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Der FC Bayern will und muss es richten

Calle Kops (mit sid, dpa)2. Mai 2016

Bayern München und sein Trainer Pep Guardiola stehen nach dem 0:1 bei Atletico Madrid im Halbfinal-Rückspiel der Champions League unter massivem Druck. An diesem Spiel hängt weit mehr, als "nur " das Weiterkommen.

Bayern Münchens Arturo (r.) und Atletico Madrids Stefan Savic (l.) im Kopfball-Duell (Foto: Reuters/M. Dalder)
Bild: Reuters/M. Dalder

Alle beim FC Bayern sind bis in die Haarspitzen motiviert und fokussiert. Das hat bereits das letzte Bundesliga-Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach gezeigt, das letztlich auch wegen der enorm veränderten Startaufstellung "nur" unentschieden ausging. Die fest eingeplante Meisterschaftsfeier musste erst einmal vertagt werden. Nun soll es ein "richtiges Feuerwerk" geben, einen magischen Abend mit viel Herz und voller Leidenschaft - aber auch mit mehr Verstand. "Wir müssen zielstrebig nach vorne spielen, dürfen aber nicht blind nach vorne rennen wie kleine Kinder. Wir müssen kühlen Kopf bewahren", fordert Weltmeister Thomas Müller vor dem Halbfinal-Rückspiel der Münchener am Dienstag (20.45 Uhr MESZ, ab 20:30 Uhr im DW-Liveticker) gegen Atletico Madrid.

Der Torjäger weiß, wovon er spricht, denn der FC Bayern ist gewarnt: Vor zwei Jahren war die Ausgangsposition gegen Real Madrid identisch. Die Münchener hatten das Hinspiel ebenfalls mit 0:1 verloren und liefen beim 0:4 in der Allianz Arena blindlings ins Verderben. Diese Geschichte soll sich gegen Atletico bloß nicht wiederholen, um den Traum vom Finale im Mailänder Stadion San Siro am 28. Mai und den vom Triple am Leben zu erhalten. Man habe aus der Lehrstunde gegen die Königlichen "absolut gelernt, dass wir nicht innerhalb von 15 Minuten das Ergebnis drehen müssen, wir haben 90 Minuten Zeit", mahnte Kapitän Philipp Lahm vor allzu viel Euphorie in der Anfangsphase. Er schaue auf jeden Fall "positiv nach vorne. Es ist noch nicht vorbei".

Thomas Müller fordert: "Vollgas geben"Bild: Getty Images/Bongarts/A. Hassenstein

Vorbei ist es nicht, doch gefährlich ist die Lage für die Bayern allemal. Entsprechend ziehen die Münchener verbal alle Register und sprechen sich Mut für die schwierige Herausforderung zu. "Wir werden Gas geben und einen raushauen", betonte Müller. "Wir werden mit 70.000 Fans im Rücken alles in die Waagschale werfen, das kann ich versprechen. Und ich hoffe, dass uns dieser Kampf nach Mailand führen kann", ergänzte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Natürlich warnte Müller vor einem Gegentor: "Sonst wird es schwierig." Dann müssten die Gastgeber gegen die Defensivkünstler von Trainer Diego Simeone schon drei Treffer erzielen, um zum zehnten Mal ins Endspiel des wichtigsten europäischen Vereinswettbewerbs einzuziehen.

Triumphator oder Unvollendeter?

Der Einzug ins Finale war den Bayern zuletzt in der Triple-Saison 2013 geglückt. Danach waren den Münchenern unter Trainer Pep Guardiola zweimal im Halbfinale die Grenzen aufgezeigt worden: zunächst gegen Real, im letzten Jahr dann gegen Barcelona. Entsprechend groß ist der Druck auf den 45 Jahre alten Guardiola. Bei einem erneuten Scheitern würde er München nicht durch das "große Tor", wie es Rummenigge einmal formuliert hatte, verlassen, sondern nur durch einen Seitenausgang. Guardiola wäre trotz aller nationaler Titel der Unvollendete. Das weiß er auch.

"Jeder killt mich, aber ich bin noch nicht tot. Ich habe noch eine Kugel", hatte er bereits am Freitag vor dem Ligaspiel gegen Mönchengladbach betont. "Sie können sich gar nicht vorstellen, wie glücklich ich bin", versicherte er. Der FC Bayern könne schließlich noch alle Ziele erreichen, Meisterschaft, Pokalsieg, Champions League. "Ich bin voller Energie", so der Katalane. Erst wenn es nicht klappe, dann könne man ihn "killen". Vor dem Duell mit den unbequemen Spaniern, bei denen Abwehrchef Diego Godin wieder fit ist, hat Guardiola allerdings mehr Probleme, als ihm lieb sein kann.

Pep Guardiola im Hinspiel bei Atletico Madrid: Manchmal möchte man gerne mal Gedanken lesen könnenBild: Reuters/S. Perez

Viele Bayern-Baustellen

So lahmt derzeit das für Guardiolas Philosophie so wichtige Flügelspiel: Arjen Robben fällt aus, Franck Ribery ist angeschlagen, Kingsley Coman und Douglas Costa sind nur bedingt in Form. Die Abwehr machte zuletzt keinen sattelfesten Eindruck. Vor allem stellt sich die Frage, ob Guardiola das Risiko eingeht, den monatelang verletzten Jerome Boateng gegen Antoine Griezmann und Fernando Torres aufzubieten. Am Samstag gegen Borussia Mönchengladbach hatte der Weltmeister Schwächen offenbart.

Zudem geht den Münchnern wie schon in den vergangenen beiden Jahren ausgerechnet im Saisonendspurt "die Leichtigkeit ab", wie Müller offen zugab: "Wir stehen als Mannschaft zwar gut zusammen, aber es geht nicht so locker von der Hand. Wir suchen nach der besonderen Zutat, die uns zu dieser Leichtigkeit verhilft." Spätestens am Dienstagabend sollte diese Suche erfolgreich beendet worden sein.

Die Partie in München beginnt am Dienstag um 20.45 Uhr MEZ. Im DW-Liveticker können Sie das Geschehen mitverfolgen. Los geht es rund 15 Minuten vor Anpfiff.

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