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Politik

In welchen Ländern Homeoffice Pflicht ist

19. Januar 2021

In Deutschland wird über eine mögliche Homeoffice-Pflicht zur Eindämmung der Coronapandemie debattiert, in manch anderen europäischen Ländern ist diese Regelung längst Realität - mit teils drakonischen Bußgeldern.

Symbolbild Homeoffice
Bild: Imago Images/Cavan Images

"Ich selber darf jetzt vier Tage Homeoffice machen und stehe kurz vor der Kündigung", schreibt ein Twitter-User kürzlich. Andere berichten von uneinsichtigen Chefs und unterschwelligem Druck, trotz Ängsten vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus ins Büro zu kommen. Unter dem Hashtag #MachtBureoszu machen viele seit Wochen ihrem Ärger Luft - und fordern eine gesetzliche Regelung zum Homeoffice. Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des Magazins "Spiegel" spricht sich eine knappe Mehrheit der Deutschen angesichts der Corona-Infektionslage für eine Pflicht aus.

Denn obwohl Grünen-Politiker und Ärztevertreter schon länger mehr Homeoffice fordern, arbeiten viele Menschen weiterhin in ihren Büros. Lediglich 14 Prozent erledigten ihren Job zu Hause, wie die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung herausfand. Zum Vergleich: Im April waren immerhin 27 Prozent im Homeoffice.

Kommt die Homeoffice-Pflicht in Deutschland?

In der Politik steht jetzt eine mögliche Homeoffice-Pflicht auf der Agenda. Das Thema Homeoffice wird auch beim Corona-Gipfel am Dienstag besprochen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier appellierte erst vor wenigen Tagen an die Arbeitnehmer, nicht ins Büro zu gehen, "wenn Sie nicht dringend müssen." Unternehmen, Personalverantwortliche und Führungskräfte sollten dies ermöglichen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ruft Arbeitgeber- und nehmer zu mehr Homeoffice auf Bild: Bernd von Jutrczenka/dpa/picture alliance

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, fordert sogar Bußgelder für Unternehmen, die sich dem Homeoffice versperren. Was für Kritiker dieser Maßnahmen vielleicht übertrieben anmuten mag, ist in anderen europäischen Ländern längst Alltag. Einige Beispiele:

Frankreich geht vor, Belgien zieht nach - mit hohen Bußgeldern 

Bereits seit dem 14. Oktober müssen in Frankreich alle Arbeitnehmer, die zu Hause arbeiten können, dies auch tun. Belgien zog wenige Tage später nach. Bei der neuen Homeoffice-Pflicht ging es weniger um die Ansteckungsgefahr am Arbeitsplatz, sondern vor allem um die Anfahrt in übervollen Bussen und Bahnen. Ausnahmen gelten in Frankreich für Architekten und Ingenieure, die für ihre Arbeit spezifische Geräte brauchen. Sie dürfen einen Teil der Arbeitszeit auch im Büro verbringen. In Belgien gilt die Einschränkung, dass die Betriebsabläufe gewährleistet werden müssen.

Doch trotz dieser Regelungen gingen immer noch zu viele Belgier in ihre Büros. Die Regierung setzt deshalb auf verstärkte Kontrollen in den Unternehmen - auch unangekündigt. Die entsprechenden Bußgelder sind hoch. Die Unternehmen müssen bis zu 48.000 Euro zahlen, wenn sie ihre Mitarbeiter nicht entsprechend der Regelungen ins Homeoffice geschickt haben.

Auch in Schottland und Portugal Pflicht

Auch in Schottland ist das Arbeiten im Homeoffice seit wenigen Tagen verpflichtend. Das Arbeiten zu Hause soll der Standard werden, nicht die Ausnahme. "Unter den aktuellen Regeln brauchen Sie eine ernsthafte Entschuldigung, Ihr Zuhause zu verlassen. ", heißt es in einer Verschärfung der Corona-Maßnahmen der schottischen Regierung, die am Samstag in Kraft getreten ist. Nur wenn Arbeit nicht von zu Hause erledigt werden könne, solle man zur Arbeit fahren.

In Portugal soll seit vergangener Woche Arbeit im Homeoffice, "wo immer sie möglich ist", obligatorisch sein, ohne dass es dafür einer Vereinbarung von Arbeitnehmer und Arbeitgeber bedürfe, so Regierungschef António Costa.

Niederlande: Ein Teil der Unternehmenskultur

Schon vor der Corona-Krise war in den Niederlanden das Arbeiten von zu Hause deutlich üblicher als in Deutschland. 2016 trat das "Gesetz über flexibles Arbeiten" in Kraft. Ein allgemeines Recht auf Homeoffice kann daraus jedoch nicht abgeleitet werden. Denn der Arbeitgeber kann den Wunsch auf Homeoffice auch abschlagen, muss dies aber schriftlich begründen. Einige Parteien wollen das Gesetz deshalb verschärfen.

Trotz der möglichen Ablehnung sind die Homeoffice-Zahlen sehr hoch: Zwischen 45 und 56 Prozent der niederländischen Arbeitnehmer verlagerten laut RTL Nieuws zu Beginn der Pandemie ihren Arbeitsplatz in die Wohnung. Auch im Sommer arbeiteten immerhin 35 Prozent öfter von zu Hause aus.

Homeoffice in Oostkapelle, Niederlande: In Deutschlands Nachbarland ist das schon lange selbstverständlich Bild: Imago Images/photothek/U. Grabowsky

Das hängt laut Experten auch mit der Betriebskultur in vielen niederländischen Unternehmen zusammen: Die Hierachien sind flach, es wird auf Vertrauen statt Kontrolle gesetzt. Zudem ist die Anzahl der Solo-Selbstständigen, die sowieso größtenteils von zu Hause arbeiten, mit gut zwölf Prozent recht hoch.

Die Schweiz: Eine Sache der Auslegung

Auch in der Schweiz ist seit diesem Montag Homeoffice Pflicht. Zumindest bis Ende Februar wird Arbeiten in der eigenen Wohnung zum Muss. Allerdings lässt die Verordnung immer noch Raum für Interpretation. So heißt es, die "Art der Aktivität" müsse dies möglich machen. Und das Arbeiten von zu Hause aus müsse mit "verhältnismässigem Aufwand umsetzbar sein".

Österreich streitet noch

Auch in Österreich wird über eine mögliche Homeoffice-Pflicht debattiert. Oswald Wagner, Vizerektor der Med-Uni Wien, erklärte am Samstag, dort, wo es möglich sei, müsse die Arbeit ins Homeoffice verlagert werden. Eine Verpflichtung hält Gesundheitsminister Rudolf Anschober jedoch für äußerst schwierig.

Insgesamt sind die Österreicher auch eher Homeoffice-Muffel: Laut einer aktuellen Umfrage im Auftrag des österreichischen Nachrichtenmagazins "profil" arbeitet die große Mehrheit der Erwerbstätigen demnach nicht zu Hause. Nur ein Fünftel macht "fast vollständig" Homeoffice. 

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