Der Kampf gegen hohe Spritpreise in Deutschland und der EU
18. September 2026
Die steigenden Spritpreise versetzen Europas Regierungen in Alarm. In Deutschland hat Bundeskanzler Merz Entlastungen für Autofahrer angekündigt.
In Frankreich hat Präsident Macron die Vertreter aller Parteien sowie die Präsidentschaftskandidaten zu einer Sitzung im Elysée-Palast zusammengerufen.
Ursache ist die Achterbahnfahrt der Ölpreise seit Jahresbeginn. Diese hält die Weltwirtschaft in Atem. Eine der Folgen: Exorbitante Spritpreise, steigende Transportkosten und steigende Inflation.
Ein Ölpreis, 27 Spritpreise
In der EU ziehen die Spritpreise in allen Mitgliedsstaaten an, allerdings nicht in gleichem Ausmaß. Denn je nach Land sind Abgaben und Steuern auf Benzin und Diesel sehr unterschiedlich ausgestaltet.
Der steigende Ölpreisist die Basis für rasanten Preissprünge an den Tankstellen. Das Jahr begann mit einem historischen Tiefstand der Sorte Brent von 59 US-Dollar für ein Barrel (159-Liter-"Fass") am 2. Januar.
Nach dem Angriff der USA und Israels auf den Iran am 28. Februar im Rahmen der Militäroperation "Epic Fury" erreichte die Sorte Brent am 9. März einen Höchstwert von 119 US-Dollar pro Barrel. Mittlerweile liegt der Preis bei rund 106 US-Dollar.
Spitzenreiter Dänemark und Niederlande
Auf den Ölpreis werden dann je nach EU-Land unterschiedliche Abgaben erhoben. Während zum Beispiel in den Niederlanden der Liter Benzin mit 79 Cent extrem hoch besteuert wird, sind es auf Zypern nur 43 Cent (siehe Grafik).
In Deutschland liegt die Energiesteuer pro Liter Benzin bei rund 66 Cent, ein Liter Diesel wird mit 47,04 Cent besteuert. Hinzu kommen noch eine CO2-Abgabe und die Mehrwertsteuer in Höhe von 19 Prozent.
Dementsprechend schwanken die Benzinpreise. Dänemark und die Niederlande führen mit Spitzenwerten von 2,56 Euro und 2,43 Euro das Ranking an (siehe Grafik). Am günstigsten ist Tanken in Spanien, Polen, Bulgarien und auf Zypern mit Preisen zwischen 1,62 Euro und 1,87 Euro.
Starker Anstieg in Deutschland
Mit einem Preis von 2,36 Euro für Benzin (Stichtag 14.9.2026) liegt Deutschland bei Spritpreisen im oberen Drittel und gehört zu den hochpreisigen Ländern. In den Nachbarländern Frankreich (2,17 Euro), Polen (1,82 Euro) und Belgien (1,98) ist es etwas günstiger, für Autofahrer in den Grenzregionen könnte es sich lohnen, jenseits der Grenze zu tanken.
Im Gegensatz zu den noch teureren Nachbarländern Dänemark und den Niederlanden, wo die Spritpreise traditionell hoch sind, war der Anstieg in Deutschland im Vergleich zu 2025 allerdings besonders stark. Beim Benzin betrug er 37 Prozent, beim Diesel sogar 54 Prozent.
Auch in Polen kam es zu einem Preissprung, allerdings von einem niedrigeren Niveau. Der Preis erhöhte sich von 1,36 Cent auf 1,82 Cent, was einem Prozentsatz von 33 Prozent entspricht.
Belgien bittet Autofahrer zur Kasse
Dennoch gehört Deutschland für Autofahrer nicht zu den teuersten Ländern in der EU. Laut dem Verband der Europäischen Automobilhersteller ACEAliegen dort die jährlichen durchschnittlichen Steuereinnahmen pro Fahrzeug bei rund 1600 Euro (siehe Grafik).
Diese Steuereinnahmen setzen sich neben den Abgaben auf Diesel und Benzin (Energiesteuer, CO2-Abgabe) unter anderem aus KfZ-Steuern, Registrierungsgebühren, Mehrwertsteuern auf den Kaufpreis eines Autos und auf Sprit, Führerscheinkosten und Steuern auf Autoversicherungen zusammen.
Besonders kostspielig ist es laut diesen Berechnungen in Belgien, Finnland und Österreich, ein Auto zu besitzen und zu fahren. Dort liegt die durchschnittliche jährliche steuerliche Belastung über 2300 Euro. Belgien belegt mit knapp 2900 Euro den Spitzenplatz.