Cybermobbing belastet Jugendliche: EU startet Abwehrplan
11. Februar 2026
Zum Safer Internet Day am 10. Februar 2026 hat die EU‑Kommission einen neuen Aktionsplan zur Eindämmung von Cybermobbing vorgestellt. Im Mittelpunkt steht der Schutz von jungen Menschen bis 29 Jahren, darunter Menschen mit Behinderungen, LGBTIQ-Personen, Migrantinnen und Migranten sowie Angehörige von Minderheiten.
Aktuelle Daten zeigen, dassjede*r sechste Jugendliche in Europa von Cybermobbing betroffen ist. Jede*r Achte gibt an, selbst daran beteiligt gewesen zu sein. Zahlen, die die Dringlichkeit und Relevanz des Themas unterstreichen.
Cybermobbing ist nicht gleich Cybermobbing
Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht Cyberbullying als zunehmendes Problem. Während klassische Formen des Schulmobbings seit 2018 relativ stabil bleiben, steigt das digitale Mobbing weiter an – "was durch die zunehmende Digitalisierung der Interaktionen junger Menschen noch verstärkt wird und potenziell tiefgreifende Auswirkungen auf das Leben junger Menschen haben kann", so die WHO.
Cybermobbing kann indirekt erfolgen – etwa über Textnachrichten, Sprachnachrichten oder Anrufe – oder öffentlich und halbanonym auf Social-Media-Plattformen, in Gruppen oder Foren. Die Angriffe können sich auch indirekt ereignen, etwa, wenn hinter dem Rücken der Betroffenen Gerüchte, Screenshots oder manipulierte Inhalte verbreitet werden.
Dabei spielt auch die wachsende Verbreitung von Künstlicher Intelligenz (KI) eine Rolle: Sie ermöglicht neue Formen digitaler Übergriffe, etwa sexualisierte Deepfakes, die besonders häufig Mädchen und Frauen betreffen. Solche täuschend echt wirkenden, KI‑erstellten Inhalte sollen mit dem europäischen KI‑Gesetz ab dem dritten Quartal 2026 gezielter verboten werden.
Typische Formen digitaler Übergriffe sind:
- Flaming: Provokationen und Beschimpfungen
- Harassment: wiederholte Beleidigungen, herabwürdigende Nachrichten
- Cyberthreats: Androhung von Gewalt bis hin zu Todesdrohungen
Wie Cybermobbing Körper, Psyche und Alltag zerstört
Im Gegensatz zum analogen Mobbing, wie in der Schule, kennt Mobbing im Internet keine Pause. Angriffe können jederzeit stattfinden – Tag und Nacht.
Die gesundheitlichen Folgen sind mittlerweile gut untersucht. Betroffene entwickeln häufig angst- und stressbedingten Symptome wie Schlafstörungen, Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen, Herzklopfen oder chronische Schmerzen. Dazu kommt ein größeres Risiko für Depressionen und Angstzustände.
Die psychische Belastung wirkt sich außerdem auf die kognitiven Fähigkeiten aus: Konzentrationsprobleme, sinkende Lernmotivation und Leistungsabfall sind typische Folgen bei Jugendlichen, die regelmäßig digitalen Angriffen ausgesetzt sind. Manche greifen zu Alkohol oder Drogen, um die Belastung zu bewältigen. Auch das Suizidrisiko erhöht sich.
Warum viele Mobber zugleich Opfer sind
Interessanterweise zeigen Studien, dass auch Personen, die Cybermobbing betreiben, häufig selbst psychisch belastet sind – etwa durch Impulsivität, emotionale Instabilität oder eigene Mobbingerfahrungen. Viele sind gleichzeitig sowohl Täter als auch Opfer, was die Prävention zusätzlich erschwert.
EU startet Aktionsplan: App und neue Leitlinien gegen Hass im Netz
Der erste Schritt im Ernstfall lautet: Hilfe suchen – bei Lehrkräften, Eltern, Freund*innen oder anderen Vertrauenspersonen. In der Praxis fällt das vielen Betroffenen jedoch schwer: Scham und Angst überwiegen.
Hier soll der neue Aktionsplan der EU‑Kommission ansetzen. Kernstück ist eine EU‑weite App, über die Betroffene niedrigschwellig Cybermobbing melden, Beweise sichern und schnell Unterstützung erhalten können. Die App soll auch auf großen Online-Plattformen verfügbar sein. "Es muss einfacher sein, zu melden, als Menschen online zu mobben", so der für Kinder und Jugend zuständige EU-Kommissar Glenn Micallef. Als Vorbild soll die bereits existierende französische App "3018" dienen.
Zusätzlich will die EU-Kommission die Prävention stärken: Überarbeitete Leitlinien für digitale Bildung und neue Trainingsangebote für Schulen sollen junge Menschen frühzeitig schützen und besser auf Risiken im Netz vorbereiten.
Ziel ist ein sichereres Internet – ein Anliegen, das laut Eurobarometer über 90 Prozent der Europäer*innen für dringend notwendig halten. Je früher Betroffene Unterstützung erhalten, desto eher lassen sich langfristige gesundheitliche Folgen vermeiden.