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Chinas Weltraum-Flugzeugträger: Superwaffe oder Propaganda?

21. Januar 2026

China inszeniert mit "Luanniao" einen fliegenden Weltraum-Flugzeugträger als neue Superwaffe. Experten sehen darin eher Science-Fiction und psychologische Kriegsführung als ein realistisches Rüstungsprojekt bis 2040.​

China Staats-TV | Computersimulation des geplanten Weltraum-Flugzeugträgers Luanniao
Erinnert an Star Wars: Chinas Staats-TV zeigt eine Computersimulation des geplanten Weltraum-Flugzeugträgers "Luanniao", der in der Masse alle irdischen Träger übertreffen würdeBild: CCTV

Ein fliegender Flugzeugträger, größer als jedes heutige Kriegsschiff und schwerer als ein Supertanker: Chinas "Luanniao" soll als Weltraum-Superwaffe den Krieg der Zukunft prägen - doch Fachleute sehen darin vor allem Hightech-Theater mit politischer Botschaft.

Griff nach den Sternen: Chinas "Himmlisches Tor"

China plant ein integriertes Luft‑ und Weltraum‑Verteidigungssystem namens "Nantianmen" ("Himmlisches Tor"). Herzstück ist der fliegende Träger "Luanniao", 242 Meter lang, 684 Meter breit und mit angeblich bis zu 120.000 Tonnen Startgewicht beeindruckend schwer. Von Bord aus sollen unbemannte Raumjäger - sogenannte "Xuannü" - Hyperschallraketen starten und Ziele in Atmosphäre und Orbit angreifen.

"China steht im Weltraum längst auf Platz zwei - hinter den USA, aber deutlich vor Europa", sagt die Weltraumsicherheits-Expertin Juliana Süß von der deutschen Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) gegenüber der DW. Peking habe "extrem viel Geld investiert", der Weltraum nehme in der Führung eine klare Prestige-Rolle ein und sei "äußerst wichtig für die militärischen Fähigkeiten".

Mit seiner Masse würde der geplante Raumträger die größten existierenden Träger um etwa 20 Prozent übertreffen. In der Länge wäre er kürzer, in der Spannweite aber deutlich ausladender als ein klassischer maritimer Flugzeugträger auf See. Der derzeit größte existierende Flugzeugträger, die USS Gerald R. Ford, ist etwa 337 Meter lang und 78 Meter breit. Er wiegt einschließlich Treibstoff, Besatzung und Ausrüstung etwa 100.000 Tonnen.

Ein rund fünfminütiger Beitrag der Militärsendung "Lijian" auf dem chinesischen Staatssender CCTV zeigt den angekündigten Träger als fotorealistisches 3D-Modell, das über der Erde schwebt, Raumjets ausklinkt und im All Waffen abfeuert. Ausschnitte kursieren unter anderem in einem Mitschnitt auf YouTube (mit  der Möglichkeit, englische Untertitel einzublenden).

Technische Hürden im All: Warum Experten den Raumträger bezweifeln 

Technisch liegt das Konzept weit jenseits dessen, was heutige Raketen in den Orbit bringen könnten. Selbst wenn ein modularer Aufbau im Orbit denkbar wäre, bleiben zentrale Probleme ungelöst: Energieversorgung, Antrieb, Kühlung, Schutz vor Weltraumschrott - und vor allem Kosten. Ein 120.000‑Tonnen‑Träger im All wäre deshalb völlig außerhalb jeder realistischen Nutzlastkapazität heutiger Trägersysteme wie  SpaceX' Starship

Der deutsche Diplomat und Weltraum-Analyst Heinrich Kreft hält das Vorhaben "aus heutiger Perspektive für völlig unrealistisch" - und sieht es doch in einer längeren Entwicklungslinie: "Vieles, was vor 20 oder 30 Jahren Science-Fiction war, ist heute real", so Kreft gegenüber der DW. China reihe sich damit in einen Wettlauf ein, den auch Figuren wie Elon Musk oder Jeff Bezos mit Visionen von Mond- und Marsbesiedelung anfeuern.

Abschreckung mit Raumträger-Silhouette

Auch US-nahe Analysen lesen "Luanniao" weniger als Bauplan denn als strategisches Signal. Das Magazin The National Interest titelt: "Beijing Wants You to Believe It's Building Flying Aircraft Carriers". Peking wolle, dass der Rest der Welt an diese Superwaffe glaubt, unabhängig davon, ob sie gebaut wird. Die Vision "verwische die Grenze zwischen Science-Fiction und militärischer Realität" und solle den Westen nervös machen und Ressourcen binden.

Für den Weltraum-Analysten Kreft wirkt die Ankündigung wie eine gezielte Nachricht im Machtpoker mit den USA - im Schatten des Konflikts um Taiwan. "Das klingt in meinen Ohren so, als ob China gerade mit Blick auf Taiwan etwas in die Welt gesetzt hat, um eine Duftmarke zu hinterlassen", sagt er.

Er verweist auf eine Serie spektakulärer chinesischer "Superwaffen"-Ankündigungen - von der angeblich ultimativen U‑Boot-Jagdwaffe bis hin zu weltraumgestützten Systemen - die westliche Experten regelmäßig als "unrealistisch" einstufen, die aber klar als Teil einer Drohkulisse gedacht sind.

Chinas gefährliche Militärmanöver um Taiwan

03:12

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Antwort auf die USA: Was "Luanniao" mit dem Wettrennen im All zu tun hat 

SWP-Expertin Süß ordnet das Projekt sicherheitspolitisch ein: Sie schaue "eher mit einer Abschreckungsbrille" auf solche Vorhaben - es gehe darum, "Stärke zu zeigen und Macht über verschiedene Dimensionen hinweg zu projizieren".

Zugleich interpretiert sie die Präsentation als Antwort auf US-Raketenabwehrpläne im All: Der von Trump geplante "Golden Dome" soll die USA mit einem mehrschichtigen Netz aus Boden- und See-Abfangraketen, Radarsystemen und womöglich weltraumgestützten Abfangsystemen vor allen Arten von Flugkörpern schützen - ein Projekt, das selbst als technisch extrem ehrgeizig und strategisch heikel gilt.

Weltraumwaffen könnten das bisherige Kräfteverhältnis radikal verändern: Simulation eines Satellits, der eine Weltraumwaffe auf ein Ziel auf der Erdoberfläche abfeuert Bild: Marc Ward/Stocktrek Images/IMAGO

Entscheidend sei für eine überzeugenden Abschreckung aber vor allem Glaubwürdigkeit, betont Süß: "Inwieweit ein so ambitioniertes und übergroßes Projekt wie dieser Weltraumträger tatsächlich glaubwürdig ist, ist noch einmal eine ganz andere Frage."

Genau in dieser Grauzone entfaltet "Luanniao" seine Wirkung - als überdimensionierte Drohkulisse, die schon politisch nützt, lange bevor irgendwo Metall verbaut wird. Kreft nennt das Projekt "Humbug, psychologische Kriegsführung" - und warnt zugleich, sich davon nicht täuschen zu lassen: China arbeite "an allen möglichen zukünftigen Projekten und Waffensystemen, die denkbar sind", etwa im Laserbereich, wo Peking "weiter zu sein scheint als jeder andere".

Alexander Freund Wissenschaftsredakteur mit Fokus auf Archäologie, Geschichte und Gesundheit