Januar 2026

Die Führung in China hat die Festnahme des venezolanischen Machthabers Maduro durch die USA scharf kritisiert. Analysten gehen davon aus, dass Pekings Reaktion weitgehend symbolischer Natur sein dürfte.

China Peking 2025 | Außenamtssprecherin Mao Ning kritisiert US-Eingriff in Venezuelas Ölindustrie
Außenamtssprecherin Mao Ning kritisiert US-Eingriff in Venezuelas ÖlindustrieBild: Johannes Neudecker/dpa/picture alliance

Die "gewaltsame Gefangennahme von Maduro gegen seinen Willen" betrachtet Peking nach eigener Aussage mit großer Besorgnis. China sieht die US-Militäraktion offenbar nun als Steilvorlage, sich selbst als verantwortungsbewusste Weltmacht zu präsentieren. Mit dem Einsatz von US-Spezialeinheiten war am 3. Januar der venezolanische Machthaber Nicolás Maduro, der bis dahin durch Wahlbetrug an der Staatsspitze geblieben war, von der Macht entfernt worden.

Wenige Stunden nach der Festnahme erklärte das chinesische Außenministerium, China sei "zutiefst schockiert über die offenkundige Anwendung von Waffengewalt gegen einen souveränen Staat". Der chinesische Außenminister Wang Yi zeigte sich am Sonntag gegenüber seinem pakistanischen Amtskollegen empört: "Wir haben nie geglaubt, dass ein Land als Weltrichter agieren kann" - ohne dabei die USA direkt namentlich zu erwähnen.

Als sich Maduro am Montag vor einem New Yorker Gericht alle Vorwürfe des Drogenterrorismus in der Anklage zurückwies und sich für nicht schuldig erklärte, versprach Peking, den Ländern Lateinamerikas und der Karibik (LAK) in schwierigen Zeiten zur Seite zu stehen.

Für William Yang von der International Crisis Group ist die Zielsetzung klar: "China nutzt die wachsende Ungewissheit in der Region, um die beherrschende Macht der USA in Frage zu stellen". Peking beabsichtige, "seine Einflüsse auf die Länder des Globalen Südens dauerhaft auszubauen."

Peking selbst bezeichnete LAK folglich als "gute Freunde und gute Partner" Chinas. Es sei bereit, mit den LAK-Ländern zusammenzuarbeiten, um "die sich wandelnde internationale Machtordnung mit Solidarität und Koordination zu meistern", sagte Regierungssprecher Lin Jian am Montag.

USA leiten China-Öl um

Dabei spielen wirtschaftliche Aspekte eine zentrale Rolle. So ist China bisher der größte Abnehmer von venezolanischem Erdöl, der größte Investor im Land und auch der größte Gläubiger mit einem Umfang von circa 70 Milliarden US-Dollar an Darlehen. Beide Länder sind auch politisch sehr eng verbündet. 

Wenige Stunden vor seiner Festnahme durch US-Elitensoldaten hatte Maduro noch einen chinesischen Sondergesandten empfangen. Es sei ein sehr "angenehmes" Treffen gewesen, heißt es in der letzten Pressemitteilung Maduros.

Die jüngsten Entwicklungen verschärfen nun den Konflikt der beiden Mächte, die beide um Einfluss in Lateinamerika ringen. Die US-Regierung strebt eine aus ihrer Sicht von feindlichen ausländischen Eingriffen freie Region an, während China sich ​als Entwicklungspartner ​positioniert.

Die haben Präsident Trump zufolge mit Venezuela ein Abkommen über Öllieferungen in die US-Häfen geschlossen. Dabei handele es sich um 30 bis 50 Millionen Barrel ⁠Öl, die Venezuela bislang wegen der US-Sanktionen nicht exportieren konnte. Das Abkommen dürfte die bisherigen Lieferungen an China künftig in die USA umleiten. Diesen Plan von US-Präsident Donald Trump kritisiert Peking folglich scharf.

Öl: Das eigentliche Interesse der USA an Venezuela

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Pekings Protest weitgehend "rhetorisch"

Der "unverschämte Einsatz von Gewalt gegen Venezuela" durch die USA und die Forderung, dass das Land seine Ölressourcen nach dem Prinzip "America First" verwalten solle, verstießen gegen das Völkerrecht und schadeten den Rechten des venezolanischen Volkes, wetterte die Außenamtssprecherin Mao Ning in Peking.

