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Politik

Corona Aktuell: Ausgangssperre in Italien

4. November 2020

Die Regierung in Rom hat die Maßnahmen gegen Corona erneut verschärft. Auch andere Staaten justieren nach und wollen so die zweite Welle brechen. Dänemark will wegen einer Mutation des Virus alle Nerze töten.

Italien Rom | Proteste Corona-Maßnahmen | Massimiliano Rosolino
Protest in Rom gegen die Schließung von SportstättenBild: Andreas Solaro/AFP/Getty Images

Italiens Regierungschef Giuseppe Conte hat nach Medienberichten ein Dekret mit neuen Restriktionen im Kampf gegen die Corona-Pandemie unterzeichnet. Demnach gilt im ganzen Land eine nächtliche Ausgangssperre von 22.00 Uhr bis 5.00 Uhr morgens. Ausnahmen gibt es etwa für den Weg zur Arbeit oder zum Arzt. Außerdem werden alle Museen des Landes geschlossen. Einkaufszentren müssen am Wochenende geschlossen bleiben.

In Hochrisikozonen sind noch schärfere Maßnahmen vorgesehen. Viele Läden dürfen dort nicht mehr öffnen, zudem gelten Reiseverbote. Bislang ist unklar, welche Regionen zu dieser Gruppe zählen. Mit der Einteilung in drei Risikozonen will die Regierung gezielter auf regionale Unterschiede bei der Pandemie-Entwicklung eingehen.

28.000 Neuinfektionen in Italien

Im Oktober wurden bereits in einigen Regionen Ausgangssperren und eine nächtliche Sperrstunde für Bars und Restaurants ab 18.00 Uhr verhängt. Zuletzt hatte es in mehrere Städten Proteste gegen die Anordnungen gegeben. Am Rande mehrerer Demonstrationen kam es zu gewaltsamen Ausschreitungen. Italien war zu Beginn der Corona-Krise besonders schwer von dem Virus betroffen. Am Dienstag hatten die Behörden rund 28.000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden registriert. In der Vorwoche waren es teilweise mehr als 30.000 Fälle pro Tag.

Medizinisches Personal im Krankenhaus Papst Johannes XXIII. in BergamoBild: Filippo Venezia/ANSA/picture alliance

Auch in weiten Teilen Portugals ist ein zweiter Lockdown in Kraft getreten. Auf eine strenge Ausgangssperre wird dabei verzichtet. Es wird den Bürgern nur dringend empfohlen, zu Hause zu bleiben. Arbeitgeber müssen ihren Beschäftigten Home-Office ermöglichen. Anders als während des ersten Lockdowns im Frühjahr bleiben Schulen, Restaurants und Kultureinrichtungen geöffnet. Geschäfte müssen spätestens um 22.00 Uhr schließen.

Verschärfungen schon in Vorbereitung

Die Maßnahmen gelten für 121 der 308 Kommunen des Landes, die gemeinsam rund 70 Prozent der Gesamtbevölkerung stellen. Sie sind zunächst auf zwei Wochen befristet. Die Regierung erwägt allerdings Verschärfungen, darunter eine Ausgangssperre an Wochenenden oder Temperaturkontrollen am Eingang zu öffentlichen Einrichtungen.

Portugals Präsident Rebelo de Sousa bei einer Gedenkzeremonie für COVID-19-Opfer am Montag in LissabonBild: Patricia De Melo Moreira/AFP/Getty Images

Portugal hatte in der vergangenen Woche erstmals die Schwelle von 4000 Neuinfektionen an einem Tag überschritten. Das Land hat ungefähr zehn Millionen Einwohner.

Mutiertes Virus in Nerzen

Dänemark will alle gezüchteten Nerze wegen des Risikos einer auf den Menschen übertragbaren Mutation des Coronavirus töten. Die Behörden hätten eine Mutation des Virus bei Nerzen entdeckt, die auf Menschen übertragen wurde, erläutert Premierministerin Mette Frederiksen. "Das mutierte
Virus in den Nerzen könnte ein Risiko für die Wirksamkeit eines zukünftigen Impfstoffs sein", fügt sie hinzu. In Dänemark, dem weltgrößten Produzenten von Nerzfellen, hatte es trotz Gegenmaßnahmen immer wieder Ausbrüche auf Nerzfarmen gegeben.

