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MeinungsfreiheitChina

China verschärft die Kontrolle über Filme im In- und Ausland

Yuchen Li in Taipei
23. November 2025

Unabhängige chinesische Filmfestivals von Wuhan bis New York müssen unvermittelt schließen, weil die Regierung in Peking Druck auf sie ausübt. Wie viele Freiräume bleiben chinesischen Filmschaffenden noch?

Leerer Kinosaal mit roten Sesseln. Auf der Leinwand hängt ein Plakat, das das IndieChina Film Festival ankündigt
Leere Leinwand, leeres Kino: Ein Filmfestival unabhängiger chinesischer Filmemacher in New York wurde abgesagt Bild: Zhu Rikun

Fotos leerer Kinosessel machten in den vergangenen Wochen im Internet die Runde. Zhu Rikun, Kurator des IndieChina Film Festivalsin New York protestierte damit gegen das in seinen Augen harte Vorgehen Chinas gegen unabhängige Filmemacher.

Der Druck, den die chinesische Regierung ausübte, führte am 6. November - nur wenige Tage vor dem geplanten Start - zur Absage des Festivals.

"Ich hatte keine Warnzeichen registriert. In meiner Erklärung zum Festival hatte ich sogar meiner Hoffnung Ausdruck gegeben, dass das Festival bald wieder nach China zurückkehren werde. Ich wollte nicht, dass es zu einem im Exil stattfindenden Ereignis wird", erklärt Zhu gegenüber der DW.

Rückzieher der Filmemacher

Wie er berichtet, begann der Druck mit einem Anruf seines Vaters. Dieser drängte ihn, "nichts zu tun, was dem Land schade". Kurze Zeit später zogen nahezu alle chinesischen Filmemacher ihre Filme zurück; ausländische Gäste wurden von unbekannten Personen drangsaliert.

In China selbst wurde die Wuhan Berlin Film Week unvermittelt abgesagt, was Anlass zu Spekulationen gab, chinesische Behörden hätten auch hier Druck ausgeübt.

Mit Bildern leerer Kinosessel protestierten die Festivalmacher gegen den Druck aus PekingBild: Zhu Rikun

Internationale Menschenrechtsgruppen warnen vor zunehmenden Repressalien durch die chinesische Regierung, sowohl daheim als auch im Ausland.

Die Ereignisse zeigten, dass die chinesische Regierung kontrollieren wolle, "was die Welt über China sieht und erfährt", sagte Yalkun Uluyol, China-Experte bei Human Rights Watch, in einer Presseerklärung.

Rätseln über mögliche Gründe

Zur Absage des Filmfestivals in New York nahm Peking nicht offiziell Stellung. Manche Filme in der Filmliste des Festivals, wie die Dokumentation über die Hongkonger Demokratiebewegung von 2019, "If We Burn", könnten von der chinesischen Regierung als problematisch eingestuft werden.

Doch die meisten der Festivalbeiträge befassten sich nicht mit Politik. Trotzdem sahen sich Regisseure und Regisseurinnen sowie die gesamten Filmteams dem Druck durch die Regierung in Peking ausgesetzt.

Im Gespräch mit der DW äußert sich Zhu wütend und überrascht über die Absetzung des Festivals. Die Gründe dafür könnten jedoch auch persönlich sein, meinte er. "Vermutlich liegt es an mir. Vielleicht bin ich die Art von Person, die ein solches Festival nicht organisieren kann."

Seiner Einschätzung nach könnten seine früheren Werke in den Augen der chinesischen Behörden umstritten sein. So hatte er Aufführungen des berühmten chinesischen Dissidenten und Künstlers Ai Weiwei kuratiert und Regie bei einer Dokumentation über sich selbst geführt, die ihn bei der Befragung durch die Polizei in einem Hotel zeigte.

Freiraum für unabhängige Filmemacher schrumpft

Unabhängige Filmfestivals in China sehen sich seit über einem Jahrzehnt immer größeren Einschränkungen ausgesetzt, sagt Human Rights Watch. 2011 wurde das Documentary Film Festival China (DOChina), eines der wichtigsten unabhängigen Filmfestivals, auf Druck der Regierung abgesagt.

Kampf gegen die Zensur: Im DW-Interview in Taipeh berichtet der Hongkonger Regisseur Kiwi Chow über seine schwierige Zeit in Hongkong Bild: Chia-Chun Yeh/DW

Im den folgenden Jahren fanden bei den drei größten unabhängigen Filmfestivals des Landes Durchsuchungen statt oder sie wurden ganz geschlossen.

Dieses harte Vorgehen nahm 2014 eine weitere Wendung, als die Polizei eine Razzia beim Beijing Independent Film Festival durchführte, Filmsammlungen beschlagnahmte und die Organisatoren festnahm.

Strenge staatliche Zensur

Das Gesetz zur Förderung der chinesischen Filmindustrie verlangt von Filmschaffenden, dass sie Inhalte vermeiden, die "die nationale Einheit" oder die Interessen des Staates beschädigen könnten. Alle Filme müssen der Regierung zur Überprüfung vorgelegt werden. Nicht lizensierte Werke können nicht öffentlich aufgeführt, online verbreitet oder bei Festivals eingereicht werden.

Diese Einschränkungen führten dazu, dass Zhu keine Festivals in China mehr organisiert und in die USA übersiedelte. "In den vergangenen zehn Jahren konnte ich zusehen, wie unabhängige Filme, ob politisch oder kommerziell, in China unterdrückt wurden. Der unabhängige Film in China ist praktisch tot", beklagt er gegenüber der DW.

Das Filmfestival von Wuhan, das in diesem Jahr ebenfalls unerwartet abgesagt wurde, wurde von einer lokalen, inoffiziell agierenden unabhängigen Gruppe von Filmvorführern organisiert und sollte zum vierten Mal stattfinden.

Zwei junge chinesische Filmveranstalter, die sich aus Sicherheitsgründen der DW gegenüber anonym äußerten, machen die Unberechenbarkeit der staatlichen Aufsicht für die unvermutete Absage des Festivals verantwortlich.

Druck aus Peking sorgt für mehr Aufmerksamkeit

Der eine Filmveranstalter arbeitete früher ehrenamtlich in einer Filmvorführgruppe und ist überzeugt, dass unabhängige Festivals in China häufig nur deswegen überleben, weil lokale Behörden sie bewusst ignorieren. "Warum dieses Festival abgesagt wurde, das vorhergehende aber nicht, ist oft nicht durchschaubar. Man sucht nach Gründen, die mit einem selbst zu tun haben", sagt er.

Der andere Filmveranstalter ist ebenfalls Filmkurator und berichtet der DW, unabhängige Filmvorführungen würden von staatlicher Seite unterschiedlich streng beobachtet. Bei einigen der Veranstaltungen in letzter Zeit habe es nur wenig Einmischung gegeben.

Trotz der jüngsten Enttäuschung mit seiner Veranstaltung in New York bleibt Zhu einigermaßen optimistisch. Das harte Vorgehen Pekings habe dem Festival sogar größere Unterstützung beschert, erzählt er der DW.

"In einem gewissem Maße haben wir Raum gewonnen… Viele Menschen wollen wissen, was dahinter steckt. Die Behörden sind so gezwungen, zu ihren Handlungen zu stehen, anstatt völlig unbehelligt agieren zu können."

 Adaptiert aus dem Englischen von Phoenix Hanzo.

Yuchen Li Ostasien-Korrespondentin mit Schwerpunkt China und Taiwan
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