Derivategeschäfte werden transparenter
10. Oktober 2012
Der für die Finanzaufsicht schwer durchschaubare außerbörsliche Handel mit Finanzderivaten soll transparenter werden. Die Bundesregierung verabschiedete einen Gesetzentwurf zur Umsetzung einer entsprechenden EU-Verordnung in Deutschland. Künftig müssen Derivategeschäfte wie Wetten auf Aktien- oder Rohstoffkurse, die zum Beispiel zwei Banken abschließen, an ein Register gemeldet werden. Standardisierbare Geschäfte müssen über zentrale Clearingstellen laufen. Dadurch soll sichergestellt werden, dass die Aufsicht einen Überblick über die Risikopositionen aller Marktteilnehmer hat. Bisher ist der Markt für OTC-Derivate ("Over The Counter", OTC) unreguliert.
Das weltweite Marktvolumen für Derivate wird auf rund 700 Billionen Dollar geschätzt. Das entspricht dem Zwölffachen der weltweiten Wirtschaftsleistung. In der Finanzkrise 2008/09 hatten sich die 20 führenden Wirtschaftsnationen (G20) auf den Grundsatz geeinigt, dass jeder Markt, jedes Finanzprodukt und jeder Marktteilnehmer unter Aufsicht gestellt werden soll. Dadurch sollen Kettenreaktionen wie nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers in Zukunft vermieden werden.
In der EU war die Verordnung über eine Regulierung von Derivaten lange umstritten, weil vor allem Großbritannien für seinen Finanzplatz London Nachteile befürchtet hatte. Durch die Neuregelung steigen die Kosten für Derivategeschäfte. Werden sie künftig über Clearingstellen abgewickelt, übernimmt ein Mittler das Risiko eines Ausfalls eines der Geschäftsparteien und kassiert dafür Gebühren. Unternehmen und Banken nutzen Derivate unter anderem, um ihre Zins-, Wechselkurs- oder Rohstoffpreisrisiken zu managen.
Nach Einschätzung der französischen Finanzaufsicht AMF wird die Reform frühestens ab Juni 2013 schrittweise eingeführt. Derzeit kontrollieren15 der weltgrößten Banken das Geschäft mit den Derivaten kontrolliert.
zdh/bea (rtr)