"Das Völkerrecht ist das Letzte, was China interessiert", sagt dagegen Elizabeth Freund Larus, emeritierte Professorin für Politikwissenschaft und Internationale Beziehungen der Universität Mary Washington im US-Bundesstaat Virginia. Denn fragwürdig sei auch das Verhalten Pekings. Als Beispiele nennt sie die militärischen Aktionen im Südchinesischen Meer oder das Schweigen zum russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Auch sie sieht die wirtschaftlichen Interessen als Dreh- und Angelpunkt: "Chinas Kritik an Washington können wir zum Beispiel mit den Sätzen übersetzen: 'Ich will mein Geld zurück!' und 'Liebe USA, dreht den Ölhahn von Venezuela nach China nicht zu!'"

China baut sich einen Hafen in Peru

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Allerdings werde es Peking - bei all den deutlichen Worten - nur bei verbalen Verurteilungen belassen, meint Ryan Hass, Direktor des John L. Thornton China Center an der Brookings Institution. "Es ist unwahrscheinlich, dass Peking über symbolische Äußerungen der Missbilligung hinausgeht." Hass erwartet nicht, dass dieser Vorfall die Beziehungen zwischen den USA und China belasten werde. Für China sei 2026 ein Jahr der Diplomatie, wenn um es das Verhältnis mit den USA geht. So wird US-Präsident Trump im April China besuchen. Und Chinas Präsident Xi Jinping hat auch schon einem Gegenbesuch für 2026 zugesagt.

Legitimiert Trumps Aktion Chinas mögliche Militärpläne gegen Taiwan?

Die chinesischen sozialen Medien verfolgten am Wochenende aufmerksam die Festnahme des venezolanischen Staatschefs. Nationalistische Influencer machen nun in den Foren Stimmung mit der Aussage, dass China analog zur US-Praxis auch den politischen Verantwortlichen auf Taiwan festnehmen könnte. Peking betrachtet das sich selbst verwaltende demokratische Taiwan als eine abtrünnige Provinz und hat ein nationales Gesetz erlassen, auf dessen Grundlage die Wiedervereinigung mit Waffengewalt erzwungen werden kann.

Nun steht die Befürchtung im Raum, dass Trumps Vorgehen in Venezuela dem chinesischen Staatschef Xi Jinping grünes Licht für einen Angriff auf Taiwan geben könnte. "Schon sehr früh wollte China Taiwan erobern. Es wird auch lange nach den US-Interventionen in Venezuela so sein", sagt Larus. "China hat es noch nicht getan, weil China noch kein Erfolg garantiert ist. Aber dieser Tag rückt näher, unabhängig von Trump."

Nach Venezuela: Was hat Donald Trump nun im Blick?

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China baue jetzt kräftig seine wirtschaftlichen und militärischen Fähigkeiten aus, sagt Yang von der Crisis Group. "In den kommenden Wochen und Monaten wir Peking genau beobachten, wie die USA Venezuela umgehen."

Taiwan sieht in der US-Militäraktion in Venezuela dagegen eine wirksame Abschreckung gegen Pekings Aggression. Die USA hätten der Welt gezeigt, dass ihre Streitkräfte und ihre Waffensysteme hoch entwickelt seien, zitierte die Agentur Bloomberg "einen hochrangigen Verteidigungsbeamten aus Taipeh". Chinas Regierungssprecher Lin wiederholte allerdings die altbekannte Sprachregelung: Taiwan sei eine innere Angelegenheit Chinas. "Keine externen Kräfte dürfen sich einzumischen."

Chinas gefährliche Militärmanöver um Taiwan

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Die Situationen in Venezuela und Taiwan seien jedoch kaum vergleichbar, sagt Experte Hass von Brookings Institute. "Venezuela ist ein zerrütteter Staat, der von einem starken Mann autoritär regiert wurde. Taiwan ist dagegen eine lebendige Demokratie", sagt Hass. "China darf seine Ziele in Taiwan nicht einfach durch die Gefangennahme des demokratisch gewählten taiwanesischen Präsidenten erreichen."

Aus dem Englischen adaptiert von Dang Yuan

Yuchen Li Ostasien-Korrespondentin mit Schwerpunkt China und Taiwan
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