Veröffentlicht 23. Mai 2018Zuletzt aktualisiert 28. Januar 2026
Es gibt bislang nur zwei bestätigte Nipah-Fälle im indischen Bundesstaat Westbengalen – und doch lassen Nachbarländer Flughäfen überwachen. Das Virus ist extrem tödlich. Asiens Behörden sind entsprechend nervös.
Quarantäne-Kontrolle am thailändischen Flughafen Suvarnabhumi Bild: Public relations department of Suvarnabhumi International Airport/AP Photo/picture alliance
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Die Gesundheitsbehörden sind alarmiert: Das hochgefährliche Nipah-Virus taucht nur selten auf, kann dann aber mit brutaler Wucht zuschlagen.
Aktuell meldet Indien zwei bestätigte Nipah‑Infektionen im ostindischen Bundesstaat Westbengalen. 196 Kontaktpersonen – vor allem Angehörige und medizinisches Personal – wurden identifiziert, überwacht und getestet. Alle sind ohne Symptome und haben negative Testergebnisse. Die Regierung in Neu‑Delhi betont, dass Spekulationen über höhere Fallzahlen unbegründet sind und das Geschehen bislang auf diese Einzelfälle begrenzt ist.
Trotzdem reagieren Nachbarstaaten nervös: Thailand, Nepal und Taiwan führen an ihren Flughäfen wieder Gesundheitskontrollen für Flugreisende aus Westbengalen ein, Hongkong überprüft ebenfalls Ankommende aus der Region und hat zusätzliche Informationen von den indischen Behörden angefordert.
Für viele erinnert das an die Temperatur‑Scanner und Fragebögen der Corona‑Zeit – diesmal allerdings wegen eines Virus, das sich ganz anders verhält.
Wie wird das Nipah-Virus übertragen?
Ursprünglich kommt das Nipah-Virus in Flughunden (Pteropodidae) vor, nicht in Fledermäusen. Flughunde sind doppelt so groß wie Fledermäuse und orientieren sich mit den Augen, nicht mit Ultraschall.
Wie das Virus von den Flughunden etwa zu Schweinen, Rindern oder auch Menschen übertragen wird, ist noch nicht abschließend geklärt. Es gibt aber Hinweise, dass sich Menschen wie Tiere durch den Kontakt mit dem Speichel und dem Urin von Flughunden infizieren können. Sogar der Genuss von kontaminierten Früchten – etwa solche, von denen Flughunde geknabbert haben, kann zu einer Infektion führen.
Der Nipah-Virus Ausbruch 2018 begann in diesem Brunnen, wo tote Flughunde gefunden wurden. Bild: Getty Images/AFP
Der Ausbruch 2018 in Kerala ging wahrscheinlich auf eine Verseuchung von Trinkwasser zurück: In einem Brunnen, der zum Haus einer betroffenen Familie in Changaroth gehört, waren später tote Flughunde gefunden worden. Zunächst waren zahlreiche Familienmitglieder erkrankt. Später steckten sich dann andere Bekannte der Familie an.
Warum ist das Virus so gefährlich?
Das Nipah-Virus verursacht eine aggressive Hirnentzündung. Die US-Gesundheitsbehörde CDC nennt eine Inkubationszeit von fünf Tagen bis zu zwei Wochen.
Erste Symptome ähneln denen einer Grippe: Fieber, Übelkeit und starke Kopfschmerzen. Bei einigen Patienten kommen Atemprobleme hinzu. Später folgen Orientierungslosigkeit, Schwindel und Verwirrung. Innerhalb von ein bis zwei Tagen können Patienten ins Koma fallen und sterben. Die Sterblichkeitsrate bei einer Nipah-Erkrankung liegt bei 70 Prozent.
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Wie lässt sich eine Erkrankung behandeln?
Es gibt keine Impfung oder Medikamente gegen das Nipah-Virus – weder für Tiere noch für Menschen. Medikamente konnten bisher nur die Symptome lindern.
