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Gesellschaft

Der Patienten-Clown geht neue Wege

9. Mai 2020

In manchen Krankenhäusern und Pflegeheimen sorgen Clowns für gute Laune und Abwechslung bei Kindern und Alten. Besuchsrestriktionen wegen der Corona-Pandemie setzten dem ein Ende. Doch manche Clowns sind erfinderisch.

BdT Coronavirus - Potsdam - Virtuelle Clownsprechstunde
Bild: picture-alliance/dpa//C. Soeder

Ein Clown lebt vom Kontakt mit dem Publikum. Egal ob in der Manege, auf der Bühne - oder in einem Krankenhaus oder Pflegeheim. Wie aber tritt ein Clown auf, wenn er gezwungen ist, allein von zuhause aus zu arbeiten? Als in Deutschland im Zuge der  Corona-Pandemie voreinigen Wochen das Abstandhalten eingeführt wurde, gab es darauf keine klare Antwort.

Kinder in Krankenhäusern und Alte in Pflegeheimen, die durch den Besuchsstopp ohnehin isoliert waren, fühlten sich noch einsamer. Jetzt kamen auch keine Clowns mehr. Und auch die Clowns vermissten ihre Fans.

"Wir waren völlig fertig. Ein bisschen von einem Clown steckt doch immer in dir", sagt Susanna Curtis, auch bekannt als Dr. Maggie McDudel, der Deutschen Welle. "In den ersten Wochen hatten wir das Gefühl, als würde ein Teil unseres Lebens verschwinden."

Aber es dauerte nicht lange, bis eine Übergangslösung gefunden war. Clown-Verbände, wie der Dachverband Clowns in Medizin und Pflege Deutschland e.V., für den Curtis arbeitet, fingen an, die Auftritte auf Videoplattformen zu verlegen. Clowns verwandelten  ihre Wohnzimmer in Online-Bühnen. Das war für die Kinder und Alten natürlich nicht dasselbe wie ein echter Auftritt im Pflegeheim oder Krankenhaus. Aber: Es war besser als gar nichts.

Susanna Curtis ist professionelle Choreographin. Ursprünglich stammt sie aus Schottland. Aber seit 1988 lebt sie in Bayern. Sie wollte unbedingt, dass die Online-Auftritte gelingen. Vor dem Corona-Ausbruch hatte sie in ihrer Gegend vier Clown-Auftritte pro Woche, jetzt sind es meist zwei. "Das ist natürlich jetzt nicht normal, aber immerhin können wir überhaupt was machen", sagt sie.

Die Distanz überwinden

Für Menschen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen war Corona ein besonders schwerer Schlag: Einmal wegen der für sie größeren Gesundheitsgefahren durch das Virus. Aber auch, weil Besuche nicht mehr erlaubt waren. Selbst unter normalen Umständen leiden diese Menschen oft an Einsamkeit und Depressionen. Die wiederum können ihre Gesundheit zusätzlich belasten.

Genau da sollen die Clown-Besuche ansetzen und Hilfe bringen. "Lachen ist die beste Medizin", sagt das Sprichwort. Und als der Dachverband der deutschen Klinikclowns vor einem Jahr sein 15-jähriges Bestehen feierte, lud Gesundheitsminister Jens Spahn in sein Ministerium ein.

Die Auftritte, oftmals zu zweit, basieren auf Improvisation. Es geht um  Interaktion mit den Zuschauern, darum, die Energie im Raum aufzugreifen. Das auch online hinzubekommen, ist eine ziemliche Herausforderung.

Spaß am Bildschirm kann den Auftritt nicht ersetzen - und ist doch so viel besser als nichtsBild: picture-alliance/dpa//C. Soeder

"Wir müssen verschiedene Techniken entwickeln, um eine Wirkung zu erzielen, als wären wir im selben Raum wie das Publikum – eine ziemlich witzige Vorstellung", sagt Curtis. "Aber der direkte Kontakt zu unseren Patienten fehlt natürlich."

Die Reaktionen seien bisher weitgehend positiv ausgefallen, so Curtis. In einigen Fällen durften die Clowns sogar in Person auftreten: von einer Terrasse oder einem Garten aus, während das Publikum aus der Entfernung zuschaute.

Helfen und sich helfen lassen

Für Florentine Schara, die als Perdita Poppers für die Roten Nasen Deutschland auftritt, war es ein "magischer Augenblick", als sie auf dem Gelände eines Pflegeheims ein altes deutsches Volkslied anstimmte. Die Bewohner standen auf ihren Balkonen und stimmten begeistert ein.

So nahe dürfen Klinikclowns ihrem Publikum wegen Corona derzeit nicht kommenBild: Gregor Zielke

"Ich habe wirklich gespürt, wie froh sie sind, dass wir etwas für sie tun", sagt Schara der Deutschen Welle, obwohl die Distanz und der Wind die Kommunikation erschwert haben.

 "Clowns bringen die Leute nicht nur zum Lachen, sie lösen auch Spannungen", weiß sie. "Im Augenblick scheint es, als sei das ganze Land, die ganze Welt angespannt. Daher, glaube ich, sollte jeder seinen eigenen Clown haben, um sich wenigstens für einen kurzen Moment zu entspannen."

Bild: picture-alliance/dpa//C. Soeder

Auch unter den erschwerten Bedingungen ist die Arbeit eine Entlastung für die Clowns selbst. Als professionelle Künstler leiden unter abgesagten Auftritten, müssen mit Einkommenseinbußen leben. Aber die Clowns erleben auch eine psychologische Entlastung: "Der Clown ist naiv. Er denkt nicht `meine Eltern sind wirklich alt; ich hoffe, sie stecken sich nicht an und sterben'; oder: 'Wie kann ich nur die nächste Miete bezahlen?'", sagt Schara. "Für mich ist es erfrischend, dass ich diesen naiven Teil in mir habe, auf den ich zurückgreifen kann."

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