Daimler mit überstürzter Gewinnwarnung
25. Oktober 2012
Harter Konkurrenzkampf und Absatzprobleme setzen Daimler immer mehr zu und haben den Autobauer zur Korrektur seiner Ziele für 2012 gezwungen. Nach der Gewinnwarnung Ende September für seine Pkw-Sparte schraubten die Schwaben nun auch ihre Vorhersage für den operativen Gewinn des Gesamtkonzerns herab. Vorstandschef Dieter Zetsche kündigte ein rigides Sparprogramm für die Kernmarke Mercedes an.
E-Mail-Panne sorgt für Wirbel
Ursprünglich hätten die Zahlen erst am Donnerstag kurz vor Börsenstart in Deutschland vorgelegt werden sollen. Eine E-Mail-Panne in den USA zwang den Konzern zur früheren Mitteilung. Der Dax-Konzern rechnet jetzt nur noch mit einem operativen Ergebnis von ungefähr 8 Milliarden Euro, was knapp 9 Prozent unter Vorjahresniveau wäre. 2011 waren Daimler aus dem laufenden Geschäft rund 8,75 Milliarden Euro geblieben, was diesmal zunächst wieder das erklärte Ziel war.
Zum Sparvorhaben sagte Zetsche: "Mit diesem Programm bündeln wir bestehende und zusätzliche Effizienzmaßnahmen, um sowohl unsere kurzfristigen Ziele abzusichern als auch unser Geschäftssystem optimal und nachhaltig auszurichten."
Tritt auf die Kostenbremse
Versteckt in einer Präsentation von Finanzvorstand Bodo Uebber für eine Analysten-Konferenz an diesem Donnerstag bezifferte Daimler erstmals das Einsparziel: Bei Mercedes-Benz sollen die Kosten bis Ende 2014 um zwei Milliarden Euro sinken. "Wir streben an, einen Großteil dieses Volumens bereits im Jahr 2013 zu erreichen", führte der Finanzchef aus. Bei Forschung und Entwicklung sowie den Sachinvestitionen will der Autobauer demnach auf die Bremse treten.
Nur noch 4,4 Milliarden Euro soll die Pkw-Sparte 2012 operativ einfahren - nach 5,2 Milliarden Euro im Vorjahr. Unter dem Strich verdiente Daimler im dritten Quartal 11 Prozent weniger und kam auf 1,2 Milliarden Euro. Beim Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) blieben 1,9 Milliarden - minus zwei Prozent. Die Umsätze kletterten um 8 Prozent auf 28,6 Milliarden Euro.
Zetsche hatte bereits Ende September Alarm geschlagen und angekündigt, in der wichtigen Autosparte mit den Marken Mercedes-Benz, Smart und AMG, werde 2012 das Vorjahres-Ebit wohl nicht erreicht werden. Zur Begründung für die Gewinnwarnung beim Gesamtkonzern hieß es nun, die Erweiterung der Pkw-Modellpalette und die "Produktoffensive" bei den Lastwagen seien herausragende Gründe bei den unerwarteten Belastungen.
Gewinn bricht ein
Die Trendwende ist bereits im dritten Quartal offensichtlich: Der Gewinnbringer Mercedes-Benz-Cars steigerte den Umsatz zwar um zehn Prozent auf 15,238 Milliarden Euro. Doch aus dem laufenden Geschäft blieben nur 975 Millionen Euro, was ein Einbruch von 12 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum bedeutet.
Die Daimler-Mitteilungspanne hatte ihren Ursprung in den USA. Dort gelangten die Zahlen versehentlich in den US-Mailverteiler. Es ist das dritte Mal in kurzer Zeit, dass ein großer Konzern derart patzt: Auch beim Internetriesen Google und dem US-Chemiekonzern Dow Chemical waren die Geschäftszahlen zu früh veröffentlicht worden. Problematisch wird dies, wenn noch der reguläre Börsenhandel läuft.
re/mak (rtr, dpa, dapd)