Grundsätzlich müssen Patienten umgehend isoliert in eine Intensivstation gebracht werden, wo die lebenswichtigen Funktionen unterstützt werden können. Kontaktpersonen oder Verdachtsfälle müssen unter Quarantäne gestellt werden, um die Ausbreitung der Infektionskrankheit zu unterbinden.
Wie die Pest! - Wenn Tiere krank machen
In Arizona haben die Gesundheitsbehörden Pesterreger in Flöhen gefunden. Träger der Infektionskrankheit sind Nagetiere. Aber nicht nur die Pest kann vom Tier auf den Menschen überspringen - Zoonosen gibt es viele.
Bild: CC/BY/äquinoktium
Träger der Pest
In Flöhen sind die Gesundheitsbehörden von zwei Countys in Arizona fündig geworden: Yersinia pestis - der Erreger der Beulenpest. Der Floh kann das Bakterium vom Nagetier auf den Menschen übertragen. Dort müssen die Menschen nun besondere Vorsicht walten lassen: sich von Wildtieren fernhalten und ihre Haustiere mit Medikamenten vor den Parasiten schützen.
Bild: picture-alliance/dpa
Nicht ganz ungewöhnlich
In den USA sind Pestfälle zwar selten, jedes Jahr kommen aber durchschnittlich sieben Infektionen beim Menschen vor. Erst im Juni hatten sich in New Mexico drei Menschen angesteckt. Medizinisch hat die Pest in entwickelten Ländern ihren Schrecken verloren. Mit Antibiotika lässt sie sich gut behandeln. Bleibt sie indes unbehandelt, verläuft sie oft tödlich.
Bild: SGHT
Vorsicht, auch wenn sie niedlich aussehen!
Im Yosemite-Nationalpark waren 2015 zwei Besucher an der Pest erkrankt. Übertragen wurden die Bakterien wahrscheinlich von solchen süßen Streifenhörnchen oder von Eichhörnchen. Mitte August sperrte die Parkbehörde einen Campingplatz, nachdem in zwei toten Eichhörnchen Pesterreger gefunden wurden. Weltweit gibt es jedes Jahr etwa 300 Pestfälle - die meisten in Madagaskar, der DR-Kongo und Peru.
Bild: Hamid Esmaeili
Nicht nur die Pest ist gefährlich
Es gibt viele andere Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden können - sogenannte Zoonosen. Vor allem kleine Kinder, ältere und kranke Menschen und Schwangere sind durch Infektionen mit Viren, Bakterien, Pilzen oder Parasiten gefährdet. Deshalb sollten Haustiere regelmäßig mit den nötigen Medikamenten behandelt werden.
Bild: Fotolia/pitrs
Fieber dank Miezekatze
Katzen und Hunde - die besten Freunde des Menschen - können zum Beispiel das Bakterium "Campylobacter jejuni" übertragen, das Durchfall verursacht. Katzen geben zudem verschiedene Bartonella-Bakterien weiter, die Fieber und Entzündungen hervorrufen können. Und eine Toxoplasmose, ausgelöst durch den Parasiten Toxoplasma gondii, kann bei einer Schwangerschaft zu gefährlichen Komplikationen führen.
Bild: Fotolia/millaf
Infektionsweg über mehrere Tiere
Eine Virusinfektion, die fast nur auf dem Lande vorkommt, sind die Kuhpocken. Mäuse, die auf Kuhweiden leben, nehmen die Viren aus dem Kot der Rinder auf. Dann fressen Katzen die Mäuse und spielen abends mit den Menschen. Setzt es beim Raufen mal einen Kratzer infiziert sich der Mensch.
Bild: picture-alliance/dpa/J. Stratenschulte
Krank durch Kriechtiere
Amphibien und Reptilien dagegen sollen für eine Vielzahl von sporadischen Salmonellen-Infektionen bei ihren Besitzern verantwortlich sein. Rund elf Prozent dieser Infektionen bei Patienten unter 21 Jahren gehen einer Studie zufolge auf Tiere wie Leguane, Echsen, Schlangen oder Frösche zurück.
