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KunstSudan

Sudanesische Kunst als Weckruf

3. Juli 2023

Im Sudan dauern die Kämpfe an. Eine Ausstellung in Köln will die Aufmerksamkeit auf das nordafrikanische Land lenken. Sie ist auch eine Solidaritätsbekundung.

Vier Gemälde in einer Ausstellung über sudanesische Kunst zeigen bunte Hausansichten.
In Farbe gehüllt: Sudanische Häuser, bevor sie zerstört wurden. Khalid Abdel Rahmans Werke sind Teil der Ausstellung "Das Gold der Großmütter"Bild: Khalid Abdel Rahman

Bunte quadratische Farbtafeln, die Häuser in Sudans Hauptstadt Khartum zeigen - vor ihrer Zerstörung. Poetische Fotografien von Menschen, hier im Gespräch auf Plastikstühlen unter einer Brücke, dort beim Überqueren eines Platzes. Eine Installation, die auf dem Fußboden mit Klebeband den Grundriss eines besetzten Wohnhauses nachzeichnet, während darüber hängende Fotos an das Leben der geflüchteten Bewohner erinnern: Mit ganz unterschiedlichen Bildern, Formen und Motiven verweisen die sieben an der Ausstellung beteiligten Künstlerinnen und Künstler auf die Lage in ihrer sudanesischen Heimat. Titel der Schau: "Das Gold der Großmütter".

Kuratorin Larissa-Diana Fuhrmann vor einem Werk des Fotografen Hashim NasrBild: S. Dege/DW

"Gold", erklärt Kuratorin Larissa-Diana Fuhrmann, "ist im Sudan weit mehr als nur ein wertvolles Edelmetall". Gold gilt in der Kultur des Landes als ein hochaufgeladenes Symbol. Es steht für Familientradition und Identität. Ehemänner schenken ihren Ehefrauen Gold, das diese dann über Generationen weitergeben. "Wenn es heißt, eine Frau hat ihr Gold verkauft", sagt Larissa-Diana Fuhrmann, "dann bedeutet dies, dass ihr Leben einen Tiefpunkt erreicht hat." In der Familie herrscht großes Unglück.

Der Sudan hat sein Gold verkauft

Nun aber hat der gesamte Sudan, worauf der Ausstellungstitel anspielt, sein Gold verkauft: Seit Mitte April sprechen wieder die Waffen in dem in Nordostafrika gelegenen Land. Aus dem Machtkampf rivalisierender Generäle - dem Anführer der paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF), Mohamed Hamdan Daglo, und dem De-facto-Staats- und Armeechef Abdel Fattah al-Burhan - wurde ein Krieg, der den Sudan wie UN-Generalsekretär António Guterres unlängst beklagt hat, "in den Abgrund" zerrt, und das in rasantem Tempo: Nach Angaben der UNO Flüchtlingshilfe sind bereits mehr als 500.000 Menschen in Nachbarländer geflohen, während sich mehr als zwei Millionen Menschen im Land auf der Flucht befänden.

Für die Schau im Kölner Kunstraum "Mouches Volantes" von Ihsan Alisan haben Larissa-Diana Fuhrmann und ihr sudanesischer Ko-Kurator Rahiem Shadad die Werke von sieben zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern des Sudan ausgewählt. Arbeiten von Amna Elhassan, die erst kürzlich mit einer großen Einzelschau in der Frankfurter Schirn-Kunsthalle zu Gast war, sind ebenso ausgestellt wie die von Khalid Adelrahman, Reem Aljeally, Ala Kheir, Hashim Nasr, Waleed Mohammed und Mohammed Ohai. 

Menschen im Café unter einer Brücke auf einer Fotografie von Hashim NasrBild: Hashim Nasr

Manche der Künstlerinnen und Künstler haben hier ihren ersten Auftritt in Deutschland, manche gar in Europa. Die meisten arbeiten mittlerweile vom ägyptischen Kairo oder Alexandria aus, wohin sie vor den kriegerischen Auseinandersetzungen geflohen sind. "Mit der Schau wollen wir die Aufmerksamkeit wieder mehr auf die Lage im Sudan lenken", sagt Larissa-Diana Fuhrmann, "ein Zeichen der Solidarität setzen und die Künstler unterstützen, die im Exil oder noch vor Ort sind." Ein Ziel, das auch die Unterstützer und Geldgeber des Projekts teilen - die Khartoum Downtown Gallery, das - derzeit geschlossene - Goethe-Institut Sudan, das Goethe-Institut im Exil und das Goethe-Institut Bonn.

Schau als Zeichen der Solidarität

"Leider nimmt das mediale Interesse an dem Konflikt bereits wieder ab", warnt Raoul Cyril Humpert vom Bonner Goethe-Institut. Wohl auch deshalb hat die Deutsche Welle ein neues, arabischsprachiges Radioprogramm aus der Taufe gehoben. "Sudan Now" sendet ab sofort täglich 30 Minuten in die Region. "Die Situation der Menschen", sagt Fuhrmann, die selbst mehrere Jahre im Sudan lebte und seit Ausbruch der Kämpfe noch täglich im Kontakt zu Freunden im Land steht, "hat sich dramatisch zugespitzt". Kulturschätze wurden zerstört. Schauplatz brutaler Kämpfe wurde erstmals auch die lange verschonte Hauptstadt Khartum. "Kämpfer der Rapid Support Forces (RSF) dringen in Häuser ein und stehlen das Gold der Bewohner." Sie spricht von einer "neuen Stufe der Gewalt". 

Menschen auf der Flucht: Die Zeichnung eines prall gefüllten Rucksacks von Reem Aljeally bringt die Lage im Sudan auf den Punkt Bild: Reem Aljeally

Eine improvisiert wirkende Bleistiftzeichnung der Künstlerin und Architektin Reem Aljeally, einer Studentin der berühmteren Amna Elhassan fasst die Situation ihres Landes zusammen: Sie zeigt eine Hand, die in einen weit geöffneten Rucksack greift. Er ist angefüllt mit Dingen, die es im Sudan derzeit zum Überleben braucht: Essen, Trinken - und Gold.

Die Ausstellung "Das Gold der Großmütter" läuft vom 30. Juni bis zum 21. Juli 2023 im Kunstraum "Mouches volantes" am Kölner Ebertplatz.

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