Derzeit gibt es in Dänemark rund 15 Millionen Nerze - alle sollen aus Corona-Sorge getötet werdenBild: picture-alliance/dpa/VidiPhoto

In den Niederlanden kündigte die Regierung von Ministerpräsident Mark Rutte an, dass Museen, Theater, Kinos, Schwimmbäder und Sexclubs ebenso wie Gemeindezentren und Zoos für zwei Wochen dichtmachen müssen. In der Öffentlichkeit sind nur noch Treffen von maximal zwei Personen erlaubt. Die Behörden rieten zudem von Auslandsreisen bis Mitte Januar ab. "Bleiben Sie so viel wie möglich zu Hause", sagte Rutte. Bereits Mitte Oktober war ein Teil-Lockdown verhängt worden. Bars, Restaurants und Coffeeshops mussten für rund vier Wochen schließen.

Gefahrennotstand in Ungarn

Ungarn hat wegen der Pandemie erneut den Notstand ausgerufen. Die Maßnahmen sind an diesem Mittwoch in Kraft getreten. Es gilt eine nächtliche Ausgangssperre. Gaststätten und Clubs müssen schließen. Theater und Kinos dürfen nur ein Drittel der verfügbaren Plätze vergeben, wie Ministerpräsident Viktor Orban bekanntgab. Der Gefahrennotstand gilt zunächst für 15 Tage. Er kann vom Parlament um weitere 90 Tage verlängert werden. Die Regierung darf nun außerordentliche Maßnahmen per Verordnung erlassen.

Positiv getestet: Ungarns Außenminister Szijjarto (Archivbild)Bild: Attila Kisbenedek/AFP/Getty Images

Ungarns Außenminister Peter Szijjarto wurde derweil auf einer Asienreise positiv auf SARS-CoV-2 getestet. Der Politiker sei bisher symptomfrei und warte in einem Krankenhaus der thailändischen Hauptstadt Bangkok auf seine Heimreise, erklärte ein Ministeriumssprecher. Vor Szijjartos Abreise aus Budapest sei ein Corona-Test bei ihm noch negativ ausgefallen.

In Polen hat die Zahl der Neuinfektionen erstmals die Marke von 24.000 überschritten. Seit Beginn der Pandemie gab es in dem Land mit 38 Millionen Einwohnern knapp 6500 Todesfälle in Verbindung mit COVID-19. Regierungschef Mateusz Morawiecki will noch an diesem Mittwoch über weitere Schritte im Kampf gegen das Virus informieren.

Rund 17.000 Neuinfektionen in Deutschland

In Deutschland meldeten die Gesundheitsämter binnen 24 Stunden 17.214 neue Fälle an das Robert-Koch-Institut (RKI). Die Zahl der Toten, die an oder mit dem Virus starben, stieg um 151 auf insgesamt 10.812. Die Reproduktionszahl, kurz: R-Wert, sank von 1,07 am Vortag auf 0,94. Das bedeutet, dass ein Infizierter knapp einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet das Infektionsgeschehen allerdings mit etwa eineinhalbwöchiger Verzögerung ab. Die Zahl intensivmedizinisch behandelter COVID-19-Fälle hat sich in den vergangenen zwei Wochen von 879 auf 2388 Patienten fast verdreifacht.

In der gesamten Bundesrepublik hatte am Montag ein vierwöchiger Teil-Lockdown begonnen. Während Geschäfte, Schulen und Kitas offenbleiben, müssen Restaurants, Bars, Kneipen, Clubs und Diskotheken schließen. Lediglich der Verkauf von Speisen außer Haus bleibt erlaubt. Freizeit- und Kultureinrichtungen werden weitgehend geschlossen. Friseursalons dürfen dagegen unter strengen Hygieneauflagen nach wie vor Kunden empfangen.

jj/haz (dpa, afp, rtr)

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