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Deutsche Bank will Skandalbanker für Aufsichtsrat

4. April 2018

Chefaufseher Paul Achleitner sorgt für den nächsten Paukenschlag bei Deutschlands größter Bank: Er will den Ex-Chef der untergegangenen Wall-Street-Bank Merrill Lynch, John Thain, in den Aufsichtsrat holen.

John Thain FOX Interview
Bild: Getty Images/R. Kim

Der 62-jährige John Thain ist an der Wall Street alles andere als ein unbeschriebenes Blatt. Immer wieder sorgte der Investmentbanker für Negativ-Schlagzeilen. Während der Finanzkrise wurde er für viele Kritiker zum Inbegriff des gierigen Wall Street-Bankers, der sich trotz milliardenschwerer Verluste seines Arbeitgebers mit großzügigen Bonuszahlungen belohnt.

Thain war von 2004 bis 2007 Chef der New Yorker Börse NYSE, bevor er 2007 an die Spitze der kriselnden Investmentbank Merrill Lynch wechselte. Um die Pleite der damals drittgrößten US-Investmentbank zu verhindern, die sich mit dubiosen Hypotheken-Derivaten verspekuliert hatte, fädelte Thain 2008 den Notverkauf an die Bank of America ein.

Besonders heikel: Während Merrill Lynch ums Überleben kämpfte, hatte sich Thain sein neues Büro für 1,2 Millionen Dollar neu einrichten lassen. 2007 lagen seine Gesamtbezüge bei Merrill Lynch bei 83 Millionen Dollar, obwohl die Bank bereits kurz vor dem Kollaps stand.

Dubiose Rolle während der Finanzkrise

Weil Thain unmittelbar vor der Notfusion mit der Bank of America großzügige Boni an die Top-Banker von Merrill Lynch eingefädelt haben soll, wurde er nur wenige Wochen nach der Übernahme Ende Januar 2009 vom damaligen Bank of America-Chef Ken Lewis zum Rücktritt gezwungen. Zuvor war bekannt geworden, dass die gerade übernommene Merrill Lynch im vierten Quartal 2008 einen unerwartet hohen Verlust von 15 Milliarden Dollar gemacht hatte - und die Bank of America dadurch selbst in schweres Fahrwasser geraten war.

Kein Wunder, dass viele Beobachter Thain als Fehlbesetzung für den Aufsichtsrat der Deutschen Bank sehen. Dazu kommt, dass Thain ehemaliger Goldman Sachs-Banker ist - genau wie der in die Kritik geratene Aufsichtsrats-Chef Paul Achleitner. In seiner Zeit bei der größten Investmentbank der Welt in den späten 1980er war Thain für Finanzprodukte rund um Hypotheken-Verbriefungen zuständig. Diese immer weiter entwickelten und immer weniger zu durchschauenden Derivate stürzten die Welt 2008 in die größte Krise seit der Weltwirtschaftskrise Ende in den 1930er Jahren.

Der Ausflug der Deutschen Bank in die einst glamouröse Welt der New Yorker und Londoner Investmentbanker, die durch ihre dubiosen Immobilien-Derivate die US-Regulierer auf den Plan gerufen hatten, sorgte für eine ganze Reihe von Prozessen und milliardenschwere Vergleiche, die seit Jahren die Bilanz des deutschen Branchenprimus belasten.

Obwohl Thain immer wieder wegen seiner millionenschweren Boni in die Kritik geraten ist, hat er sich auch als erfolgreicher Unternehmenslenker einen Namen gemacht, etwa durch die Übernahme des europäischen Börsenkonzerns Euronext durch die New York Stock Exchange. Von 2010 bis 2016 war er Chef des US-Mittelstandsfinanzierers CIT, den er erfolgreich sanierte.

Sanierer sind auch bei der Deutschen Bank gefragt, bei der nach drei verlustreichen Jahren die Geduld der Investoren aufgebraucht zu sein scheint und alles zur Disposition steht: Und das ist nicht nur Vorstands-Chef John Cryan, sondern auch Paul Achleitner selbst.

tko/hb (rtr, dpa)

 

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