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Deutsche Bank: Ende im Kirch-Streit?

19. Februar 2014

Im Streit der Erben des Medienunternehmers Leo Kirch mit der Deutschen Bank zeichnet ein Ende ab. Das Münchener Oberlandesgericht hat einen bereits angesetzten Verhandlungstermin wieder abgesagt.

Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main
Bild: picture-alliance/dpa

Die Deutsche Bank steht nach Informationen aus Finanzkreisen vor einem Vergleich mit den Kirch-Erben. Die Bank habe ein Angebot unterbreitet, um den Streit aus der Welt zu schaffen, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Laut "Süddeutscher Zeitung" soll es um 800 Millionen Euro plus Zinsen gehen. Weder die Bank noch die Kirch-Seite wollten die Berichte auf Nachfrage kommentieren. Bereits 2012 war ein ähnlicher Anlauf kurz vor dem Abschluss geplatzt.

Ernüchterung bei der Deutschen Bank

01:40

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Das Oberlandesgericht München jedenfalls hat einen für Donnerstag geplanten Sitzungstermin abgesagt. Wie das Gericht am Mittwoch mitteilte, seien neue, erst nach Dienstschluss eingegangene Schriftsätze der Grund für die überraschende Absage.

Finanziell wäre die Bank auf eine Einigung vorbereitet: Für den Kirch-Prozess und die anderen Rechtsstreitigkeiten, in die sie verwickelt ist hat Deutschlands größte Bank zuletzt Riesensummen zurückgestellt. Allein die zahlreichen juristischen Auseinandersetzungen wegen windiger Hypothekengeschäfte in den USA und die Beteiligung an den Manipulationen bei wichtigen Zinssätzen hatten die Bank im vergangenen Jahr 2,5 Milliarden Euro gekostet. Für weitere Prozesse waren zum Jahresende zusätzlich 2,3 Milliarden Euro zurückgelegt worden.

Ein Vergleich nach zwölf Jahren?

Begonnen hatte der Streit vor zwölf Jahren mit einem Interview des damaligen Chefs der Deutschen Bank. Rolf Breuer hatte in einem Fernsehinterview Anfang Februar 2002 Zweifel an der Bonität des Medienunternehmers Kirch gesät. Angesprochen auf Kirchs Kreditwürdigkeit hatte Breuer der Nachrichtenagentur Bloomberg gesagt: "Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen."

Aus Sicht von Leo Kirch lieferten Breuer und die Bank, zu deren Kunden Kirch zählte, damit den Auslöser für den Zusammenbruch des verschachtelten und hoch verschuldeten Medienimperiums. Zum Kirch-Imperium gehörte unter anderem der Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 und der Bezahlsender Premiere.

Der Medienmogul Leo Kirch, ein Freund des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl verstarb im Juli 2011 im Alter von 84 Jahren. Seither führen seine Erben den Prozess gegen die Deutsche Bank weiter.

Ein Vergleich wäre kein Schlussstrich

Solle es zu einem Vergleich zwischen der Deutschen Bank und den Kirch-Erben kommen, wäre die juristische Aufarbeitung der Affäre aber noch nicht zu Ende. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt weiterhin unter anderem gegen die früheren Bankchefs Breuer, Josef Ackermann und den aktuellen Co-Chef Jürgen Fitschen. Die Ermittler prüfen, ob die Manager in dem Zivilprozess vor dem OLG in München falsche Angaben gemacht haben. Eine Entscheidung über eine Anklage ist allerdings noch nicht gefallen.

dk/re (dpa/rtr(afp)

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