Bild: picture-alliance/dpa/W. Kumm
Papageienkrankheit
Die Papageienkrankheit ist eine Zoonose, die vor allem für Kinder und geschwächte Personen gefährlich werden kann. Auslöser ist eine Chlamydien-Art. Sie trifft vor allem Papageie, Wellensittiche und Tauben. Der Mensch infiziert sich damit meist über den eingetrockneten Kot der Tiere. Der wird mit dem Staub in der Luft aufgewirbelt.
Bild: Proaves
Krankheiten vorbeugen
Für gesunde Menschen ist das Risiko jedoch gering, solange die Tiere geimpft und entwurmt werden und Hygiene-Regeln beachtet würden, betonen die Forscher. Trotzdem sollte sich jeder nach einer ausgiebigen Streicheleinheit die Hände waschen, oder beim Reinigen von Käfig oder Terrarium Handschuhe tragen.
Bild: picture-alliance/dpa/F. Rumpenhorst
Stechende Gefahr
Aber nicht nur unsere Haustiere sind ansteckend. So kann es zum Beispiel passieren, dass gefährliche Tiere aus den Tropen versehentlich mit Handelswaren, meist auf Schiffen, auch in gemäßigte Zonen gelangen. Die asiatische Tigermücke überträgt beispielsweise das Dengue-Fieber.
Bild: picture alliance/Mary Evans Picture Library
Reineke Fuchs
Bis zum Jahr 2008 gab es sie auch in Deutschland: Tollwut, übertragen vor allem von Füchsen. Durch großangelegte Impfaktionen aber ist diese gefährliche Krankheit ausgerottet. Für Menschen, die sich mit dem Tollwutvirus infiziert hatten, endete die Krankheit tödlich. Deutschland gilt heute als tollwutfrei.
Bild: imago/blickwinkel
Entwarnung
Im Allgemeinen - das betonen die Forscher - überwiegen die positiven Effekte, die die Beziehung zu einem Tier mit sich bringt. So sollen Kleinkinder, die mit einem Hund oder einem Vogel aufwachsen, seltener an Allergien und Atemwegsinfektionen erkranken. Außerdem sorgen Hunde dafür, dass wir uns mehr bewegen - und auch für die Psyche sind unsere tierischen Freunde gut.
Bild: Fotolia/otisthewolf
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Woher stammt das Nipah-Virus?
Das Nipah-Virus wurde erstmals 1998 in dem malaysischen Dorf Sungai Nipah entdeckt. Bei 229 Personen wurde eine fiebrige Enzephalitis sowie zum Teil eine schwere Infektion der Atemwege beobachtet.
Da zunächst überwiegend Männer betroffen waren, die in Schlachthöfen arbeiteten, lag die Vermutung nahe, dass es einen Zusammenhang mit Infektionen bei Tieren gab. Zeitgleich wurde bei Schweinen in Malaysia ein vergleichsweise milder Ausbruch einer fiebrigen Atemwegsinfektion mit unbekanntem Erreger beobachtet.
Später stellte sich heraus, dass sich die Arbeiter und die Schweine mit demselben Erreger infiziert hatten. Vorsorglich wurden in Malaysia mehr als eine Millionen Schweine gekeult, was der Hälfte des gesamten Schweinebestands des Landes entsprach.
Seitdem trat das hochansteckende Virus nur noch sehr vereinzelt auf, etwa 2001 und 2003 in Bangladesch sowie 2018 und 2021 in Kerala.
Droht eine neue Pandemie durch das Nipah-Virus?
Bei einem Virus, an dem drei von vier Betroffene versterben, ist es nicht verwunderlich, dass die zuständigen Behörden alarmiert sind. Noch handelt es sich jedoch um einen lokalen Ausbruch im ländlichen Raum. Solange die Fallzahlen in Westbengalen einstellig bleiben und alle Kontaktpersonen negativ getestet sind, ist eine Ausbreitung des Nipah-Virus in andere Länder und Kontinente unwahrscheinlich – und damit auch eine Pandemie.
Update: Der Beitrag wurde zuletzt am 28.01.2026 grundlegend überarbeitet.