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Musik

Ganz ohne Gage bei der Operngala

Rick Fulker
28. April 2018

Normalerweise lassen sich Opernstars ihren Auftritt gut bezahlen, doch bei der Bonner Gala der AIDS-Stiftung gehen sie leer aus - und das freiwillig. Denn die berühmten Namen stiften ihre Gagen für einen guten Zweck.

Rote Schleife Deutsche Aids-Stiftung
Bild: Deutsche AIDS-Stiftung

Seit 1987 leistet die Deutsche AIDS-Stiftung Aufklärungsarbeit und hilft von der Krankheit betroffenen Menschen im In-und Ausland. Allerdings erhält sie kaum Mittel aus öffentlicher Hand, sondern ist auf Spenden angewiesen. Kunstauktionen und alljährliche Benefiz-Operngalas in Berlin, Düsseldorf und Bonn bringen dringend benötigte zusätzliche finanzielle Mittel in die Kasse. Die Solisten, die am 28. April bei der 7. Bonner Operngala auftreten, sind Künstler von Weltklasse und international sehr gefragt. Dennoch halten sie sich in ihren vollen Terminkalendern den Tag für den kostenlose Auftritt frei. Die DW sprach mit ihnen über ihre Beweggründe.

Die französische Mezzosopranistin Aude ExtremoBild: Studio Ledroit-Perrin

"Des guten Zwecks wegen natürlich", sagt Aude Extremo. "Es ist sehr wichtig und obendrein ein Vergnügen, nach Deutschland zu reisen, neue Leute und einen neuen Dirigenten kennenzulernen und in einem wunderschönen Theater zu singen."

Alles ist mit allem verbunden

"Ich liebe Benefizveranstaltungen wie diese", schwärmt Kartal Karagedik. "Es gehört dazu, zur Menschheit zu gehören. Ich glaube fest daran, dass alles mit allem verbunden ist. Und so wie man ein Teil der Krankheit sein kann, kann man auch ein Teil der Lösung sein. Es ist eine große Ehre, heute dabei zu sein. Als mir das angeboten wurde, habe ich ohne nachzudenken zugesagt. Man kann nur stolz sein, an dieser Benefizveranstaltung beteiligt zu sein." 

Der türkische Bariton Kartal KaragedikBild: Deutsche AIDS-Stiftung

Aufklärungsarbeit steht an erster Stelle

"Wir müssen das tun", findet auch die italienische Mezzosopranistin Anna Bonitatibus. "Ich glaube an der Kraft der Musik, eine Botschaft zu übermitteln, die offensichtlich nicht genügend ankommt. Es geht vor allem um die Prävention von AIDS. Wir müssen immer wieder auf die Gefahr der Krankheit hinweisen, und in der Bekämpfung von Ignoranz können kulturelle Veranstaltungen wie diese eine Wunderwaffe sein.

Es ist ganz seltsam heutzutage: Noch nie hat es so viel Kommunikation gegeben – und dennoch scheint es bei wichtigen Themen einen Kommunikationsmangel zu geben. Denn es geht hier um eine Krankheit, die jeden betreffen kann. Da sind alle gleich, da gibt es keine Zweiklassengesellschaft. Das eigene Gewissen ist gefragt, nicht nur sich, sondern auch andere zu schützen. Deshalb meine ich, dass die Kraft in der Bekämpfung von Unwissen in der Kommunikation steckt. Aufklärung ist angesagt!"

Der deutsche Dirigent Dirk KaftanBild: Thilo Beu

Ein Knochenjob, der auch Spaß macht

"Auch das Bonner Beethoven Orchester spielt hier honorarfrei", sagt Dirk Kaftan, "und zwar, für einen sehr guten Zweck. AIDS ist immer noch unheilbar. Auch wenn die Krankheit in den letzten Jahren etwas in Vergessenheit geraten ist, bleibt sie ein ernstes Thema.

Es ist sehr anregend, wenn man sieht, wie engagiert die Leute hier sind, Geld für die Bekämpfung der Krankheit einzutreiben. Die Höhe des Erlöses ist eine kleine Sensation. Für das Orchester ist es übrigens eine Knochenarbeit. Wir haben für das bunt gemischte Programm wenig Probenzeit, müssen schnell von einem Sänger zum nächsten und von einem Stil zum anderen wechseln. Einige Solisten kommen erst bei der Generalprobe an und singen nur wenig, weil sie am Abend auftreten müssen. So macht es nicht nur Spaß, es ist ein harter Job. Dennoch spielen alle so, als wäre es ein reiner Spaß."

Die amerikanische Sopranistin Heather EngebretsonBild: Deutsche AIDS-Stiftung

Kampf ohne Waffen

"Diese Operngalas für die Deutsche AIDS-Stiftung sind in Künstlerkreisen sehr bekannt, viele meine Freunde haben bereits daran teilgenommen", sagt Heather Engebretson. "Wie viele andere Leute im Kulturbetrieb auch, bin ich Pazifistin. Meiner Meinung nach gibt es so viel, dass wir bekämpfen sollten, ohne auf Waffen zurückzugreifen. Als Gesellschaft müssen wir Krankheiten bekämpfen, die unser Gemeinwesen aushöhlen. Hier, glaube ich, kann ein Künstler einen Beitrag leisten und direkt und unmittelbar Gutes für die Welt bewirken."

2017 kam bei der Bonner Operngala der Rekorderlös von 225.000 Euro zusammen. Man darf gespannt sein, ob das 2018 noch getoppt werden kann.

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