COP30: Wo bleibt der Ausweg aus der Klimakrise?
22. November 2025
Statt eines allgemeingültigen Fahrplans zur Abkehr von fossilen Energien, gab es eine "Initiative für ambitioniertere Staaten". Diese freiwillige Roadmap kündigte der brasilianische COP30-Präsident André Corrêa do Lago an.
Brasiliens überraschende Ankündigung erfolgte, nachdem das Konferenzplenum den übergreifenden Beschlusstext abgesegnet hatte. Dieser enthält entgegen der Forderungen der EU keinen Fahrplan für einen Ausstieg aus den Fossilen.
Monterrey: "Keine Neutralität, sondern Mittäterschaft"
"Nichts. Null. Stille. Eine Wald-COP ohne Verpflichtungen zum Schutz der Wälder ist ein sehr schlechter Witz. Eine Klimaschutzentscheidung, die nicht einmal das Wort 'fossile Brennstoffe' in den Mund nimmt, ist keine Neutralität, sondern Mittäterschaft. Und was hier geschieht, geht über Inkompetenz hinaus," schäumte der Chef der Delegation Panamas, Juan Carlos Monterrey über die Entscheidung.
Bundesumweltminister Carsten Schneider zeigte sich ebenfalls enttäuscht. "Nach der Rede von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hätte ich mir deutlich mehr gewünscht," sagte er gegenüber der DW. Brasiliens Präsident hatte einen Fahrplan als oberste Priorität ausgegeben.
Mehr als 80 Länder – darunter Kolumbien, die EU, Deutschland und Kenia – hatten während der Verhandlungen immer wieder darauf gedrungen, dass ein Abkommen in Belém maßgeblich von einem konkreten Aktionsplan abhänge. Dieser sollte vorsehen, wie das vor zwei Jahren in Dubai bei der COP28 gegebene Versprechen sich von Kohle, Öl und Gas zu verabschieden, eingelöst werden könnte.
Widerstand der "Petro-Industrie"
Doch in dem achtseitigen Beschlusstext, der nach einer weiteren Verhandlungsnacht und rund 20 Stunden nach dem eigentlich geplanten Ende der COP30 veröffentlicht wurde, tauchte das Wort "fossile Energien" nicht auf.
Gegen einen Fahrplan zur Abkehr von fossilen Energien hatten sich insbesondere Ölstaaten wie Saudi-Arabien und der Iran gestellt. Aber auch China, Russland, Tansania und der Senegal wollten nicht mitziehen.
"Wir waren mit einer sehr stark auftretenden Petro-Industrie konfrontiert," so Bundesumweltminister Schneider. Diese hätten sich gegen jeden Fortschritt in dem Bereich ausgesprochen."
COP-Präsident Corrêa do Lago ging auf die Kritik der EU ein. "Wir wissen, dass manche unter Ihnen größere Ambitionen hatten", erklärte er zum Abschluss. Deswegen initiiere Brasilien als Ausrichterland einen Fahrplan zur Abkehr von Kohle, Öl und Gas auf freiwilliger Basis. Auch ein freiwilliger Plan zur Bekämpfung der Waldzerstörung werde aufgelegt.
Erfolg gab es hingegen bei der Klimafinanzierung. Hierbei setzten sich Entwicklungsländer mit ihrer Forderung nach mehr Mitteln für die Anpassung an die Folgen der Erderwärmung durch.
Mehr Geld für Anpassung an Klimawandel
Nach dem Konferenz-Beschluss sollen die Hilfen bis 2035 mindestens verdreifacht werden. Die Zielmarke sind damit jährlich 120 Milliarden Dollar (104 Milliarden Euro).
Diese Summe liegt immer noch weit unterhalb der Berechnungen des UN-Umweltprogramms (Unep). Danach benötigen die Entwicklungsländer, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sind, bis 2035 jährlich etwa 310 Milliarden Dollar (266 Milliarden Euro).
"Wir können keine Investitionen tätigen und keine Bauvorhaben durchführen, ohne zu berücksichtigen, ob diese an die sich erwärmende Welt angepasst sind, und ob sie sich an noch schlimmere Szenarien anpassen lassen", erklärte Natalie Unterstell, Präsidentin des brasilianischen Thinktanks für Klimapolitik Talanoa Institute, gegenüber der DW.
Bereits zu Beginn der COP hatte Brasilien die Gründung eines neuen Fonds verkündet - "Tropical Forests Forever Facility" (TFFF). Mit der Initiative sollen 125 Milliarden US-Dollar zum Schutz tropischer Wälder eingesammelt werden.
Brasilien, Indonesien und Deutschland sagten jeweils eine Milliarde Euro (1,15 Milliarden US-Dollar) zu, während Norwegen rund drei Milliarden Euro versprach. Auch Portugal, Frankreich, die Niederlande und andere Länder gaben Zusagen.
Merz löst Welle der Empörung aus
Brasilien kündigte zudem die Ausweisung von zehn neuen indigenen Territorien an – eine Reaktion auf die Proteste für mehr politische Vertretung und Landrechte während der COP30. Die Entscheidung markiert den ersten Schritt zur offiziellen Anerkennung dieser Gebiete, die anschließend per Präsidialdekret bestätigt werden müssen.
Die zweiwöchigen Marathonverhandlungen in Belém waren von Protesten indigener Gruppen geprägt. Einen Tag vor dem Abschluss der COP brach zudem Feuer in einem Teil des Konferenzzentrums aus. Dies erforderte die Evakuierung der Teilnehmer und verzögerte die ohnehin schon schleppenden Gespräche zusätzlich.
Und auch sonst schien die Klimakonferenz unter keinem guten Stern zu stehen: Der größte CO2-Emittent, die USA, fehlte, und Deutschlands Bundeskanzler Merz kritisierte den Austragungsort aus der Ferne und löste damit in Brasilien eine Welle der Empörung aus.
Zehn Jahre nach dem historischen Pariser Abkommen, das die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 °C als globale Leitplanke festschrieb, führte die COP30 eimal mehr vor Augen, wie weit die Welt davon entfernt ist. Mit dem Abschluss des Gipfels in Brasilien richtet sich der Blick nun auf die Türkei, wo die COP31 im kommenden Jahr in Antalya ausgerichtet wird.