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Corona: Deutschland will Kinder impfen

27. Mai 2021

In den USA werden Jugendliche schon gegen das Corona-Virus geimpft, Deutschland will jetzt nachziehen. Das hat ein Impfgipfel von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Länderchefs beschlossen.

Deutschland Coronavirus - Impfgipfel
Impfgipfel im Kanzleramt: Bundeskanzlerin Angela Merkel und Berlins Regierender Bürgermeister Michael MüllerBild: Steffen Kugler/Bundesregierung/dpa/picture alliance

Es war ein vergleichsweise konzentrierter und schneller Corona-Gipfel im Bundeskanzleramt. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der 16 Bundesländer tagten diesmal nicht wie so oft in der Vergangenheit bis tief in die Nacht. Offenbar wollte die Runde nicht noch einmal ein Bild der Uneinigkeit und Handlungsunfähigkeit vermitteln. Im Mittelpunkt stand der Fortschritt beim Impfen in Deutschland. Die Bundeskanzlerin sagte nach dem Treffen: "Es wird mit einer unheimlichen Energie daran gearbeitet, sowohl in den Impfzentren, als auch in den Arztpraxen, die Impfkampagne mit dem höchst möglichen Tempo durchzuführen." Das sei wichtig, so Merkel weiter, "denn wir kämpfen ja, wie wir es zu Jahresanfang nicht absehen konnten, immer wieder gegen neue Mutationen an."

Spezielles Thema des Treffens war der Plan von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), jetzt zügig, möglichst bis Ende August, Kinder und Jugendliche zu impfen. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA wird, davon gehen alle aus, den Impfstoff des Herstellers BioNTech/Pfizer an diesem Freitag für 12- bis 15-Jährige zulassen. Dann muss aber auch noch die nationale "Ständige Impfkommission", kurz Stiko, das Beratergremium der Regierung aus 18 Wissenschaftlern, zustimmen, und die zögert noch damit. Vom 16. Lebensjahr an ist auch jetzt schon eine Impfung möglich.

3,2 Millionen Dosen werden wohl gebraucht

Trotz dieser bestehenden Unklarheiten beschloss die Runde im Kanzleramt jetzt also die Impfung der Kinder, auch wenn Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller noch vor der Treffen gewarnt hatte: "Ich glaube, viele werden heute auch einfordern, dass da Klarheit geschaffen wird, bevor wir mit dem Impfen anfangen." Für letzte Details ist tatsächlich noch etwas Zeit. Vom 7. Juni an soll das Impfen der Heranwachsenden starten.

Genug für alle da? Noch ist Impfstoff MangelwareBild: picture alliance/dpa

Etwas mehr als fünf Millionen Heranwachsende in Deutschland sind nach Angaben der Regierung zwischen zwölf und 18 Jahre alt. Das Gesundheitsministerium rechnet damit, dass deshalb bis Ende August rund 3,2 Millionen Impfdosen für Kinder zwischen 12 und 15 Jahren gebraucht werden. Nicht alle Eltern der Jugendlichen werden das Impfangebot annehmen, die Regierung geht von einer Quote von 60 Prozent an Impfwilligen aus. Und eine Pflicht zur Impfung wird es nicht geben, das haben Merkel und Spahn stets betont.

Impfwirkung und Infektionsverlauf bei Jugendlichen unklar

Bislang argumentieren viele Virologen, es sei noch nicht klar, welche Auswirkungen eine Infektion mit dem Corona-Virus in dieser Altersgruppe habe, und wie schwer mögliche Langzeitfolgen einer Ansteckung sind. Mit anderen Worten: Noch ist offen, ob Jugendliche jetzt wirklich schnell geimpft werden müssen. Oder ob, wie viele Experten sagen, ihr Risiko, ernsthaft nach einer Infektion zu erkranken, eher gering ist. Dennoch einigte sich die Runde darauf, Jugendlichen nun bald ein Angebot zu machen, auch wenn die Impfstoffe insgesamt immer noch knapp sind und zusätzliche Dosen für die Heranwachsenden nicht zur Verfügung stehen.

Auch die Älteren warten: Im Impfzentrum in EssenBild: Ralph Lueger/Imago Images

Brisant ist auch, dass der Hersteller BioNTech ausgerechnet für den Zeitraum dieser möglichen Impfung mit Lieferengpässen rechnet. Zugunsten der Jugendlichen werden andere Bevölkerungsgruppen zurückstehen müssen. Spahn kennt die Probleme, sagte aber auch: "Deshalb werbe ich sehr dafür, das wir zwar über die Probleme reden, aber es muss ein Gipfel der Zuversicht werden."  

Licht am Ende des Corona-Tunnels

Anders als bei den bisherigen Treffen kamen mehrere Ministerpräsidenten persönlich ins Kanzleramt. Bislang hatten die meisten Länderchefs stets per Videoschalte an den oft nervenzehrend langen Verhandlungen teilgenommen. Die größere Präsenz ist auch ein Zeichen der leichten Entspannung in der Corona-Krise in Deutschland. Die Inzidenz, also der Wert, der angibt, wie viele Menschen unter 100.000 Einwohnern in einer Woche infiziert sind, sank am Donnerstag erneut und liegt nun bei 41.

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Über 40 Prozent der Bevölkerung sind mittlerweile mindestens einmal geimpft. Restaurants können zumindest im Außenbereich wieder öffnen, Kulturveranstaltungen sind unter Auflagen wieder möglich, die Deutschen richten sich auf mögliche Urlaubsreisen im Sommer ein. Auch dadurch wächst jetzt der Druck auf die Regierung, für die Jugendlichen mehr zu tun, die nach Ansicht vieler Menschen in der Pandemie oft vergessen worden sind, nicht zur Schule gehen konnten und besonders unter den Kontaktbeschränkungen zu leiden hatten.

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