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Wahlkampf-Höhepunkt

13. September 2009

Gespannt wartet Deutschland auf einen großen Wahlkampf-Höhepunkt: Am Sonntagabend liefern sich die Kanzlerkandidaten von CDU und SPD Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier ein TV-Duell. DW-TV strahlt die Debatte aus.

Treten im TV-Duell gegeneinander an: Steinmeier und Merkel
Treten im TV-Duell gegeneinander an: Steinmeier und MerkelBild: AP

Mehr Aufmerksamkeit im Wahlkampf geht nicht: Beim letzten TV-Duell 2005 sahen mehr als 20 Millionen zu, als sich Amtsinhaber Gerhard Schröder und Angela Merkel gegenüberstanden. Und auch in diesem Jahr rechnen Kanzlerin und der sozialdemokratische Herausforderer mit hohen Einschaltquoten, wenn Sie live vor den Kameras zu den großen zentralen bundespolitischen Themen Stellung beziehen. Sowohl Merkel als auch Steinmeier signalisierten im Vorfeld, eher eine sachliche Auseinandersetzung zu suchen und nicht aufeinander losgehen zu wollen.

Die Debatte wird 90 Minuten dauern und von vier großen Fernsehsendern live übertragen. Auch DW-TV zeigt das Duell in allen Programmen (USA: Montag, 01.30-03.00 UTC, Europa: Sonntag, 21:30-23.00 UTC, Lateinamerika: Sonntag 23.30-01.00 UTC, Asien: Montag, 01.30-03.00 UTC).

Vorbild: USA

Das erste TV-Duell fand in Deutschland bei der Bundestagswahl 2002 statt: Den beiden so genannten "Spin-Doktoren" – den Medienberatern der beiden damaligen Spitzenkandidaten – war es gelungen, ein TV-Duell zu arrangieren. Michael Spreng, der Edmund Stoiber beriet, und Matthias Machnig, der sich um den medialen Auftritt von Kanzler Gerhard Schröder bemühte, waren sich über die potentielle Bedeutung eines solchen Fernseh-Events in Deutschland einig.

Wie in den USA, wo es TV-Duelle seit 50 Jahren gibt, sollten Unentschlossene und Wankelmütige von den Vorzügen der jeweiligen Kandidaten auf diese Weise kurz vor der Wahl überzeugt werden, ihr Kreuzchen auf dem Wahlzettel an der richtigen Stelle zu machen. Die Medienberater trichterten ihren Chefs den richtigen Umgang mit Kameras und fragenden Journalisten und vor allem mit dem politischen Gegner ein.

Entscheidung im letzten Moment

Das Duell 2002: Stoiber gegen SchröderBild: AP

2002 war das Ergebnis eindeutig. Obwohl Stoiber durchaus eine gute Figur machte, war Schröder Sieger des TV-Duells. Auch drei Jahre später war Schröder gegenüber seiner Herausforderin Merkel im Vorteil. Mehr noch: Er konnte sogar einen Abwärtstrend der SPD aufheben und ins Gegenteil verkehren.

Wahlforscher haben in den vergangenen Jahren herausgefunden, dass sich viele Menschen erst kurz vor dem Wahltag entscheiden, wem sie ihre Stimme geben. Deshalb kommt dem zeitnah zum Wahltag ausgestrahlten TV-Duell eine große Bedeutung zu.

Für den Medienexperten Lutz Hachmeister vom Berliner Institut für Medien- und Kommunikationspolitik wird der Wahlkampf kurz vor Schluss dadurch noch einmal dynamisiert: "Wer sich geschickt anstellt, kann den eigenen Themen noch einmal einen vielleicht wahlentscheidenden Spin geben."

Im Duell 2005 konnte Schröder mit seinem Engagement während des Oder-Hochwassers, mit seinem strikten Nein zum zweiten Irakkrieg und seinem souveränen Auftreten punkten. Merkel sammelte Pluspunkte beim Thema Arbeitslosigkeit.

Wie in Nordkorea

Das Duell 2005: Merkel gegen SchröderBild: AP

Im Jahr 2002 hatten sich die privaten und die öffentlich-rechtlichen Sender darauf geeinigt, dass ARD und ZDF die erste der beiden Runden des TV-Duells ausstrahlen und die Privatsender RTL und SAT.1 die zweite Runde. 2005 wurden alle vier Sender - nach Druck aus den Parteien - unter einen Hut gebracht. Es gab nur noch einen Ausstrahlungstermin, zeitgleich auf allen vier Sendern.

Damit wurde zwar eine riesige Zuschauerbeteiligung garantiert, aber die Sender mussten sich Kritik anhören, dass sie ihre Hoheit über Programmentscheidungen aufgegeben hätten. Die Kritiker sprachen von "nordkoreanischen Verhältnissen" und von "gleichgeschalteten" Medien, denen zu entgehen die Menschen keine Chance hätten.

Hachmeister sieht in der Bündelung der ausstrahlenden Sender und der begleitenden Sendungen davor und danach die Begründung für "die starke Wirkung dieses Duells auf die Wahlentscheidung".

Medienberater Spreng jedoch glaubt, das Ende der TV-Duelle zu sehen. Denn bei der nächsten Wahl wird es möglicherweise nicht mehr nur zwei, sondern mehr Kanzlerkandidaten geben. Dann nämlich, wenn die vermeintlich kleinen Parteien wie FDP und Grüne immer mehr Wähler gewinnen, und die SPD weiter an Zustimmung verliert.

Auch Hachmeister fände es demokratietheoretisch bedenklich, in solch einer Situation das TV-Duell auf zwei Kandidaten zu beschränken und die anderen auszuschließen. Eine Lösung könnte die Rückkehr zu einer großen Runde der Parteivorsitzenden oder Spitzenkandidaten sein.

Autor: Matthias von Hellfeld

Redaktion: Kay-Alexander Scholz, Sabrina Scholz

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