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PolitikAsien

Chinas KI-Offensive fordert USA heraus

De Zheng
21. Juli 2026

Mit Förderung von Open-Source-Modellen und KI in industriellen Prozessen positioniert sich China auf der KI-Messe in Shanghai als Alternative zu den USA. Kann Peking damit den Globalen Süden für sich gewinnen?

China Shanghai 2026 | Besucher erkunden die World Artificial Intelligence Conference
Zahlreiche Besucher auf der KI-Weltkonferenz in ShanghaiBild: Go Nakamura/REUTERS

Humanoide Roboter regeln an Kreuzungen den Verkehr. Roboter-Baristas servieren in den nahe gelegenen Cafés Eiskaffee. Die Weltkonferenz für Künstlichen Intelligenz hat ihren Austragungsort, die ostchinesische Metropole Shanghai, zu einer "KI-Erlebniszone" gemacht, berichtet die amtliche Agentur Xinhua.

Dieses Selbstbewusstsein seines Landes präsentierte Staatspräsident Xi Jinping auch in seiner Eröffnungsrede am vergangenen Freitag (17.7.26). Obwohl Xi die USA nicht namentlich erwähnte, war Pekings Bestreben unverkennbar: Sich als Verfechter einer neuen KI-Ordnung zu positionieren, die die Vorherrschaft der USA in Frage stellt.

Chinas Staatspräsident Xi Jinping auf der KI-Weltkonferenz Bild: Ng Han Guan/REUTERS

Künstliche Intelligenz sei zu einer der politischen Prioritäten Pekings geworden, sagt Rogier Creemers, Juniorprofessor an der holländischen Universität Leiden mit Schwerpunkt Industriepolitik Chinas, der an der KI-Konferenz in Shanghai teilnahm. "China beabsichtigt, durch die Förderung von Open-Source-KI-Modellen und die KI-gestützte Industrialisierung mit den Vereinigten Staaten zu konkurrieren. Das Land hofft, für diese Bemühungen die Unterstützung von Ländern des Globalen Südens zu gewinnen", so Creemers im DW-Interview.

Rückstand verringern

Bisher haben die US-Firmen noch in vielen KI-Teilbereichen die Nase vor. Aber China gelang es in den letzten Jahren aufzuholen. Besonders erfolgreich sind die chinesischen Wettbewerber beim Einsatz in industriellen Prozessen.

"Chinesische Entwickler von KI-Modellen können jetzt mit den führenden westlichen Akteuren Schritt halten", sagt Paul Triolo, Senior Vice President für China und Leiter der Technologiepolitik der US-Beratungsgesellschaft DGA-Albright Stonebridge Group (DGA-ASG). Diese Firmen nutzten zudem Techniken, um die Modellleistung zu verbessern. 

Humanoider Fußballroboter auf der WAIC, der den Ausgang der FIFA-Weltmeisterschaft nicht voraussagen konnteBild: China News Service/VCG/IMAGO

Das Zauberwort in China heiße "KI Plus", sagt Triolo. Das ist die Erweiterung der Künstlichen Intelligenz in der industriellen Anwendung. Triolo ist der Ansicht, dass die Einführung von KI in chinesischen Unternehmen möglicherweise schneller voranschreiten könne als in den USA. Als Grund nennt er, dass die Ängste vor KI in der chinesischen Bevölkerung weitaus geringer seien als in den USA. Die hohe Akzeptanz der Verbraucher sei eine gute Voraussetzung für die flächendeckende Einführung. 

Anfang dieses Jahres hieß es in den chinesischen Staatsmedien, die Leistungslücke zwischen chinesischen und US-amerikanischen KI-Modellen sei "weitgehend verschwunden". Mehrere internationale Experten stimmten dieser Einschätzung weitgehend zu und erklärten, dass sich die Lücke bei bestimmten Benchmark-Tests tatsächlich verringert oder sogar geschlossen habe.

Triolo merkt an, dass chinesische Modelle für die meisten Anwendungen kostengünstiger im Betrieb seien und die Ausführung für die meisten Aufgaben völlig ausreichen würden. Fortgeschrittene US-Modelle wie Anthropic, OpenAI und Google böten nach wie vor gewisse Vorteile hinsichtlich der Sicherheit und Skalierbarkeit.

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Funktioniert noch die US-"KI-Firewall"?

Die USA scheint sich derweil zu rüsten: Im Jahr 2025 erweiterte das US-Handelsministerium die Anforderungen für Exportlizenzen von Cloud-Computing-Diensten. Im selben Jahr verschärfte Washington die Einschränkung für chinesische Studierende in den technischen Fachrichtungen und widerrief eine Vielzahl von Studentenvisa. Gleichzeitig verstärkten die Vereinigten Staaten weiterhin die Exportkontrollen für fortschrittliche Chips und Halbleiterfertigungsanlagen, die für China bestimmt waren.

Weltweit übt Washington seit Jahren Druck auf den niederländischen Chip-Ausrüstungshersteller ASML aus, um den Export fortschrittlicher Lithografie-Geräte nach China unmöglich zu machen. Das sind hochpräzise Geräte, die für die Chipproduktion unentbehrlich sind.

(Archiv) ASML-Produktion in Berlin Bild: Ruffer/Caro/picture alliance

Diese staatlichen Kontrollen durch die USA hätten tatsächlich Auswirkungen auf Chinas Fähigkeit, im eigenen Land in großen Mengen und kosteneffizient Chips herzustellen, sagt Laila Khawaja, Forschungsdirektorin der Hongkonger Denkfabrik Gavekal Research, im DW-Interview. "Was jedoch die hochentwickelte KI-Chips angeht, sind diese Maßnahmen nur bis zu einem gewissen Grad wirksam, da es einen erheblichen Zustrom von Chips über den 'Grauen Kanal' nach China gibt."  Der so genannte graue Kanal ist der Transithandel über Drittländer.

Die US-Strategie, die Fähigkeit chinesischer Unternehmen zur Entwicklung fortschrittlicher KI-Fähigkeiten zu bremsen, sei auf vielen Ebenen gescheitert, glaubt Experte Triolo. Zudem habe diese Kontrolle zu massiven Kollateralschäden für die US-amerikanischen Unternehmen geführt. So hat China als Vergeltung auf das US-Exportverbot die Ausfuhr kritischer Rohstoffe wie der Seltenen Erden eingeschränkt. China ist der größte Produzent dieser wichtigen Rohstoffe für die Industrie- und Hightech-Unternehmen. 

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Chinas KI-Narrativ: Open Source und Inklusivität

In seiner Grundsatzrede betonte Xi die Bedeutung der "Open-Source-Entwicklung". China wolle "keine technologischen Blockaden" anstreben. Analysten zufolge nutzt Peking "Open Source" und "inklusive KI" für seine Positionierung in der öffentlichen Darstellung, um dem weitgehend auf geschlossenen Source basierenden KI-Ökosystem der USA entgegenzuwirken.

Chinesische Modelle sind größtenteils offen in Bezug auf Modellgewichte. Führende chinesische Modelle wie DeepSeek ermöglichen es den Nutzern, die Modelle kostenfrei herunterzuladen, sie einzusetzen, zu modifizieren und zu vermarkten.  Creemers sagte, dass diese KI-Modelle derzeit zwar hinsichtlich der Gewichte recht offen seien, in Bezug auf den Quellcode jedoch etwas weniger. Die Quellcodes sind für die Programmierung das Grundlagenkonstrukt.

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Laut Creemers hofft China, den Rest der Welt dazu zu bewegen, chinesische KI-Modelle zu übernehmen, um so Auslandsmärkte für chinesische Technologie zu erschließen. Damit könne China die nächste technologische Revolution dominieren. Allerdings mangele es den chinesischen Lösungen in den Industrienationen an Vertrauen, sagt Creemers. "Aber wir müssen verstehen, dass wir nun zum ersten Mal in der modernen Geschichte mit einer nicht-westlichen technologischen Supermacht konfrontiert sind."

Aus dem Englischen adaptiert von Dang Yuan

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